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Bockenheim Menschenrechte für alle

Die Schüler der Georg-Büchner-Schule in Bockenheim setzen sich mit Rassismus und Diskriminierung auseinander.

Hadis, Elias und Alexander, alle elf Jahre, begutachten die Ausstellung. Foto: Christoph Boeckheler

Kokob steht auf Zehenspitzen. Die Elfjährige muss sich strecken, um durch das Fernglas auf dem Podest in der Aula der Georg-Büchner-Schule zu schauen. Das Gerät lenkt den Blick der Fünftklässlerin aber nicht in die Ferne. Sie schaut auf eine Torfrau mit Kopftuch.

Das Fernglas ist eine Installation, Teil der Ausstellung „Mensch, Du hast Recht(e)!“ der Bildungsstätte Anne Frank. Es ist eine mobile Ausstellung. Das Lernlabor der Bildungsstätte ist seit 2014 auf Deutschlandtour. In der Georg-Büchner-Schule ist die aktuelle Schau nun zum ersten Mal in Frankfurt zu sehen.

Die 1000 Büchner-Schüler der Klassen eins bis zehn haben in den kommenden zwei Wochen die Möglichkeit, sich mit den Themen Rassismus, Diskriminierung und Menschenrechte auseinander zu setzen. Kokob fände es schön, mal im echten Leben eine Torfrau mit Kopftuch zu sehen, sagt sie. Auch ihre Freundin, die elfjährige Habel schaut gern Fußball, findet aber, „man sieht eigentlich immer nur Männer im Tor, zum Beispiel den Manuel Neuer.“

Dass die Schüler Gegebenheiten hinterfragen und darüber diskutieren, ist Ziel der mobilen Ausstellung, sagt Elke Blum, Lehrerin und Rektorin für pädagogische Aufgaben. An der multikulturellen Georg-Büchner-Schule sei es elementar, über Rassismus, Diskriminierung und Menschenrechte zu sprechen. Denn Reibungspunkte gebe es im Schulalltag täglich. Seien es eine rassistische Äußerung oder der Eintritt in eine Kirche auf einer Klassenfahrt, den ein Schüler wegen seiner Religion verweigert.

Oftmals entstünden Missverständnisse, die durch Gespräche aus dem Weg geräumt werden können. „Dabei ist es wichtig, auch die eigene Sichtweise zu hinterfragen und andere Meinungen zu akzeptieren“, sagt Blum. Die Ausstellung soll den Schülern Reibungspunkte spielerisch bewusstmachen.

Eine Station etwa rückt Sätze, wie „Sie sprechen aber gut deutsch“ oder „Schwarze können gut tanzen“ in den Fokus. Die Schüler diskutieren, wie diese Sätze gemeint sind, wie sie beim Gegenüber ankommen und wie sich Probleme im Umgang miteinander künftig vermeiden lassen.

Die Büchnerschule – integrierte Gesamtschule mit Grundstufe – veranstaltet in diesem Schuljahr mehrere Aktionen zum Thema „Demokratie“, das Lernlabor der Bildungsstätte ist Teil davon. Auftakt ist ein pädagogischer Tag unter dem Motto „Pädagogische Resilienz“ im November gewesen. Im März stehen in den „Tagen der Demokratie“ die historischen Aspekte der Demokratie im Fokus.

Die Georg-Büchner-Schule habe dafür, „dass sie so bunt ist, vergleichsweise wenige Probleme“, sagt Blum. Anderes sei derzeit in Politik und Gesellschaft zu beobachten, wo manche Akteure offen rassistische Ansichten äußere. Das gebe allerdings Anlass, aktiv zu werden, findet die Rektorin: „Wir müssen den Kindern Werte wie Toleranz und Gesprächsbereitschaft vermitteln. Denn sie müssen diese Probleme lösen.“

 

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