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Arbeitskampf Streik im Krankenhaus Höchst

Im Krankenhaus Höchst wird auch am Mittwoch gestreikt. Pflegekräfte fordern eine verlässliche Arbeitsentlastung.

Streik
Irgendwann ist auch mal gut. Und deswegen wird jetzt gestreikt. Foto: Enrico Sauda

Der Notdienstplan, den Rudolf Schön in den Händen hält, ist taufrisch. Gerade erst einen Tag vor dem gestrigen Warnstreik im städtischen Krankenhaus Höchst sind die letzten Details verhandelt worden, so der Sprecher der sogenannten Verdi-Vertrauensleute. Danach sollen mindestens so viele examinierte Krankenschwestern auf den Stationen präsent sein wie an den Wochenenden. Das heißt für die Frühschicht heute: 68 Examinierte plus Helfer und Auszubildende verteilt auf 32 Stationen kümmern sich um rund 500 Patienten. Und es bedeutet ein Kuriosum: Beschäftigte, die streiken wollen, werden von Verdi zurück auf die Station geschickt.

Die Stimmung im Gemeinschaftsraum des Höchster Krankenhauses am Dienstagmorgen ist entschlossen: Die „Flucht aus dem Beruf“ müsse ein Ende haben. Es seien bundesweite Regelungen gefordert, meint eine Teilnehmerin. Eine andere sagt: Das Wichtigste sei doch, dass sich „hier im Haus etwas ändert“. Es müsse endlich über eine Mindestbesetzung geredet werden. Und: Dienstpläne sollten auch eingehalten werden. Immer wieder müssten Kolleginnen und Kollegen einspringen, werden aus der Freizeit ans Krankenbett geholt, auch an den Wochenenden, sagt Verdi-Sekretärin Hilke Sauthof-Schäfer. Eine Umfrage von Verdi habe das Ausmaß der Unzufriedenheit ermittelt. Niemand könne sicher sein, dass er sein freies Wochenende in 14 Tagen tatsächlich mit der Familie verbringen könne und nicht gebeten werde, zur Arbeit zu kommen.

Nach Angaben des zuständigen Fachbereichsleiters von Verdi, Georg Schulze-Ziehaus, gibt es bundesweit keinen verbindlichen Personalschlüssel, der regelt, wie viele Pflegekräfte für wie viele Patienten zuständig sein sollen. Schulze-Ziehaus  und Sauthof-Schäfer betonen mehrfach, dass es ihnen nicht nur um einen neuen „Tarifvertrag Entlastung“ gehe, sondern um konkrete und schnelle Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in Höchst. „Die Dauerbelastung kann so nicht weitergehen“, sagt Schulze-Ziehaus. Auch die Auszubildenden melden sich zu Wort. Sie beklagen, dass sie „immer wieder aushelfen“ müssen, den Ausbildern häufig keine Zeit bleibe, sich um die jungen Leute zu kümmern. „Die examinierten Kräfte sind am Ende ihrer Kräfte“, sagt eine junge Frau. „Ich will Menschen helfen, aber wie soll das unter diesen Bedingungen funktionieren“, fragt sie.

Die Betriebsratsvorsitzende, Margarete Wiemer, sieht im Gespräch mit der FR gerade in diesen jungen Leuten ein „großes Potenzial“: 25 angehende Kinderkrankenschwestern und 50 Pflegekräfte für Erwachsene werden in Höchst ausgebildet. Sie wollen „von Herzen gern im Haus bleiben“ und fordern die Zusage einer unbefristeten Übernahme.

Nächste Woche, so Margarete Wiemer, wird sie mit der Geschäftsführerin des Krankenhauses, Dorothea Dreizehnter, erste Gespräche darüber führen, wie die Arbeitssituation in der Pflege, aber auch in anderen Bereichen, etwa der Technik oder in der Physiotherapie verbessert werden kann. Auch dort seien die Personalengpässe „extrem“. Ohne die Warnstreiks, die am heutigen Mittwoch fortgesetzt werden, wären diese Gespräche nicht zustande gekommen.

Der Kommunale Arbeitgeberverband wies darauf hin, dass weder das Krankenhaus noch der Verband die Forderungen der Gewerkschaft erfüllen könnten – weil es auf dem Arbeitsmarkt keine Pflegekräfte mehr gebe. Die Patienten zeigen Verständnis für den Streik: „Die zerreißen sich“, schilderte eine 63-Jährige den Arbeitsalltag der Pflegekräfte.

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