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Frankfurt-Höchst Rassismus an der Haltestelle

Das Theaterstück „Busstop“ spielt im Kulturkeller Höchst echte Erlebnisse mit Rassismus nach und setzt ein Zeichen gegen alltägliche Vorverurteilungen.

Theaterstück Busstop
Das Theaterstück Busstop zeigt Rassismus, Vorurteilen und den alltäglichen Wahnsinn an Haltestellen. Foto: Rolf Oeser

Eigentlich war es nur die Toilette, derentwegen Amir Mansoor überhaupt in die Kneipe gegangen war. Als er gerade durch die Tür in den Schankraum trat, meinte einer vom Tresen her, niemand habe ein Taxi bestellt. Was er, Amir, also hier wolle?

„Nur wegen meines Aussehens wurde ich direkt in eine Schublade gesteckt“, sagt der gebürtige Pakistaner heute. Einzigartig ist seine Geschichte keineswegs, sie lässt sich zigfach nacherzählen. Andere Akteure zwar, andere Orte, andere Zeiten. Immer aber die gleiche Vorverurteilung von Menschen und ihre Ausgrenzung ihres Aussehens wegen.

Mansoor hat die Geschichten und ihre Menschen gesammelt und in Kooperation zwischen dem pakistanisch-deutschen Kulturverein PakBann und der Initiative Bunter Tisch in Höchst ein Theaterstück daraus gemacht: „Busstop“. Am Samstag hat es Premiere gefeiert im Kulturkeller Höchst.

Der Name ist Haupthandlungsort auf der Bühne. Dementsprechend sieht sie auch aus wie eine echte Station der VGF, mit kleiner, spartanischer Bank, Schild und Fahrkarten-Automat, allesamt in türkisener Farben gehalten. Die Haltestelle, sagt Mansoor, sein ein Ort, an dem es alltäglich zu Rassismus käme. Die 15 Darsteller sind allesamt Laienschauspieler aus Höchst und Umgebung, gefunden über ein öffentlich ausgeschriebenes Casting. Was sie verbindet, ist ihre Erfahrung von Ausgrenzung und Ablehnung.

In der einjährigen Vorbereitung des Stückes hätten die Schauspieler eigene Erfahrungen auf der Bühne einfließen lassen können, erzählt Amir Mansoor. Sukzessive ist somit ein Gesamtwerk entstanden, das aus den wahren Einzelschicksalen der Schauspieler selbst besteht, die in kleinen Episoden dargeboten werden.

Da ist Karin, die aus der DDR ausgebrochen ist und sich nach der Flucht im eigentlich eigenen Land fremd gefühlt habe. Oder Mehret Woldai aus Eritrea, die an der Bushaltestelle auf der Bühne erzählt, jemand habe ihr Waschmittel verkaufen wollen, damit sie ihre Haut weißwaschen könne. „Ihr ist das tatsächlich so passiert“, sagt Mansoor.

Das Stück will ein Zeichen setzen gegen Alltagsrassismus und Fremdenfeindlichkeit. Zwischen den einzelnen Episoden sitzt Paulo Silva von den Kapverdischen Inseln mit seiner Gitarre im gedämpften Licht. Ein kurzes Zupfen der Saiten, darüber seine beinahe zerbrechliche Stimme, die eine leichte Melodie malt, die hinwegzutäuschen scheint über die Schwere der Schicksale, die sich auf der Bühne dem Zuschauer offenbaren.

Edgar spielt auch mit. Ein betagter Herr, der sich zu Beginn des Werkes vorstellt und der sich vor der zunehmenden Fremdenfeindlichkeit sorgt, die alle etwas angehe. Denn das eine wird deutlich an diesem Abend: Alle sitzen sie im selben Bus.

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