Lade Inhalte...

Bahnhofsviertel Frankfurt Kampf den Wildpinklern

Zurückspritzende Wände sollen Wildpinkler im Frankfurter Bahnhofsviertel abschrecken, doch im Ortsbeirat werden auch Bedenken laut.

Bahnhofsviertel
Urinal in der Moselstraße. Foto: Peter Juelich

Wenn man muss, dann muss man. Aber man darf nicht immer, wenn man muss. Mal eben im Gebüsch, mal kurz in einer dunklen Ecke die Blase entleeren – das kann ziemlich erleichternd sein, ist aber eine Ordnungswidrigkeit. Vor allem rund um den Hauptbahnhof stellt das öffentliche Urinieren ein ziemliches Ärgernis dar. Deshalb hat der Ortsbeirat 1 nun den Magistrat beauftragt, im Bahnhofsviertel für einen Speziallack zu werben. Der lässt die Häuser, nun ja, zurückpieseln und soll Wildpinkler dadurch eine Lehre erteilen. Erfahrungen damit gibt es unter anderem aus Mainz. Vor zwei Jahren wurde das Rathaus entsprechend beschichtet, künftig soll der Lack auch am Theater und am Stadthaus angebracht werden.

In Frankfurt wurde ein entsprechender Antrag der SPD-Fraktion am Dienstag im Ortsbeirat durchgewunken. Allerdings nicht ohne eine recht emotionale Debatte. Am meisten störte sich die Grüne Anna Warnke an dem Vorhaben. Der Antrag sei „absolut erschreckend und geradezu menschenverachtend“, schimpfte sie. Viele der Wildpinkler im Bahnhofsviertel – Wohnungslose, Drogenabhängige – seien „hilfsbedürftig und in teils desolatem Zustand“, so Warnke. Man müsse aufpassen, dass man die Verwahrlosung dieser Menschen durch zurückspritzende Wände nicht noch weiter fördere. Stephan Korte, Fraktionsvorsitzender der FDP, sprang ihr zur Seite. „Auch Wildpinkler sind Menschen“, gab er zu bedenken.

Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD) verteidigte am Mittwoch im Gespräch mit der FR den Antrag. „Der Gedanke dabei ist, dass ein Abschreckungseffekt erzielt wird“, sagte er. Man müsse „auch mal neue Wege gehen“. Korte hatte der SPD vorgeworfen, sich nur für den Speziallack einzusetzen, um im Gegenzug weniger Geld für öffentliche Pissoirs ausgeben zu müssen. Ein Quadratmeter Speziallack kostet um die 25 Euro, ein Urinal viele Tausend Euro. Der Lack sei aber nur „eine flankierende Maßnahme“, betonte Strank. Die Forderung nach mehr öffentlichen Toiletten rund um den Hauptbahnhof, schon des Öfteren Thema im Ortsbeirat, „bleibt aufrecht“, so der Sozialdemokrat.

Vor allem die Deutsche Bahn soll nun dazu ermutigt werden, den speziellen Lack an den Außenwänden des Hauptbahnhofs und an den Treppenauf- und -abgängen der B-Ebene aufzutragen. Dazu soll auch bei Hauseigentümern in der Niddastraße, der Karlstraße und der Elbestraße für die Maßnahme geworben werden. Ob der Lack die Wildpinkler verjagen kann, wird sich zeigen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen