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Frankfurt-Bockenheim Alles vegan im Kinderladen

Der erste vegane Kinderladen Frankfurts füllt eine Lücke. „Normale“ Kindergärten bieten selbst vegetarische Kost oft nur bei Vorlage eines ärztlichen Attests, vegane gar nicht.

Kita
Kita-Kinder (Symbolfoto). Foto: dpa

Seit August gibt es in Bockenheim den ersten veganen Kinderladen Frankfurts. Wie alle Kitas für Drei- bis Sechsjährige ist der Kinderladen Mokita kostenlos. Lucien Coy ist Mitbegründer und einer der drei Vorstandsmitglieder. Ihm ist es wichtig zu betonen, dass Mokita kein Kindergarten für Lifestyle-Veganer ist. „Schon die gut 15 Kinder, die bisher zu uns kommen, bilden einen Querschnitt der Gesellschaft ab,“ sagt Coy: „Wir haben auch Kinder mit verschiedenen Migrations- oder Religionshintergründen.“ Nur wenige essen auch zu Hause vegan.

Zu den Infoveranstaltungen seien auch oft indische oder muslimische Eltern gekommen: „Die haben genauso wie Veganer oft das Problem, dass ihre Kinder immer als Sonderfälle gelten, weil sie gar kein Fleisch oder kein Schweinefleisch essen. Bei uns müssen sie sich darüber keine Gedanken machen“, erklärt Coy.

Kritik am Kinderladen Mokita

Tatsächlich füllt der Kinderladen Mokita damit eine Lücke aus. „Normale“ Kindergärten bieten selbst vegetarische Kost oft nur bei Vorlage eines ärztlichen Attests, vegane gar nicht. Mokita aber verzichtet nun auch bei der Ausstattung auf Tierisches wie Bienenwachs oder Wolle. Kinderbücher sollen keine Bauernhof-Idylle zeigen, und der Zoo ist als Ausflugsziel tabu. Stattdessen ermöglichen zwei Aushilfskräfte für Umweltthemen den Kindern regelmäßig Naturerlebnisse, zum Beispiel im Stadtpark.

Zur Eröffnung hat der Kinderladen viel Kritik abbekommen. Dass den Kindern Nährstoffe fehlen würden, wenn sie nur vegan essen, ist eines der verbreitetsten Vorurteile. Um eine ausgewogene tierproduktfreie Ernährung zu gewährleisten, hat der Trägerverein Veggie-Kids e.V. ein umfangreiches Konzept entworfen.

Dafür hat man sich von zwei Köchen, die sich auf vegane Kost spezialisiert haben, und einer Ökotrophologin beraten lassen. Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin B12 dürfen die Erzieher übrigens nicht verabreichen, auch damit die Kinder keine Überdosis bestimmter Stoffe zu sich nehmen. Lebt ein Kind auch zu Hause vegan, werden die Eltern intensiv beraten.

Auf den Mittagstisch kommen nun zum Beispiel Spaghetti mit Tomatensoße, gebratenes Gemüse, Hülsenfrüchte oder auch mal Tofu. „Fertigprodukte verwendet unser Koch fast gar nicht, er kocht frisch und saisonal“, sagt Coy: „Das Essen für Kinder sollte kreativ aber nicht zu herausfordernd sein.“ Die Essgewohnheiten der Kleinen werden wie in jedem Kindergarten dokumentiert. Sollte ein Kind über Wochen nur noch trockene Nudeln und Reis essen, werden die Eltern benachrichtigt.

Und was ist, wenn die Kinder doch mal nach Käse verlangen? „Dann erklären wir ihnen, dass sie den gerne zu Hause essen können. Bei uns gibt es sowas halt nicht“, sagt Coy: „Wir sagen aber auf keinen Fall, dass die eine Ernährung richtig oder falsch wäre. Den Konflikt zwischen Kindergarten und Familie wollen wir vermeiden.“ Als Familienvater mache er das ähnlich: „Ich selbst kaufe nichts Tierisches. Aber auf Kindergeburtstagen dürfen meine Kinder auch Käse essen, wenn sie wollen. Mir ist auch wichtig, mit ihnen darüber zu reden, wo Fleisch herkommt. Das geht schon kindgerecht ab drei Jahren. Unwissenheit finde ich schlimmer, als Regeln aufzustellen.“

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