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Fasching in Frankfurt Kinderfastnacht in Sindlingen fällt aus

Der Sindlinger Karnevalsverein hat seinen Kinderzug zu Rosenmontag abgesagt. Nur drei Gruppen hatten sich angemeldet.

Sindlingen
Der Kinderfastnachtsumzug 2015. Foto: Christoph Boeckheler

Der Karnevalsverein hat seinen Rosenmontags-Kinderzug abgesagt. Nur drei Gruppen hatten sich angemeldet. „Das rentiert sich nicht“, sagt Michael Streubel traurig. Der Vereinsvorsitzende hat bis zuletzt geworben, die Vereine im Stadtteil persönlich bearbeitet. Ohne Erfolg.

Das zeigt, wie der Stellenwert des Umzugs inzwischen gesunken ist, sagt Streubel betroffen. Nicht einmal die beiden großen Clubs, die Fußballer der Viktoria und die Turner, haben sich gerührt. Es sei eben schwer, sagt Streubel. „Die einen haben keine Zeit, die anderen kein Personal. Die Eltern müssen montags arbeiten, bekommen nicht frei.“

Die übrige Kampagne des Vereins sei nicht betroffen, versichert Streubel. Aber für einen Kinderzug mit nur drei Nummern sei der Aufwand einfach zu groß. „Wir müssen tonnenweise Hinweisschilder aufstellen, die Straßen sperren, die Busse umleiten, die FES muss die Straße reinigen“, zählt Streubel auf.

Die Sicherheitsbestimmungen haben sich auch verkompliziert. Früher hat der Wagen des Roten Kreuzes gereicht, so Streubel, inzwischen müsse er einen Rettungswagen mit Sanitäter und Mannschaft stellen. Obendrein hat die Stadt den Zuschuss für den Zug gekürzt. Was im nächsten Jahr passiert, kann Streubel noch nicht sagen. Vielleicht probieren es die Sindlinger noch einmal, einen Zug zusammen zu bekommen. Vielleicht gibt es aber auch einfach eine Fastnachtsparty für die Kinder.

Auch Uwe Forstmann zeigt sich betroffen von der Absage. Der Pressesprecher des Großen Rats, des Zusammenschlusses aller Frankfurter Karnevalisten, hat den Sindlingern spontan angeboten, beim Kinderumzug in der Innenstadt mitzulaufen. Also, den drei Gruppen, die sich angemeldet und gefreut haben und nun enttäuscht sind. Der Frankfurter Kinderumzug geht von der Konstablerwache zum Römerberg, zwar nicht an Rosenmontag, aber am Samstag davor, kurz vor Erstürmung des Rathauses. „Das geht ineinander über“, sagt Forstmann.

Die Anmeldungen dafür laufen recht gut. Im Frankfurter Westen habe es der Karneval dagegen traditionell schwerer, befindet Forstmann. „Das ist kein neues Phänomen.“ Was an der Bevölkerungsstruktur liege. „Viele können mit Fastnacht nichts anfangen.“ Dazu komme der Frankfurt weit zu beobachtende Trend zum Telespiel statt der Vereinsmitgliedschaft. „Es ist schwerer geworden, Kinder zu bewegen“, sagt Forstmann. Umso mehr müssten die Vereine „den Kids“ etwas bieten, die Jugendarbeit intensivieren. Erfolgsgeschichten gebe es. Die Vereine in der Frankfurter Karnevalshochburg Heddernheim aber auch die Sachsenhäuser Clubs hätten inzwischen Tanzgruppen mit mehr als 100 Kindern. „Wahnsinn“, sagt Forstmann.

Auch der „Verein für soziale Arbeit – Kinderwerkstatt Bockenheim“ hat kein Problem, seinen Rosenmontagszug zu stemmen. Beim Bockenheimer Karneval ist allerdings das Konzept anders. Es ist eine rein lokale Veranstaltung. Dort flanieren die Kinder der Kindergärten aus dem Stadtteil die Leipziger hinunter in Richtung Kirchplatz. Und die Zuschauer und Geschäftsleute stehen am Straßenrand und werfen die Bonbons auf den Umzug.

Der Orga-Aufwand ist dennoch hoch, die Mitarbeiter, etwa 50 Leute, stemmen den ehrenamtlich nebenher. „Das könnten wir sonst niemals bezahlen“, sagt Geschäftsführerin Gabriele Mlynek.

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