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Ausstellung Manfred Rehm zeigt seine berühmtesten Fotografien

Der dpa-Fotograf Manfred Rehm hat berühmte Leute fotografiert. Eine Retrospektive im Frankfurter Stadtteil Höchst zeigt beeindruckende Bilder von einst.

Die Baader-Meinhof-Bande im Griff: Manfred Rehm und seine Fotos in Höchst. Foto: Christoph Boeckheler

Zwei Elefanten steigen 1965 am Frankfurter Güterbahnhof in einen Zug. Ein Mann lässt sich von drei Kosmetikerinnen im ersten Schönheitssalon für Männer, dem Frankfurter „Men’s Health Club“, 1966 eine Maske verpassen. Der kürzlich verstorbene Künstler Ferry Ahrlé malt 1971 ein großformatiges Bild mit Eisenbahnsignalen, inmitten echter Eisenbahnsignale auf dem Vorfeld des Hauptbahnhofs. Unmöglich, sich sattzusehen an den Fotos, die Manfred Rehm zwischen 1964 und 1979 für die Deutsche Presse-Agentur (dpa) machte. 18 dieser Fotos sind jetzt in Höchst zu sehen.

Und da gibt es auch die richtig berühmten Aufnahmen. Eine davon hält Rehm in Händen, als ihn der FR-Fotograf am Mittwoch ablichtet: 1968, die vier Angeklagten im Kaufhausbrandstifter-Prozess, Gudrun Ensslin, Andreas Baader, Horst Söhnlein und Thorwald Proll im Gerichtssaal, Urteilsverkündung. Proll zündet sich gerade eine Zigarre an. 50 Jahre später wird der Ex-Terrorist das Foto als unsterblichen Mythos bezeichnen.

Und der Fotograf? Ist bestens aufgelegt. „Alte Regel: Blende 4 im Zimmer, das Bild gelingt dir immer“, sagt er, als er darauf besteht, seinerseits den FR-Fotografen zu fotografieren. „Wenn die Sonne lacht, Blende 8“, reimt er weiter. Später lachen sich die beiden Experten kaputt, als der unbedarfte Reporter fragt, wann man Blende 7 benutzt. „Blende 7 gibt’s nicht!“ Versteh einer die Kameras. 

Rehm gelangen vielbeachtete Fotos  

80 Jahre alt wird Manfred Rehm am 10. Juni. Als er 26 war, kam er aus Heidenheim nach Frankfurt und fing bei der dpa an. Seinen 2CV, die Ente, parkte er am Hauptbahnhof. Es dauerte nicht lang, bis er vielbeachtete Fotos schoss. Einen vermummten US-Panzerschützen 1964 im harten nordhessischen Winter; Altkanzler Adenauer beim Büchersignieren 1965 in Bonn; dann sein Meisterwerk in der Frankfurter Uni, Mai 1968.

Zur zweiten Lesung der Notstandsgesetze haben die Studenten einen Generalstreik ausgerufen. Streikbrecher attackieren die Blockade mit dem Wasserstrahl aus einem Feuerwehrschlauch. „Dieses Bild ist so gut, auf den ersten Blick scheint es ein Ölgemälde zu sein“, schreibt ein US-Senator aus Alaska an die Agentur UPI, die das Foto der deutschen Partneragentur übernommen hat. Die „New York Times“ druckt es am 16. Mai 1968, der Senator schlägt es für den Pulitzer-Preis vor.

„Ich wollte immer lieber die kleinen Brötchen backen“, sagt Rehm heute. Und dass er oft Glück hatte, aber auch den Fleiß, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Den Wasserstrahl an der Uni hatte er exklusiv, weil er täglich nachschaute, was dort los war. Dass er auch die Band „The Doors“ fotografierte, als sie im September 1968 vor dem Römer spielte, war ihm gar nicht mehr bewusst. Kein Wunder, bei all den Fotos aus all den Jahren. Zurzeit scannt und archiviert Rehm die Arbeiten von einst, eine Mammutaufgabe. Vieles ist schwarzweiß. Und die heutige Ästhetik der Farbfotografie für die Tagespresse, was sagt er? „Es kommt immer aufs Motiv an.“ Wenn ich einen roten Luftballon fotografieren will, mache ich ein Farbfoto.“ Die Digitalisierung allerdings habe die Fotografie entwertet und zur Massenware gemacht. Kein Vergleich mit dem Aufwand von einst, als der Bildreporter zwölf Stunden unterwegs war, um ein Foto vom abendlichen Fußballspiel in Kaiserslautern zu liefern.

Manfred Rehm hat harte Zeiten hinter sich, Krankheit beschwerte ihn. Als es ihm etwas besser ging, umgab er sich fortan mit guten Menschen, die bis heute zu ihm halten, wie er mit spürbarer Rührung erzählt. Fotos seien die besten Geschenke, sagt er, ohne Mätzchen, ohne Verfremdung. Einfach echt, und er strahlt dazu. Ein glücklicher Mann.

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