Lade Inhalte...

Alt-Sachsenhausen Lust an Reibung

Die Polizei hat die feiernde Menge in Alt-Sachsenhausen im Blick. Trinkwütige Horden sind regelmäßig zu Gast. Es wurden schon 50 Junggesellenabschiede in einer Nacht gezählt.

Kneipenviertel Sachsenhausen
Die Polizei ist nicht nur durch Aushänge vertreten. Foto: Michael Schick

Über Alt-Sachsenhausen könnte Walter Hofmann Stunden erzählen. Der Leiter des 8. Polizeireviers nennt „einen ganzen Strauß an Straftaten“, mit denen sich die Beamten dort immer wieder beschäftigen müssen: Körperverletzung, Angriff auf Polizeibeamte, Beleidigung sowie Taschen- und Trickdiebstähle sind in dem Ausgehviertel wahrlich keine Seltenheit. Freitags und samstags geht es zwischen Frankensteiner Platz und Elisabethenstraße so turbulent zu, dass die Polizei durchgehend von 21 Uhr bis fünf Uhr morgens vor Ort ist und sogar zwei Präsenzpunkte eingerichtet hat. Nahe den neuralgischen Kreuzungen Klappergasse/Kleine Rittergasse und Große Rittergasse/Kleine Rittergasse stehen dann Polizeiautos.

„Wir sind dort als Ansprechpartner vor Ort, laufen aber auch Streife“, sagt Polizeioberrat Hofmann. Auch Zivilbeamte sind im Einsatz. Die Überwachung ist so personalaufwendig, dass an Wochenenden zehn zusätzliche Beamte das achte Revier in seiner Arbeit unterstützen. „Das könnten wir alleine nicht stemmen“, so Hofmann.

Bei der Suche nach Erklärungen für die vielen Scharmützel in dem Ausgehviertel hat Hofmann eine einfache Erklärung. „Alt-Sachsenhausen ist geprägt von Billiggastronomie, das zieht eine entsprechende Klientel an.“ Eine Klientel, die häufig gar auf Reibereien mit der Polizei aus ist. Hofmann spricht von „erlebnisorientierten Jugendlichen, die sich reiben wollen“.

Nicht nur in Frankfurt

Andere Besucher sind vielleicht zunächst unproblematisch, können mit zunehmendem Alkoholkonsum aber auch nervig werden, wie etwa bei Junggesellenabschieden. Solch trinkwütige Horden fallen regelmäßig vor allem aus dem Umland ein. Das kann schon mal überhandnehmen. Hofmann und seine Kollegen haben sich mal die Arbeit gemacht, das zahlenmäßig zu erfassen. „Wir kamen mal auf 50 Junggesellenabschiede in einer Nacht.“

Die Gaststättenbetreiber seien davon meist „völlig entnervt“. Bei entsprechendem Alkoholkonsum kommt es auch schon mal zu Scharmützeln unter den Gruppierungen. Die Problematik in Alt-Sachsenhausen ist übrigens kein typisches Frankfurter Problem. Hofmann kennt die Probleme auch aus Düsseldorf, Hamburg, Heidelberg oder Mannheim, überall dort, wo es Partymeilen gibt. Das 8. Revier steht mit den Kollegen dort im Austausch. „Es ist verblüffend, wie sich die Problematik gleicht“, so Hofmann.

Immerhin ist es in den vergangenen Jahren nach Walter Hofmanns Einschätzung nicht schlimmer geworden. Die Übergriffe auf Polizeibeamte sind sogar etwas zurückgegangen, seit in Alt-Sachsenhausen die Bodycam zum Einsatz kommt. Das 8. Polizeirevier war hessenweit das erste, in dem die Videostreifen unterwegs waren. Für das Pilotprojekt, das im Jahr 2012 begann, schien Alt-Sachsenhausen gerade richtig.

Eine Patentlösung, um das Viertel mit seinen rund 150 Kneipen in den neuralgischen Nächten zu befrieden, hat Hofmann nicht. „Unsere Hauptstrategie ist Präsenz, Präsenz, Präsenz.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum