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Bockenheim Kampf um die Leipziger

Ausstellung zum Umbruch von Bockenheim: Die Leipziger Straße sollte ursprünglich ganz anders aussehen.

Adalbertstraße
Blick in die Adalbertstraße in den 70er Jahren. Foto: Saßmannshausen

Einige Hochhäuser würden heute die Leipziger Straße prägen, wären Planungen der Stadt aus dem Jahre 1967 umgesetzt worden. Doch Bürgerproteste, Studentenbewegungen und Hausbesetzungen, die sich in den siebziger Jahren gegen kommerzielle Bauvorhaben richteten, bewirkten ein Umdenken der Politik. Um Konflikte mit Bürgern zu vermeiden, verwarf die Stadt ihre Pläne für die Leipziger Straße, führt der Bockenheimer Stadtteilhistoriker Norbert Saßmannshausen aus. Der 68-Jährige beschäftigt sich mit dem Thema „Umbruch und Identität des Stadtteils von 1978 bis 1995.“

„Hätte kein Umdenken stattgefunden, wäre die Bebauung der Leipziger heute ähnlich der der Zeil,“ erklärt er. Bösartigkeit darf man den Stadtplanern jedoch nicht nachsagen, findet Saßmannshausen: „Solche Planungen lagen damals im Trend.“

Der Historiker, der seit 1976 in Bockenheim lebt, arbeitet derzeit mit den „Freunden Bockenheims“ und dem „Institut für Selbstorganisation“ an einer Ausstellung, die die Veränderungen des Stadtteils von 1978 bis 1995 dokumentiert.

Die Sanierung Bockenheims, die Ende der siebziger Jahre begann, ist übergeordnetes Thema dieser Ausstellung. Da Bockenheim damals von zerstörten Fassaden und Bauschutt gezeichnet war, wollte die Stadt dem baulichen Verfall entgegenwirken und Spekulanten zuvorkommen. Aus diesem Grund beschloss die Stadtverordnetenversammlung 1978 die Sanierung. So entstanden unter anderem die Ladengalerie an der Bockenheimer Warte, die Seniorenwohnanlage Adalbertstraße, Sozialwohnungen an der Jordanstraße/Kiesstraße und das Pflegeheim an der Friesengasse/ Kleine Seestraße. Das bürgerliche Engagement war im Sanierungszeitraum von großer Bedeutung für das Ergebnis. In öffentlichen Veranstaltungen wurde informiert und über Ziele und Umsetzung des städtischen Vorhabens diskutiert.

Gegenwehr von Bürgern

Der damals amtierende Oberbürgermeister Walter Wallmann stellte 1979 im Gesellschaftshaus des Palmengartens ein entsprechendes Bebauungskonzept vor. Laut Saßmannshausen forderte er Dezernate und Bürger auf, sich an den Planungen zu beteiligen.

„Wallmann verfolgte einen ganzheitlichen Ansatz, das war damals neu“, sagt der Historiker. Auch heute noch solle der Bürgerbeteiligung eine wachsende Bedeutung zugemessen werden, findet Saßmannshausen. Bürger, die sich über mangelnden Erfolg ihres Engagements beklagen, rät er: „Man muss dranbleiben, auch mal Frustrationen aushalten. Dann hat man auch Erfolge.“ Und: „Die Gegenwehr von Bürgern bewegte damals schließlich eine Änderung der Planungen und der Politik.“

Im Rahmen der Ausstellung suchen Saßmannshausen und die „Freunde Bockenheims“ weiteres Bildmaterial von Bockenheimer Häusern, Hinterhöfen und Straßenzügen aus der Zeit von 1950 bis 1995. „Auch Fotos vom Kaffeetisch mit der Familie, in denen man noch ein altes Wohnzimmer erkennt, eignen sich,“ erklärt Dore Struckmeier-Schubert, Vorsitzende der „Freunde Bockenheims“. Wer entsprechende Fotos oder Dokumente besitzt, kann sie dienstags bis freitags von 17 bis 19 Uhr in der Leipziger Straße 91 abgeben. Auskunft gibt der Verein unter Telefon 76 75 24 58.

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