Lade Inhalte...

Altstadt Ein Zuhause für Bedürftige

Der Franziskustreff organisiert seit 25 Jahren ein Frühstücks- und Beratungsangebot im Liebfrauen-Kloster. Am Samstag hatte die Einrichtung Brot und Kaffee auf dem Liebfrauenberg serviert.

Frühstück
Passanten frühstücken mit Obdachlosen am Liebfrauenberg im Rahmen des Projekts ?Gläserner Franziskustreff?. Foto: Monika Müller

Samstagmorgen auf dem Liebfrauenberg: Es duftet nach aufgebrühtem Kaffee und frischem Brot. Nicht die Backwarenläden entlang der Neuen Kräme geben die verlockenden Gerüche auf die Straße frei, es sind die Lebensmittel der Bürgerstiftung Franziskustreff, die ihre Frühstücksrunde für bedürftige und obdachlose Menschen ins Freie verlegt hat. Der Anlass: Das 25-jährige Bestehen der gemeinnützigen Einrichtung.

Unweit des Kapuzinerklosters, gleich neben dem Liebfrauenbrunnen, haben Mönche und ehrenamtliche Helfer zehn Tafeln aufgestellt. Rund einhundert Menschen sitzen hier in der Sonne, unterhalten sich und essen belegte Brote oder selbstgebackenen Kuchen. „Wir haben das Frühstückstreffen heute auf die Straße verlagert, um die Leute auf uns aufmerksam zu machen und für unsere Arbeit zu sensibilisieren“, sagt Bruder Michael Wies, Leiter des Franziskustreffs. Denn freiwillige Helfer und Spenden werden stetig benötigt, um das Angebot zu erhalten.

Für gewöhnlich wird das Armenfrühstück an jedem Werktag zwischen 7.45 Uhr und 11.15 Uhr in einem Saal des Liebfrauen Klosters im Schärfengäßchen 3 angeboten. Die Gäste können dort für einen Betrag von 50 Cent in Gemeinschaft speisen. Das Besondere daran: Sie werden per Handschlag begrüßt und wie im Restaurant am Tisch bedient.

„Das hier ist seit zwei Jahren mein zu Hause“, erzählt Birgit Koch. An sechs Tagen in der Woche fahre sie jeden Morgen knapp 40 Kilometer mit dem Zug nach Frankfurt, um mit den anderen Gästen zu frühstücken. Obdachlos ist sie zwar nicht, aber einsam: „Ich habe sonst niemanden.“ Sie ist froh, dass das Angebot am Samstag an prominenter Stelle in der Innenstadt beworben wird. „Viele wissen ja gar nicht, dass es so etwas gibt oder sie trauen sich nicht, daran teilzunehmen, weil die Kirche dahintersteht.“ Dabei ist jeder willkommen – selbst Atheisten. Denn auch wenn die Leitung dem Liebfrauen-Kloster obliegt, steht eine Bürgerstiftung mit mehr als 50 Ehrenamtlichen hinter dem Treff, der auch eine kostenlose Sozialberatung anbietet.

„Wir wollen niemanden missionieren, sondern jenen ein Gefühl von Heimat geben, die es dringend brauchen“, erklärt Bruder Paulus Terwitte, Vorstand der Stiftung. „Unabhängig von Konfession oder Nationalität darf sich jeder eingeladen fühlen. Niemand muss sich hier ausweisen, seinen Namen, Glauben oder die Bedürftigkeit nachweisen.“ In erster Linie gehe es darum, den Menschen einen Ort zum Austausch zu geben und sie in Alltagsfragen zu unterstützen. Eine Sozialpädagogin ist immer während des Frühstücks anwesend. Bei Bedarf besteht anschließend die Möglichkeit, individuell mit ihr zu sprechen. Angefangen bei der Ausfüllhilfe für Amtsanträge bis hin zur Wohnungssuche – alle Lebens- und Überlebensfragen können mit ihr diskutiert werden.

Im Schnitt nehmen pro Tag sieben Personen an der Beratung teil. Das Frühstücksangebot nehmen jedes Jahr mehr als 45 000 Menschen wahr. Auch das öffentliche Frühstück auf dem Liebfrauenberg wurde gut angenommen. „Das hat sich absolut gelohnt“, resümiert Bruder Michael. „Viele Stammgäste sind gekommen, aber auch etliche Passanten haben angehalten, sich bei uns informiert oder sich dazugesetzt.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen