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Bahnhofsviertel Von der Sexmeile zur Einkaufsstraße

In der Kaiserstraße im Frankfurter Bahnhofsviertel vollzieht sich seit geraumer Zeit ein Imagewandel.

Bahnhofsviertel
Nur das Dolly Buster Center in der Kaiserstraße 54 erinnert noch an das alte Image. Foto: Michael Schick

Wer Erotik oder schnellen Sex will, der wird hier nicht mehr fündig. Auch die Videotheken und Spielhallen sind in die Nachbarschaft verdrängt worden. Die westliche Kaiserstraße ist dabei, den Ruf als Sexmeile loszuwerden und sich zur Einkaufsstraße zu wandeln. Nur das Dolly Buster Center in der Hausnummer 54 erinnert noch an vergangene Tage, als die Kaiserstraße ihr altes Image pflegte.

Heute ist die Straße dabei, sich wieder mehr ihrem Ursprung zu widmen und den alten Charme einzusetzen. Die meisten Häuser stammen aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts, als die Kaiserstraße von den Wallanlagen bis zum 1888 erbauten Hauptbahnhof als Prachtstraße verlängert wurde. Sie ist bis heute die einzige Straße, die auf beiden Seiten der Wallanlage den gleichen Namen hat – Richtung Roßmarkt existierte die Straße schon länger.

Der Mix ist bunt. Tchibo, Rewe, DM, Rossmann, Eifler und Co. verbinden die Kaiserstraße mit dem Angebot in der Innenstadt. Der Asian Marked, zahlreiche kleine Lädchen oder das Spiceland stehen für das multikulturelle Viertel. Restaurants wie Frittenwerk, der Fette Bulle, Bonamente oder Meat Room symbolisieren die Hipster, die nach und nach ins Viertel kamen. Zu den alteingesessene Läden, die es nach wie vor gibt. Etwa Waffen C.W. Engels, Eberhart Mode oder Juwelier Silberberg, die dem steten Wandel im Bahnhofsviertel trotzen und sich seit Jahrzehnten an der Straße halten.

Attraktiv ist auch die Verbindung zur Münchener Straße, die mit Rossmann, dem Alim Marked und Schuhmacher Lenz ähnlich aufgestellt ist. Bereits in der fünften Generation betreibt Andreas Engels das Waffengeschäft. Er findet, die Kaiserstraße solle zu ihrem schmuddeligen Image stehen. „Es ist ein Spiel mit der dunklen Seite der Menschheit, das gehört zum Menschen dazu“, sagt er. Als Händler habe er mit einem sehr heterogenen Publikum zu tun: „Interessierte, Touristen, Alkoholisierte, aber auch Verrückte kommen hier rein“, sagt er. „Im Bahnhofsviertel geht die Post ab, es treffen viele Charaktere aufeinander.“ Diese Lebendigkeit sei aber spannend, „schauen Sie mal nach Wiesbaden, das ist tot.“

Dennoch, auch für den alten Einzelhandel wird es, wie fast überall in der Stadt, mit den steigenden Mieten und dem Internethandel schwieriger. „Das Bahnhofsviertel ist Spekulationsgebiet“, sagt Engels, „das Image der Straße spielt dabei eine Rolle.“ Hübscher und hipper soll sie werden, die Kaiserstraße, dabei ist sie, so Engels, nicht unsicher – „wenn man aufpasst“.

Dazu passt auch die Umgestaltung der Kaiserpassage, die Taunus- und Kaiserstraße verbindet. Bevor sie für die Sanierung geschlossen wurde, fand man hier Händler aus allerhand Länder: Inder, Afghanen und Pakistani verkauften Teppiche, Gewürze, Bollywoodfilme, Saris. „Das hat nach einem Basar ausgesehen“, sagt ein Passant, der an der Baustelle vorbeihuscht.

Nur für sieben der einst 20 kleinen Läden ist dann noch Platz. Im Erdgeschoss werden Flächen zusammengelegt, damit die Supermarktkette Tegut einziehen kann. Außerdem bekommt das benachbarte Mercure-Hotel mehr Zimmer, 71 Design-Appartements sollen als „Wohnen auf Zeit“ geschaffen werden. Alle sozialen Einrichtungen mussten ausziehen. Im Sommer sollen die Appartements fertig sein, im Frühherbst soll wieder eingekauft werden können, sagt der Bauherr DIC Asset.

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