Lade Inhalte...

Frankfurt-Nied Niddaschule als Vorreiter

Die Lernförderung der Schüler untereinander findet großen Anklang.

In der Lernkaskade helfen ältere Schüler den jüngeren.

Schüler der Niddaschule haben am Dienstag das Förderkonzept „Lernkaskade“ vorgestellt. Getragen vom Verein Chancenwerk e.V. setzt die Niddaschule seit Dezember 2016 als bislang einzige Grundschule in der Bundesrepublik dieses Lernförderkonzept um.
„In Mathe hatte ich immer nur Dreier, gestern hab‘ ich eine Eins Minus bekommen“, erzählt der neunjährige Marco. Seit seine Mutter mit seiner Lehrerin für ihn die Teilnahme am Programm vereinbart hat, macht er sichtbare Fortschritte. Allerdings: „Es geht in erster Linie darum, eine positive Haltung zum Lernen, zur Schule und zur Bildung zu vermitteln“, sagt Schulleiterin Ela Kimbel.

Die Lernförderung richtet sich an Schüler, deren Familien sie aus zeitlichen, bildungsfernen oder sprachlichen Gründen nicht beim Lernen unterstützen können. Nach Angaben des Vereins nehmen wöchentlich über 4000 Kinder an den Extra-Lerneinheiten teil – davon 17 an der Niddaschule in der Oeserstraße 2. „Spielerisch und locker“ – gestaltet sie die Doppelstunden, erzählt Ümmügül Akay, die von den Schülern nur  „Ümmü“ gerufen wird. Auch ihre Mitarbeit ist ein wichtiger Teil des Programms, sie ist die studentische Schulkoordinatorin an der Niddaschule. Denn so funktioniert die „Lernkaskade“: Studierende helfen älteren Schülern und werden dafür vom Verein bezahlt. Die älteren Schüler helfen im Gegenzug für die Nachhilfe den nächstjüngeren.

So wie Aylin. Sie kann mit ihren elf Jahren schon so manche Frage der Kleinen beantworten: Die häufigste Frage sei „Wie rechnet man das?“, erzählt die Elfjährige. Sie war selbst mal Schülerin hier, heute besucht sie eine weiterführende Schule.

„Die größte Herausforderung ist es, ältere Schüler für das Projekt einzuspannen“, sagt Murat Vural. „Die Fluktuation ist hoch, weil sich auch die Älteren nach ihrem Stundenplan richten müssen“. Er plant deshalb die Zusammenarbeit mit Schulen im Umkreis auszubauen. 
Vural hat den Verein vor 14 Jahren zusammen mit seiner Schwester gegründet. Im Ruhrgebiet eingeschult, ist er im Alter von fünf Jahren in die Türkei gezogen und ging bis zum 16.

Lebensjahr dort zur Schule. Zurück in Deutschland wurde er auf die Hauptschule gesteckt. „Die Lehrer haben nie an mich geglaubt – heute bin ich Ingenieur“, sagt Vural: „Wir wollten unsere negativen Erfahrungen mit dem Bildungssystem in etwas Positives umwandeln“.

Das Konzept wird heute bundesweit an 76 Schulen eingesetzt und zeigt Wirkung. Auch Ayman ist in allen Fächern schon um eine ganze Note besser geworden. „Während dem Unterricht lenken mich meine Freunde ab“, sagt der Achtjährige, „beim Chancenwerk nicht“. 
Über 90 Prozent der Kinder an der Niddaschule kommen aus Familien, in denen verschiedene Barrieren die Unterstützung beim Lernen erschweren. „Wir waren bereit, etwas auszuprobieren“, sagt Kimbel rückblickend, „und hatten damit Glück“.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen