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Altes Literaturhaus in Frankfurt Ein Versprechen an Kaschnitz

Wie es zum alten Literaturhaus kam: Zur Geschichte der Villa Bockenheimer Landstraße 102.

Sanierung historische Villa Bockenheimer Landstraße 102
Der große Saal im Parterre. Foto: Michael Schick

Ein Blick zurück in die 1970er Jahre. Die Schriftstellerin Marie Luise Kaschnitz lebt seit 1941 in Frankfurt. Sie muss die Zerstörung der Stadt mit ansehen. Sie flieht und kommt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zurück. In ihrem Gedichtzyklus „Rückkehr nach Frankfurt“ beklagt sie die Zerstörung:

„Wie sah sie dich an,

aus ihren erloschenen Augen,

die Stadt?“

Und doch glaubt Kaschnitz an die Wiederkehr der alten Kulturstadt Frankfurt. Als 1970 der 45 Jahre alte Kulturdezernent Hilmar Hoffmann seine Arbeit aufnimmt, trifft sie sich öfter mit ihm. Die beiden frühstücken im Café Laumer.

Hoffmann sagt später: „Wir haben von Anfang an einen Kontakt gehabt, als hätten wir uns schon ewig gekannt.“ Kaschnitz schwebt ein ganz besonderes Projekt vor. Im Westend, wo sie wohnt, müsse ein städtisches Literaturhaus entstehen. Sie nimmt dem Kulturdezernenten das Versprechen ab, dieses Literaturhaus zu verwirklichen. Kaschnitz stirbt 1974.

1990, in den letzten Monaten seiner Amtszeit als Kulturdezernent, schlägt der Sozialdemokrat im Magistrat vor, die Villa Bockenheimer Landstraße 102 als städtisches Literaturhaus anzumieten. Oberbürgermeister Volker Hauff (SPD) ist zunächst skeptisch.

Doch Hoffmann besucht mit dem Oberbürgermeister das historische Gebäude. Zeigt ihm die holzgetäfelten Räume und den großen Kamin. Hauff stimmt dem Projekt Literaturhaus zu.

Am letzten Tag von Hilmar Hoffmanns Amtszeit beschließt der Magistrat die Vorlage. Zum letzten Mal kann der scheidende Kulturdezernent einen Erfolg verkünden.

Und tatsächlich wird das Literaturhaus in der alten Villa nach der Eröffnung am 9. Januar 1991 gut angenommen, das Publikum ist hellauf begeistert. Weniger angetan allerdings ist Frankfurts damaliger Stadtkämmerer Martin Grüber (SPD). Denn für die Villa muss die Kommune eine exorbitant hohe Miete bezahlen: 33 000 Mark im Monat.

Die neue rot-grüne Stadtregierung im Frankfurter Römer setzt ab 1989 andere Schwerpunkte: Ökologie, Wohnungsbau, die multikulturelle Gesellschaft. Der damalige Leiter des städtischen Liegenschaftsamtes, Alfred Gangel, sucht nach einer anderen Lösung für das Literaturhaus. Es dauert aber noch bis zum Jahre 2005, bis die Literatur in die wieder aufgebaute Alte Stadtbibliothek An der Schönen Aussicht umzieht.

Am 27. März 2012 kauft die KfW-Bankengruppe dann die leerstehende Villa an der Bockenheimer Landstraße, am 18. April erfolgt die Übergabe der Schlüssel.

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