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Abtreibungsgegner in Frankfurt Ärger für den falschen Bischof

Im Frühjahr protestierte Thorsten Herget im Bischofsornat gegen die Abtreibungsgegner in Frankfurt. Herget wollte provozieren. Das brachte ihm einigen Ärger ein.

Thorsten Herget
Keine Heiligkeit: Thorsten Herget bei einer Demonstration im März 2018. Foto: Monika Müller

Ob er das Bischofsornat wieder auspacken wird? Genau weiß das Thorsten Herget noch nicht. Klar ist aber, dass er ab dem morgigen Mittwoch wieder Position beziehen wird - nicht nur im übertragenen Sinne. Wenn sich die Abtreibungsgegner von „40 Tage für das Leben“ wieder in der Palmengartenstraße zu einer Mahnwache zusammenfinden und damit die Beratungsstelle von Pro Familia belagern, wird er dagegen protestieren - genau wie im Frühjahr. „Ich habe ja noch Urlaub“, sagt Herget scherzhaft. Dabei hat ihm sein Protest bereits jede Menge Ärger eingebracht.

Noch bevor sich im Frühjahr Parteien und Bündnisse zum Protest gegen die Abtreibungsgegner im Westend formiert hatten, war Herget aktiv geworden. In Frankfurt kennt man den 44-Jährigen vor allem als Hobby-Imker und Mitinitiator des Frankfurter Bienenfestivals. Im Frühjahr 2017 aber legte er statt des Imker-Anzugs ein Bischofsornat an und begleitete die Aktion der christlichen Fundamentalisten.

Ab dem 28. Februar war er täglich vor Ort. „Ich habe sie zum Beispiel gerne daran erinnert, um Punkt 15 Uhr Schluss zu machen. So lange war die Mahnwache ja immer angemeldet.“ Sein Kostüm machte ihn zum gefragten Motiv von Pressefotografen und zum Hassobjekt für die Gegenseite.

Herget wollte provozieren. Mal vergoss er Rote-Beete-Saft auf dem Boden. Mahnwache-Teilnehmer behaupteten daraufhin, er hätte versucht, sie zu bespritzen. Die Folge: ein Platzverweis durch die Polizei. Mal verkleidete er sich als „Lamm Gottes“ und streunte über den Platz. Daraufhin soll ihm eine Teilnehmerin Salz ins Gesicht geworfen haben. Er erstattete Anzeige. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Stattdessen ist es nun er, dem juristischer Ärger droht.

Von wem die Anzeige stammt, weiß Herget nicht. Eine Vorladung zur Anhörung bei der Polizei ließ er verstreichen. „Ich trau der Polizei nicht mehr“, sagt er. Was er weiß, ist, dass gegen ihn wegen Beleidigung, Nötigung und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ermittelt wird. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft bestätigt auf FR-Anfrage, dass die „politische Abteilung“ die Ermittlungen übernommen hat. Details zum Tatvorwurf waren nicht in Erfahrung zu bringen.

Es ist nicht das einzige Ungemach, das Herget droht. Das Frankfurter Ordnungsamt macht ihm zum Vorwurf, den Platz vor der Pro-Familia-Beratungsstelle während einer Demonstration am Weltfrauentag verdreckt zu haben. Unter anderem soll er ein Gebüsch mit Toilettenpapier „dekoriert“ haben. Weil er das nicht sofort wieder entfernte, rief die Polizei die FES. Es folgte ein Bußgeld von rund 155 Euro plus eine Rechnung über knapp 180 Euro für die Reinigung des Platzes.

Hinzu kamen anonyme Anrufe bei seinem Arbeitgeber, einer städtischen Kita. Ein Unbekannter meldete sich dort, nannte Hergets Adresse und wollte wissen, ob er noch dort wohne. „Die Botschaft ist klar“, sagt Herget. „Wir wissen, wo du arbeitest und wir wissen, wo du wohnst.“

Einschüchtern lassen will Herget sich dennoch nicht. „Ich werde da sein“, kündigt er an, „schon um die in ihrem bigotten Schmierentheater zu stören.“

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