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Abraham Melzer in Frankfurt Meinungsfreiheit und „Antisemitismushysterie“

Der Publizist Abraham Melzer schildert in Frankfurt auf Einladung einer Initiative seine ganz eigene Sicht auf Antisemitismus und den Nahost-Konflikt.

Antisemitismus
Der Publizist Abraham Melzer. Foto: Imago

Am Ende sind es nur 20 Menschen, die sich am Donnerstagabend im Saalbau Gallus eingefunden haben. Sie sind der Einladung einer neuen „Initiative für Meinungsfreiheit“ gefolgt, die zu einer Diskussion mit dem Titel „Meinungsfreiheit und Antisemitismushysterie“ geladen hat. Der geladene Referent ist der Publizist Abraham Melzer, der sich als jüdischer Antizionist begreift.

Und Melzers Vortrag macht dem raunenden Motto des Abends alle Ehre: Nicht der Antisemitismus in Deutschland nehme zu, sondern die „Antisemitismushysterie“. „Bald gibt es mehr Antisemitismus-Beauftragte als Antisemiten“, spottet Melzer. Das meiste von dem, was heutzutage als antisemitisch kritisiert werde, sei lediglich Kritik an der israelischen Besatzungspolitik gegen die Palästinenser. Durch den Vorwurf des Judenhasses sollten Kritiker Israels zum Schweigen gebracht werden, behauptet Melzer – so wie die internationale BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen), die keinesfalls judenfeindlich sei.

Man dürfe das Thema Antisemitismus nicht „der zionistischen Lobby und ihren Helfershelfern“ überlassen, sagt Melzer dann und legt sich fest: „Antisemitismus ist Hass auf Juden, nur weil sie Juden sind.“ Eine extrem minimalistische Definition, die in der aktuellen Antisemitismusforschung von fast niemandem geteilt werden dürfte. Denn dass judenfeindliche Einstellungen sich auch im Sprechen über Israel zeigen können, ist unter den meisten Experten Konsens.

Melzer und eine Vertreterin der Initiative, die ihn eingeladen hat, üben zudem scharfe Kritik an der städtischen Saalbau GmbH: Es sei extrem schwer gewesen, einen Raum für den Abend zu bekommen. Melzer selbst habe man nur einen Saal in Nieder-Erlenbach angeboten, daraufhin sei die Initiative als Mieterin eingesprungen. Am Ende habe die Saalbau noch 300 Euro für die Abstellung zweier Sicherheitsleute verlangt. Offenbar wolle man „israelkritische Stimmen verbieten“, sagt Melzer.

Frank Junker, Geschäftsführer der Saalbau, sagte der Frankfurter Rundschau, man vermiete Melzer in der Tat keine Räume mehr. Man sehe ihn als Sympathisanten der BDS-Bewegung, und es gebe bekanntermaßen einen Beschluss der Stadt, BDS keine Räume zur Verfügung zu stellen. Die Saalbau könne auch nicht dazu gezwungen werden, Mietverträge abzuschließen. Dass man am Donnerstag auf Kosten der Veranstalter Security-Mitarbeiter eingesetzt habe, sei ein „völlig normaler Vorgang“ – es habe im Vorfeld Sicherheitsbedenken gegeben.

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