Lade Inhalte...

AfD in Frankfurt Aufregung um AfD-Stand in Frankfurt

Die AfD macht auf dem Ettinghausen-Platz im Frankfurter Stadtteil Höchst Werbung. Viele Höchster sind entsetzt, dort stand einst die Synagoge.

Synagogen in Frankurt
Der Ettinghausen-Platz ist sensibles Terrain, findet die AG Geschichte und Erinnerung. Foto: Michael Schick

Die Wogen schlagen hoch im Stadtteil. Die AfD hat am Samstag einen Wahlwerbestand auf dem Ettinghausen-Platz aufgebaut. „Ausgerechnet an so einem sensiblen Ort“, stöhnen die Höchster. Dort stand früher die Synagoge. Zumindest bis die Nationalsozialisten sie 1938 geplündert und mehrfach angezündet haben. Die AG Geschichte und Erinnerung empfindet den Vorfall skandalös, schreibt sie in einem offenen Brief an den Frankfurter Ordnungsdezernenten Markus Frank (CDU).

Die Stadt dürfe den Platz keinen „rassistischen und nationalistischen Gruppierungen zur Verfügung stellen“, heißt es in dem Schreiben. Das Ordnungsamt verweise zwar darauf, dass der Platz öffentlicher Raum sei und allen zugänglich. Die AG Geschichte und Erinnerung fordert aber einen sensibleren Umgang mit diesem Ort des Gedenkens ein. Unverständlich sei zudem, dass die Polizei vor Ort zwar Personalien von Menschen kontrolliert habe, die sich über die AfD aufgeregt haben – nicht aber die Partei nach einer Genehmigung für den Stand gefragt habe.

AfD wollte ursprünglich auf der Fressgass’ in Frankfurt werben

Diese hat vorgelegen, versichert Andreas Lobenstein, Sprecher des Frankfurter AfD-Kreisverbands. Nach Höchst ist der Stand allerdings durch Zufall geraten, sagt Lobenstein. Ursprünglich wollte die Partei auf der Fressgass’ werben. Dorthin durfte sie aber nicht, wegen des gleichzeitig anberaumten Rheingauer Weinmarkts. Das Ordnungsamt hat dann Alternativen vorgeschlagen, sagt Lobenstein. Nur haben die Frankfurter just an diesem Samstag auf dem Opernplatz gegen rechts gerockt. Das Ordnungsamt habe daher von der Innenstadt abgeraten.

Den Vorschlag Ettinghausen-Platz habe er nach kurzem Blick auf die Landkarte gerne angenommen. Der Nähe zum Markt wegen. „Ich sehe da keinen Skandal.“ Auch keine Provokation. „Wir haben jüdische Mitglieder in der Partei.“

Andreas Lobenstein: AfD ist Verteidigerin des Judentums

Überhaupt sei die AfD Verteidigerin des Judentums, sagt Lobenstein. Jüdische Mitbürger sollten ohne Angst vor Mitgliedern „bestimmter Religionen“ leben können. Nicht wie in Schweden oder Frankreich. Wenigstens eine kleine Provokation also – der Seitenhieb auf „eine bestimmte Religion“.

Dass das Ordnungsamt den Gang nach Höchst vorgeschlagen habe, kann sich Andrea Brandl aus dem Dezernat indes nicht vorstellen. Wohl eher habe die Partei drei Vorschläge eingereicht und einer sei genehmigt worden. Den genauen Hergang will das Dezernat in Ruhe klären und sich dann zu dem offenen Brief der AG Geschichte äußern.

Grundsätzlich sei die AfD aber eine zugelassene Partei und dürfe darum Infostände aufbauen – sofern sie beantragt und genehmigt sind. Das Grundrecht auf Meinungsfreiheit genieße oberste Priorität.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen