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Brentanopark Frankfurt Das jüdische Leben in Rödelheim

Das Petrihaus und der Geschichtsverein haben bei einem Thementag im Brentanopark an die einstige jüdische Gemeinde erinnert. Es gab Vorträge etwa zur alten Synagoge.

Thementag "Jüdisches Rödelheim", Brentanopark, Frankfurt, Bild x von 8
Horst-Günter Kroneisen (hinten) berichtet den Besuchern Wissenswertes zur Gedenkstätte. Foto: Michael Schick (Michael Schick)

Vögel zwitschern, die Nidda rauscht, Spaziergänger schlendern durch den Brentanopark. Hier haben sich am Sonntag rund 40 Gäste im Pavillon des Heimat- und Geschichtsvereins Rödelheim (HGVR) eingefunden, um in Lesungen und Vorträgen mehr zum jüdischen Leben im Stadtteil zu erfahren.

In einer Kooperation mit dem Petrihaus hatte der Verein zu einem Thementag eingeladen. „Wir sind beeindruckt von der Vielzahl an Interessierten, die sich angemeldet haben“, sagt Christine Mostert, Geschäftsführerin des Petrihauses.

In einem Diavortrag zum alten jüdischen Friedhof Rödelheim zeigt Referent Hans Dieter Schneider vom HGVR anhand von Bildern und Karten die traditionelle jüdische Begräbniskultur. So liegen die Grabstätten auf erhöhter Landschaft, ausgerichtet gen Jerusalem. Heute stehen noch 44 Grabsteine auf dem Gelände, darunter ein Gedenkstein Wolf Heidenheims. Der Buchdrucker und Wissenschaftler hatte mehrere Jahrzehnte in Rödelheim gelebt und zählt laut Schneider zu den berühmtesten Juden des Stadtteils.

Die Idee für die Veranstaltung hatte die Literaturwissenschaftlerin Sabine Gruber – sie ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Petrihauses, das sich der Romantik und der Geschichte der Familie Brentano verschrieben hat. Gruber hatte am Vormittag Psalmen und Gebete Heidenheims auf Deutsch vorgetragen, die hebräische Übersetzung las Nili Kranz.

Kranz kam vor 46 Jahren von Tel Aviv nach Frankfurt und schätzt die Anzahl der Mitglieder der Frankfurter Gemeinde auf etwa 7000. In Rödelheim gibt es heute keine jüdische Gemeinde mehr. „Die meisten streng gläubigen Juden leben im Umkreis der Synagogen, weil sie samstags nur zu Fuß gehen dürfen“, erklärt Kranz.

Vor 200 Jahren machte die jüdische Gemeinde ein Drittel der Rödelheimer Bevölkerung aus. An sie und die Verfolgung im Nationalsozialismus erinnert das Projekt „Die Synagoge sichtbar machen“. Im November 2015 wurde die Gedenkstätte fertiggestellt. „Als das Projekt nach den langwierigen Abstimmungen endlich fertig war, haben alle Skeptiker geschwiegen“, sagt Armin Kroneisen, Projektleiter und Vorsitzender des HGVR. Betonplatten zeichnen nun den Grundriss der Synagoge nach, die nach den Schändungen der Pogrome von 1938 und den Zerstörungen durch einen Luftangriff 1944 schließlich im Jahr 1974 eingeebnet worden war.

Besucherin Annerose Schaumann stört sich an Radfahrern, die über die Gedenkstätte fahren. Kroneisen versteht ihre Sorgen: Es habe während der Planungsphase Schwierigkeiten mit dem Weg gegeben, der vom Grundriss der Synagoge unterbrochen wird. Mitglieder der jüdischen Gemeinde hätten ihm aber versichert, dass sich eine Synagoge als Ort der Versammlung verstehe. Daher seien kreuzende Radfahrer keine Schändung einer sakralen Stätte.

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