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Bockenheim Weihnachtsgeschichte mit Kamel

Ein modern inszeniertes Krippenspiel gibt es an Heiligabend am Kirchplatz. Manchen Besuchern fehlt das Besinnliche, andere sind begeistert.

Heiligabend auf dem Kirchplatz
Über 60 auf der Bühne, Hunderte Besucher davor. Foto: Rolf Oeser

Als an Heiligabend auf dem Kirchplatz von Besuchern mehrere hundert Kerzen entzündet werden, stehen alle Darsteller des Krippenspiels gemeinsam auf der Bühne vor der Evangelischen Sankt Jakobskirche. Kinder und Jugendliche verkleidet als Kamele und Sterne, Hirten neben Engeln und Königen, und mittendrin auch Pfarrerin Pia Baumann sowie Pfarrer Rüdiger Kohl, die den Gottesdienst leiten.

Dutzende Menschen auf der Bühne und mehrere Hundert davor, darunter viele Familien mit kleinen Kindern, bilden einen Chor unter freiem Himmel. Die Dunkelheit bricht in jenen Minuten herein und aus vielen Kehlen erklingt „Stille Nacht, Heilige Nacht“. Begleitet werden die Sänger von einem Klavier und den Blasinstrumenten des Posaunenchors „Blech in Takt“.

Für die 13-jährige Konfirmandin Zoe sei der feierlichste Moment gewesen, all die Kerzen von der Bühne aus zu sehen, so berichtet sie später. Zoe zählt zu dem mehr als 60-köpfigen Ensemble aus Konfirmanden und Teilnehmern des Kindergottesdienstes. Ihre Rolle ist die einer Soldatin. Sie tritt auf der Bühne stets in einer Gruppe mit anderen auf: Modern in Szene gesetzt, nicht in römischer Robe, sondern mit Baseball-Schlägern, Kappen und schwarzen Bomberjacken.

Insgesamt erscheint die Weihnachtsgeschichte am Kirchplatz wieder einmal im neuen Gewand, mit diversen modernen Elementen sowie heiteren Szenen. So sorgt ein schief singender Engelschor der jüngsten Darsteller von ungefähr fünf bis sieben Jahren für Lacher. Neben einer vierten heiligen Königin spielt ein Kamel namens Elfriede eine zentrale Rolle. Den beiden begegnen auf ihrem Weg zum Stall in Bethlehem Menschen, die ihre Hilfe benötigen. Das Bühnenbild ist schlicht und zeigt nur eine unechte Palme sowie eine Wüste im Hintergrund.

Wie in den Vorjahren – 2013 wurde das Krippenspiel mit Open-Air-Gottesdienst erstmals aufgeführt – hat der Theaterpädagoge Timo Becker das Stück mit Kindern und Jugendlichen einstudiert. Rund drei Wochen haben sie geprobt. Die Grundlage für die Inszenierung stammt von Becker. Einzelne Szenen hätten auch die Schauspieler mitgestaltet, berichtet Konfirmandin Zoe. „Wenn uns was Lustiges eingefallen ist, durften wir das mit einbauen“, sagt sie. So zum Beispiel, als sich die Sterne mit Lippenstift und Handy-Kamera schön machen.

Jan Reich gefällt die ungewöhnliche Inszenierung. Der Familienvater, der seine dreijährige Tochter auf den Schultern trägt, sagt: „Je unkonventioneller, desto besser“. Die gebürtige Bockenheimerin Julia Göbel, die mittlerweile in Halle wohnt und ihren zweijährigen Sohn an der Hand hält, sagt, sie sei etwas hin- und hergerissen bei der Veranstaltung ihrer „Heimatgemeinde“. Ihr fehle die besinnliche Stimmung auf dem Kirchplatz.

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