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Frankfurt Das Bahnhofsviertel verstärkt die Sucht

Viele Crack-Süchtige geraten laut einer Befragung nur dann in den Kreislauf zwischen Kick und Beschaffung, wenn sie im Frankfurter Bahnhofsviertel sind. Was bedeutet das für die Drogenpolitik der Stadt?

Bahnhofsviertel
In der Niddastraße ist auch nachts deutlich mehr los, als Anwohnern lieb ist. Foto: Christoph Boeckheler

Um die Problematik mit den Crack-Konsumenten im Frankfurter Bahnhofsviertel besser analysieren zu können, hat die Stadt eine umfassende Untersuchung über den Alltag der dortigen Drogenabhängigen vorgenommen. Die Ergebnisse stellte Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) am Montag gemeinsam mit dem Drogenreferat vor. Das Fazit von Majer zu der Problematik mit den Crack-Süchtigen klingt ernüchternd: „Das wird uns noch relativ lange beschäftigen.“

Die Problematik war durch einen Hilferuf der Polizei in die öffentliche Diskussion geraten. Die Polizei hatte Ende 2016 begonnen, mit einer eigens geschaffenen Sondereinheit die Drogenkriminalität im Bahnhofsviertel in den Griff zu bekommen. Neben dem Kampf gegen die Dealer mussten sich die Beamten nachts aber vor allem mit Drogensüchtigen befassen, die sich im Viertel aufhalten.

Als besonders laut und aggressiv fielen dabei Crack-Konsumenten auf. Um der Beschwerde zu begegnen, begann die Drogenhilfe in diesem Sommer, nachts einen Bus mit zwei Streetworkern bereitzustellen, die mit den Drogensüchtigen sprechen und sie davon zu überzeugen versuchen, eine der Schlafstätten in der Schielestraße oder in der Einrichtung am Ostpark in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig nutzten die Sozialarbeiter die Möglichkeit, die Schlaflosen für eine umfassende Studie zu befragen.

Nicht ganz überraschend waren fast alle befragten Personen, die nachts im Bahnhofsviertel angetroffen wurden, Crack-Konsumenten. Die Gründe, was sie nachts im Bahnhofsviertel umtreibt, seien allerdings sehr individuell gewesen, wie Gaby Becker, Leiterin der Integrativen Drogenhilfe Frankfurt, verdeutlicht: „Nur drei Personen gaben an, ein Konsumraum, der nachts geöffnet habe, würde helfen.“

Ungeachtet dessen war fast die Hälfte der 85 Befragten obdachlos. Wie begehrt die Schlafplätze im Bahnhofsviertel sind, weiß Hans Böhl zu berichten, dessen Einrichtung der Jugendberatung und Jugendhilfe in der Elbestraße mittlerweile rund um die Uhr Betten anbietet. „Wenn wir morgens um sechs Uhr aufmachen, stürmen und fallen 25 Personen bei uns rein.“

Der überwiegende Teil wolle ein Bett, müsse dann aber noch bis neun Uhr warten, bis wieder Betten frei sind. Gäbe es mehr Betten, als die derzeit 17, wären die sicherlich auch belegt, glaubt Böhl. Weitere Betten für Drogensüchtige im Bahnhofsviertel zu schaffen, sei aber nicht die Lösung, betont Regina Ernst, die Leiterin des Drogenreferats. Vielmehr sei das Bahnhofsviertel Teil des Problems.

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