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Bockenheim Kontraste prägen die Leipziger

Viele Bockenheimer empfinden die Leipziger Straße als kleine Einkaufszeile mit großem Charme. Nach der Schließung des Kaufhofs Anfang 2000 hat die Einkaufsstraße einige Veränderungen erlebt.

Evi Sofianou
Die Malerin und Künstlerin Evi Sofianou in ihrem Atelier in Bockenheim, hier mit dem Bild "Friederike". Foto: Peter Juelich

Eine weiße Leinwand steht für den Anfang, sie bietet Künstlern scheinbar unendliche Gestaltungsmöglichkeiten. Ganz anders erging es der Bockenheimer Künstlerin Evi Sofianou: „Viele Menschen inspiriert eine weiße Leinwand. Bei mir war da erst mal gar nichts.“ Sie las viel, informierte sich über Psychologie, irgendwann schnappte sie sich eine 1,40 Mal ein Meter große Leinwand, tauchte sie in schwarze Farbe, malte mit weißem Acryl einen großen und einen kleinen Kreis drauf. Das war der Start für ihr Werk „Gaia“, eines von neun Malereien, die Sofianou in der Galerie Isola in der Falkstraße 40 präsentiert.

Neben den beiden markanten Kreisen ist „Gaia“ von kleinteiligen Zeichnungen geprägt, die sich mal überlappen, mal ineinander verschmelzen. Sofianous griechische Wurzeln entwickelten sich in der einjährigen Schaffenszeit des Werkes zum übergeordneten Thema.

„Gaia“ ist geprägt von weißer Farbe auf schwarzer Leinwand, lediglich die Buchstaben des altgriechischen Alphabets setzen mit hellen Gelbtönen Akzente. „Das ist spezielle Farbe. Wenn es dunkel ist, leuchten die Buchstaben“, erklärt die 38-Jährige und fügt hinzu: „Ich liebe einfach Kontraste.“

Auch Bockenheim lebt von Kontrasten, findet die Künstlerin. „Die Geschäfte an der Leipziger Straße bieten eine tolle Mischung“, so Sofianou. „In vielen Hinterhöfen finden sich tolle Läden, zum Beispiel die Galerie Hake.“ Zudem fände man versteckt Cafés, Patisserien, Gemüsehändler. Dass die Leipziger Straße nicht umfassend saniert oder modernisiert wurde und damit noch ihren urbanen Charme besitzt, gefällt ihr. Auch die Kunstszene in Bockenheim sei urban. Ihre Kunst passe damit sehr gut in den Stadtteil.

Ein Bild, das in ihrer Ausstellung zu sehen ist, zeichnete sie in einem Schaufenster in der Adalbertstraße. So konnten ihr Passanten bei der Arbeit zusehen. „Eine vorbeilaufende Dame sagte mir, Kunstausstellungen wie meine, werten Bockenheim auf“, schildert Sofianou. Die Künstlerszene in Bockenheim sei aber sehr klein und noch ausbaufähig, meint sie.

Dass das ehemalige Studentenviertel ausbaufähig ist, finden auch einige Anwohner. Noch vor wenigen Jahren befürchteten viele, dass die Leipziger Straße „verramscht“. Nach der Schließung des Kaufhofs im Jahr 2000 machten immer mehr inhabergeführte Läden zu, Ein-Euro-Shops und Handyläden hielten Einzug. Vielerorts wird bemängelt, das Viertel sei nicht mehr, was es einmal war.

Für Otto Ziegelmeier, Betreiber der Website bockenheim-aktiv.de, sind die ansässigen Geschäfte ein Spiegel der Gesellschaft. „Wenn dort niemand einkaufen würde, wären diese Läden auch nicht dort.“ Ziegelmeier findet, auch Ein-Euro-Shops haben ihre Existenzberechtigung. Steigende Mieten führen schließlich dazu, dass Geld in den Haushalten fehle. „Wer sich eine Galerie oder ein Eisenwarengeschäft wünscht, muss dort auch hingehen“, sagt er. „Vom Blick in die Schaufenster können die Inhaber nicht leben.“

Mit Veränderungen im Stadtteil gingen schon immer Ängste von Bewohnern einher, rekapituliert Ziegelmeier. Egal, ob Eröffnung oder Schließung des Kaufhofs, es wurde über die Folgen für umstehende Geschäfte diskutiert.

Auch das neue Zalando-Outlet auf dem ehemaligen Kaufhof-Areal sahen viele Bockenheimer anfangs kritisch. „Aber die Sorge, dass der Laden umstehende Geschäfte platt macht, hat sich nicht bewahrheitet.“ Im Gegenteil: „Das Outlet hat sich zu einem Magneten gemausert, von dem umliegende Geschäfte profitieren“, so Ziegelmeier. Insgesamt sei die Leipziger sehr facettenreich, „eine kleine Zeile mit großem Charme.“

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