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Alt-Sachsenhausen Anwohner haben Saufgelage satt

Wie könnte es weitergehen mit dem Frankfurter Kneipenviertel? Und was ist bereits geschehen? Ein Blick auf Alt-Sachsenhausen.

Sachsenhausen
Alt-Sachsenhausen: ein Viertel mit Potential? Foto: Michael Schick

Alt-Sachsenhausen ist ein Viertel mit Problemen, aber auch mit Potenzial. Das sagt zum Beispiel Florian Reineking. Der sitzt für die FDP im für Sachsenhausen zuständigen Ortsbeirat 5. Das Gremium hat 2016 gefordert, eine Planungswerkstatt für Alt-Sachsenhausen einzurichten. Das Ziel: Das Viertel aufzuwerten, weg von den berüchtigten Alkoholexzessen.

Die Stadt hat das abgelehnt. Sie verweist auf den 1995 beschlossenen Rahmenplan fürs Quartier. Der fördert Investitionen in die Bausubstanz und Investoren, die Wohnungen schaffen. Der Ortsbeirat wünscht sich einen umfassenderen Ansatz. „Wir müssen klare Ziele definieren, wofür Alt-Sachsenhausen stehen soll“, sagt Reineking. Die hätten Bürger, Stadt, Hauseigentümer, Gastronome, alle wichtigen Akteure erarbeiten können.

Der Fokus aufs Wohnen führe zu Konflikten, findet Reineking. „Es muss in einer Großstadt wie Frankfurt ein Viertel geben, in dem es um 24 Uhr noch laut zugeht auf den Gassen.“ Das sehen Anwohner oft anders. Reineking verweist auf die Stereobar, die nach Klagen schließen musste. Oder auf den Markt im Hof, der zwei Monate pausiert hat, allerdings nicht nur wegen einer Beschwerde.

Die Apfelweinromantik, die historische Bausubstanz und die Kreativwirtschaft seien die Zukunft des Viertels, glaubt Reineking. Die positive Entwicklung des Brückenviertels müsste nach Alt-Sachs ausstrahlen, wünscht er sich. Stichwort Kreative: Eigentlich sollte der Einzug der European School of Design in den darbenden Paradieshof das Viertel aufwerten.

Dort sollen nicht nur Schulräume entstehen, auch Ateliers, ein Café, eine Lobby für Veranstaltungen. Stadt und Schule verhandeln aber noch immer darüber, wer welche Kosten übernehmen soll. Immerhin versichern alle Beteiligten, das Vorhaben weiterzuverfolgen.

Den Paradiesplatz bespielen inzwischen auch andere Akteure – zumindest tagsüber. Unternehmer Uli Schlepper und Gastronom Jürgen Vieth haben dort einen Weihnachts- und einen Wochenmarkt initiiert. „Es sollte eine Art Testballon sein, ob man Alt-Sachsenhausen auch tagsüber beleben kann“, sagt Schlepper. Was überraschend gut geklappt hat. Familien, Kinder, Anwohner, alle möglichen Leute besuchen die Märkte, nicht aber das klassische Partypublikum.

„Früher“, erinnert sich Schlepper, „gab es mehr Apfelweinschenken und weniger Shishabars.“ Gewalt allerdings auch. „Das bleibt nicht aus, wenn getrunken wird.“ Auch wenn er die Lage nicht als besorgniserregend empfindet, falle es ihm schwer, zur Tagesordnung überzugehen. „Es gibt Dinge, die anders laufen könnten.“ Im Amüsierviertel von Freiburg gebe es zum Beispiel ein Verbot für Gläser und Flaschen im öffentlichen Raum.

Zu hinterfragen wäre auch, ob der Partybetrieb im Freien bis 5 Uhr morgens andauern müsse. Das Problem sei ja nicht der Trubel in den Kneipen. Sondern, dass sich die Leute draußen günstig Alkohol am Kiosk, bei Rewe oder an der Tankstelle holten. Auch manche Hausbesitzer könnte man stärker in die Pflicht nehmen. „Die könnten sich ihre Mieter doch etwas genauer anschauen.“

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