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Frankfurt Gibt es noch Nilgänse im Brentanobad?

Im Winter schossen Jäger auf Nilgänse im Brentanobad. Hat das die Tiere ausreichend beeindruckt? Ein Besuch.

Nilgänse Brentanobad
Frankfurter Nilgänschen denken vermutlich, Wasser sei blau. Das halbe Dutzend im Brentanobad, Mama und Papa sind in der Nähe. Foto: Michael Schick

Wie sich die Zeiten ändern: Im Winter lief der Jäger mit dem Schießgewehr durchs Brentanobad, um Horden von Gänsen zu vertreiben. Jetzt ist praktisch Sommer, Badesaison, und das Verhältnis hat sich genau umgekehrt: Jede Menge Menschen – fast keine Gänse. Und garantiert keine Gewehrschüsse.

Um zweierlei zu überprüfen, geht die Frankfurter Rundschau an diesem Montag ins Rödelheimer Freibad. Erstens: Sind Gänse da? Zweitens: Was ist mit ihrem Kot? Den hatte das Gesundheitsamt zur Gefahr erhoben.

Auf den ersten Blick: Ja, es sind Gänse da. Nilgänse. Aber nur acht. Und davon sechs ganz kleine. Gänseklein sozusagen. Gerade watschelt die gesamte Familie von der Liegewiese an den Wasserrand, und – hühüpf – springen die Kleinen ins Becken. Vier sind schon drin, jetzt traut sich das fünfte Küken, uuuund platsch! Das halbe Dutzend paddelt auf den Wellen.

Jeden Morgen Kot entfernen

Alles direkt unterm Hochsitz des Schwimmmeisters übrigens. Dort haben sich auch einige Verdauungsprodukte angesammelt, und wenn wir mal davon ausgehen, dass sich Schwimmmeister üblicherweise zu benehmen wissen – dann werden es wohl die Gänse gewesen sein. Aber keine Proteste unter den Gästen, kein Aufruhr. Nur als sich ein Schwimmer kraulend den sechs kleinen Flaumkorken nähert, trötet der Gänsevater Alarm, und die Rasselbande eilt an Land.

„Wenn ich morgens um sieben hier anfange“, sagt Harald Kümbel, der Betriebsverbundleiter, zuständig für Brentano-, Rebstock- und Hausener Bad, „dann fliegen die Gänse weg.“ Heute waren es vier. Mal sind es mehr, mal weniger. Nur die Familie bleibt. Die Jungen können ja noch nicht viel, vor allem nicht fliegen.

Aber verdauen, das können sie. Und die erwachsenen Vögel erst mal! Nachts tummeln sie sich offenbar weiterhin in großer Zahl im Bad. Jeden Morgen sind die Beweise rund ums Becken verteilt. „Ein Mitarbeiter ist morgens zwei Stunden damit beschäftigt, das wegzuputzen“, sagt Kümbel, „manchmal drei.“ Mit Schrubber und Wasserschlauch. Haupttoilette der Gänse ist der gepflasterte Weg am Becken. Ins Wasser machen sie nicht? „Praktisch gar nicht, aber selbst wenn, wir haben gechlort – es passiert nichts.“

Es sieht aber nicht schön aus, oder? „Das stimmt“, sagt Kümbel, „ich verstehe auch, wenn die Leute sich beschweren. Aber das größte Ärgernis ist eigentlich, wenn sie die Gänse füttern.“ Das sei schließlich Ausgangspunkt des Übels. Deshalb prangen auch große Schilder über den Liegewiesen: „Bitte die Wildtiere nicht füttern“. Der Hinweis betrifft weniger die recht zurückhaltenden Rödelheimer Eichhörnchen, auch nicht in erster Linie die Amseln, Krähen, Eichelhäher. Es geht natürlich um die Gänse. Wohin das Füttern führen kann, haben die Brentanobad-Gäste schon bei den Nutrias erlebt. „Da hieß es erst: Ach wie süß!“ Und nach einer gewissen Zeit, als die Tiere sich ans Schlaraffenland gewöhnt hatten, sei die Lage eskaliert: „Wenn sie kein Futter bekamen, haben sie zugebissen.“ Inzwischen seien die Nutrias weitergezogen.

Zurück zu den Gänsen. Abgesehen vom Platz beim Schwimmmeister ist das Bad am Montag weitestgehend kotfrei, und der Verbundleiter ist angenehm unaufgeregt.

Ob die Gewehrschüsse im Winter gewirkt haben, als der Jäger Axel Seidemann zur Abschreckung insgesamt sechs Gänse erschoss, unter dem Protest der Tierfreunde? „Kann ich nicht beurteilen“, sagt Kümbel. „Kann sein, oder auch nicht.“ Und bemerkt er, dass die Gänse fliehen, wenn sie das Blau der Bäderbetriebe Frankfurt (BBF) sehen, die Arbeitskluft, die der Jäger beim Schießen trug, um die Gänse auf Blau als Gefahr zu konditionieren? „Möglich. Aber sicher bin ich nicht.“ Gänse hätten auch Reißaus genommen, als jemand in schrillen Farben zum Joggen kam.

Wie sieht es in den anderen Frankfurter Freibädern aus mit Nilgänsen? „Wir haben gerade die Antworten auf unsere Rundfrage ausgewertet“, sagt BBF-Prokuristin Brigitte Tilly. Resultat: „Ganz sporadisch mal ein Pärchen, aber kein großes Thema.“ Interessant. Warum sind die Gänse im Winter zu Hunderten ins Brentanobad geflogen und in die übrigen Bäder nicht? „Wir haben sie gefragt“, sagt Brigitte Tilly, „aber sie haben nicht geantwortet.“ Versteh’ einer die Nilgänse.

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