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FR vor Ort Oldtimer zwischen Büros

In der Theodor-Heuss-Allee in Bockenheim gab es einst kleinere Gewerbebetriebe, nun dominieren Wohnquartiere und Niederlassungen von Banken das Bild. .

Norbert Augustin
Very british: Norbert Augustin repariert fast ausschließlich Jaguar Modelle. Foto: Christoph Boeckheler

Die Oldtimer stehen auf dem Bürgersteig vor der Werkstatt: Jaguar Modelle verschiedenster Baujahre – fast alle Autos die Norbert Augustin repariert, sind von dem britischen Autobauer. Er geht auf der Solmsstraße um einen älteren Wagen, bleibt vor der geöffneten Motorhaube stehen und überprüft den Ölstand.

„Der Kunde will damit nach Holland fahren, deshalb habe ich nochmal drüber geschaut“, sagt er während der Fahrer losfährt und er zurück in seine Werkstatt geht. Das gelbe Gebäude liegt in Bockenheim, unweit des Ortes, den der Pfeilwurf wählte. Am Montagvormittag bei leichtem Regen geht es ruhig zu im Viertel.

Im Inneren der Werkstatt hängt eine riesige britische Flagge, hier warten die Oldtimer und auch moderner Jaguars auf ihre Reparatur. Der Älteste den der momentan in seiner Werkstatt hat, ist aus den 1940ern.

Einige der Oldtimer hat Augustin komplett aufgeschraubt, an manchen arbeite er ein bis zwei Jahre. Er führt zwischen den Autos umher, kennt das Baujahr und Details eines jeden Wagens. Parallel arbeitet er an verschiedenen Autos, somit hat er immer Abwechslung in seinem Job.

Ältere Modelle sind reparaturfreundlicher  

„Ob Elektronik oder der Motorüberholung, ich mache hier eigentlich alles selbst“, sagt der Werkstattleiter. Nur lackieren, das macht er nicht. Dass sei der Vorteil an den älteren Wagen. Bei denen seien Reparaturen ohne Probleme möglich. Für neuere Modelle brauche es wegen der Technik Testgeräte.

Für seine Arbeit kommen Jaguar-Liebhaber aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet zu ihm, sagt er. Und warum gerade Jaguar? „Das sind tolle Autos, die halten Jahrzehnte.“ Bevor er nach Frankfurt kam hat er sich auch schon den britischen Autos gewidmet.

Seit 1974 gibt es die Werkstatt, Augustin ist seit 2007 dabei und leitet sie nun gemeinsam mit seiner Frau. Die Firma stammt aus einer Zeit, in der das Viertel rund um den Dartwurf noch ein anderes war: Viel Gewerbe, weniger Wohnfläche.

Banker kommen zum Glotzen 

In direkter Umgebung habe es etwa einen Getränkemarkt und eine Metzgerei gegeben, erzählt Augustin. Nun bestimmt ein größeres Wohngebiet und diverse Bürogebäude von verschiedener Banken das Stadtbild. Manchmal kämen Beschäftigte in der Mittagspause vorbei, um sie die Autos anzuschauen.

„Früher war es einfacher hier“, sagt Augustin. Mittlerweile würde sich die Nachbarschaft über die Lautstärke und auch den Geruch der Oldtimer beschweren. „Das sind eben alte Autos“, sagt der Automechaniker. Einer der ebenfalls schon lange hier und den Wandel des Viertels kennt ist der 74-jährige Renter Mele Banovic. Ende der 70er kam er aus dem damaligen Jugoslawien hierher. 

Banovic hat lange für eine Kompressoren-Firma in der Qualitätskontrolle gearbeitet. Schrittweise, erzählt er, seien die Firmen aus dem Viertel weggezogen. Büroflächen sind entstanden oder das Luxushotel Raddisson Blu, das er nur „Die Scheibe“ nennt.

Vor seinem Haus stehend zeigt Banovic auf einen Wohnblock, der momentan eine Straße weiter hochgezogen wird. Bauarbeiter sind daran zugange, ein Kran arbeitet. „Das sind tolle Wohnungen, nur leider viel zu teuer“, sagt er. Die Gegend finde er trotzdem sehr gut. „Gewohnheit eben“, sagt er schmunzelnd. Gerne gehe er auf die Leipziger Straße zum Einkaufen oder spazieren, auch wenn es da früher noch mehr gegeben hätte – und ohnehin: Das hat er auch jetzt geplant, sagt er, lacht und begrüßt einen Nachbarn. Die beiden ziehen los. 

Viele sind nur wegen der Arbeit in Frankfurt  

Mit ihrer roten Fassade bietet die Kirche des Propheten Ilias, die von der griechisch-orthodoxen Gemeinde getragen wird, einen interessanten Gegenpol zu den Bürokomplexen und Wohnhäusern. Gleich nebenan liegt der ehemalige Alte Friedhof Bockenheim, ein kleines Stück grün. Hieran vorbei Anne Turfin. Genauso wie viele Menschen im Viertel kommt sie zum Arbeiten hierher.

Eigentlich wohnt sie in Jena. Alle paar Wochen jedoch ist sie drei bis vier Tage in Bockenheim um in der Niederlassung des Klima-Bündnisses. Als Projekt-Leiterin betreut sie das Engagement verschiedener Städte aus Frankreich und Deutschland, die sich gemeinsam für den Klimaschutz einsetzten.

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