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Bockenheim Beispielhafte Sanierung

Die große Erneuerung des Stadtteils 1978 - 1995 hat den Charakter des Quartiers bewahrt. Ausstellung im Studierendenhaus Campus Bockenheim.

Schörghuber-Gelände
Das Schörghuber-Gelände an der Adalbert- und Kiesstraße im Mai 1978. Foto: Eckhart Kyrieleis. Foto: Eckhart Kyrieleis

Der Junge schaut den Besuchern der Ausstellung „Sanierung Bockenheim 1978-1995“ direkt von der Schwarz-Weiß-Fotografie ins Gesicht. Neben ihm ist die Außentoilette, auf der anderen Seite ein alter Schuppen. So hat Bockenheim früher ausgesehen, vor der großen Sanierung. Rund 1000 Wohneinheiten hat von 1978 bis 1995 in Stand gesetzt und modernisiert.

Ziel war der Erhalt des dörflichen Charakters, der den Stadtteil noch in den 1970er Jahren prägte. Außentoiletten und Wohnungen ohne Zentralheizung waren in den 1950er Jahren auf dem Land nicht ungewöhnlich, für einen Stadtteil in der Metropole zwei Jahrzehnte später hingegen schon. Architekt Dietrich Wilhelm Dreysse betrachtet Anspruch als erfüllt, die Ästhetik zu wahren und das Viertel nicht bis zu Unkenntlichkeit umzubauen. Unter anderem mit seinem Pflegeheim in Bockenheim: „Ich sage heute noch: Das fügt sich wunderbar ein, weil ich die alte Bebauung mit einbezogen hat.“

Wie die Verwandlung Bockenheims verlaufen ist, zeigt die Ausstellung auf vielen Fotos. Es liegen auch Pläne und Berichte der Stadt aus. Gilbert Mayr vom Stadtplanungsamt kam stellvertretend für Schirmherren und Stadtrat Mike Josef (SPD) zur Ausstellungseröffnung. Die Sanierungsvorbereitungen hatte er während seiner Arbeit im Sanierungsbüro in der Leipziger Straße selbst einige Jahre verfolgt. Nun erzählt er den rund 50 Besuchern bei der Ausstellung, dass allein die sechsjährige Vorbereitungsphase notwendig war, um eine „maßgeschneiderten Durchführungsstrategie“ zu finden: „Da mussten alle Betroffenen beteiligt werde.“ Die Verwaltung sei sehr zufrieden mit der Sanierung in Bockenheim, bei der etwas mehr als die Hälfte der Wohnungen gefördert und so günstiger Wohnraum für die vielen Arbeiter im Viertel erhalten wurde.

Das betrachtet auch Dreysse als größten Erfolg des Projekts: „Die Verbesserung ist nicht zu Lasten der Menschen, die dort wohnen, erfolgt. Sonst werden die dann ja häufig vertrieben.“ Zudem ließ die Stadt eine Studie über die Sozialverträglichkeit der Sanierungsarbeiten erstellen. Auch wenn diese „für die Bockenheimer etwas zu spät kam“ betrachtet der Verwaltungsbeamte Mayr das Ergebnis als gelungen und beispielhaft für andere Sanierungsarbeiten.

Initiator der Ausstellung ist der Stadtteilhistoriker Norbert Saßmannshausen vom Institut für Selbstorganisation. Gemeinsam mit seinem Team, in Kooperation mit den „Freunden Bockenheims“ und den Bockenheimern selbst hat er die Ausstellung ein Jahr lang vorbereitet. Sein Ziel war es, den Wandel des äußeren Bildes von Bockenheim mit mehr als „blutleerem architektonischen Vokabular“ darzustellen.

Mit Blick auf Wohnraum in Frankfurt findet Saßmannshausen: „Die Politik hat zu geringes Augenmerk auf diese Entwicklung. Es gibt keinen sichtbaren Masterplan, um gegen die marktvermittelte Entwicklung vorzugehen. Vielleicht ist es für viele schon zu spät, aber da müsste die Frankfurter Politik dringend neue Wege finden.“

Die Ausstellung „Sanierung Bockenheim 1978-1995“ läuft vom 13. bis 30. September im Studierendenhaus Uni-Campus Bockenheim.

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