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Tiere in Frankfurt Grausame Krähenjagd in Frankfurt

Jäger haben im Frankfurter Stadtteil Oberrad wieder Rabenvögel geschossen. Das sei erlaubt, aber sinnlos, sagen Tierschützer. Ein totes Tier soll verwendet worden sein, um Artgenossen anzulocken.

Krähen in Wiesbaden
Krähen gelten als sehr intelligente Tiere. Warum Jäger sie erschießen, ist für Tierfreunde nicht nachvollziehbar. Foto: Michael Schick

Die Tierfreunde waren entsetzt: Auf den Feldern Oberrads, umgeben von Biogärtnereien und den Hauptproduzenten der Grünen Soße, fanden sie tote Vögel, erschossen, liegengelassen, und das Schockierendste: Eine der toten Krähen war auf einen Stock gespießt und so drapiert, als lebte sie noch. Um Artgenossen anzulocken und diese auch noch zu töten, vermuteten die Jagdgegner, die namentlich lieber nicht genannt werden wollen.

Die Schüsse hallten bis Silvester durchs Oberräder Revier, und prinzipiell hallten sie durchaus gesetzeskonform. „Rabenkrähen sind jagdbares Wild“, sagt Ralph Rohr, Sprecher des Ordnungsamts, unter dessen Dach die Untere Jagdbehörde als zuständige Genehmigungsinstanz angesiedelt ist. „Und die Jagdzeit auf Rabenkrähen und Elstern ist vom 1. August bis zum 31. Dezember – in diesem Rahmen dürfen Jagdberechtigte dort schießen.“ Saatkrähen, das ist die Ausnahme, stehen jedoch ganzjährig unter Schutz.

Abschuss von Krähen ist umstritten

Der Pächter des Reviers ist kürzlich verstorben, wie die Behörde mitteilt; die sogenannten Begehungsscheine, die er an zwei Jäger ausgegeben habe, seien aber weiterhin gültig gewesen. Diese Erlaubnis berechtigt sie zum Abschuss der Tiere. Was das Töten bringen soll, ist allerdings fragwürdig. „Die Stadt hat momentan keine Maßgabe, diese Praxis zu verbieten“, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). „Aber es ist absolut nicht notwendig, Krähen zu schießen.“

So sieht es auch Thomas Norgall, Naturschutzreferent und stellvertretender Geschäftsführer beim BUND Hessen. „Die Jagd ist ökologisch nicht sinnvoll, und wir finden sie falsch“, sagt er. „Die Rabenkrähen füllen die Bestände sofort wieder auf“ – nach dem Motto: Je mehr Tiere der Mensch abschießt, desto mehr Eier legen wir.

Viele Märchen kuriseren über Krähen 

Interessant übrigens, wie sich die Hatz auf die intelligenten Tiere entwickelte. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts hätten die Krähen den Siedlungsraum Stadt für sich entdeckt, blickt Norgall zurück, etwa zur gleichen Zeit, als in der EU ein umfassender Schutz für Singvögel in Kraft trat. Raben und Krähen sind Singvögel, auch wenn sich über ihre Songs streiten lässt. Jedenfalls habe es seinerzeit bald Klagen gegeben, so Norgall. Bürger behaupteten, die Krähen warteten an den Futterstellen, um sich kleinere Vögel zu schnappen. Wahr oder Märchen – der Gesetzgeber antwortete mit einer Jagdzeit auf Krähen. Die sei in der laufenden Wahlperiode immerhin verkürzt worden, sagt Norgall, bisher galt sie von August bis zum 20. Februar. Das ändere nichts daran, dass es unsinnig sei, die Vögel zu jagen: „Die größten Konkurrenten der Krähen sind die Krähen selbst.“

Viele Menschen bewundern sie für die Schlauheit, mit der sie Nüsse auf harten Untergrund fallen lassen, um sie zu knacken. Manchmal suchen sie sich dafür sogar Verkehrskreuzungen aus und benutzen drüberfahrende Autos als Nussknacker. Außerdem können sie sich etwa Gesichter einprägen und Artgenossen warnen, wenn ein Feind naht. Aber gegen Gewehrkugeln sind sie machtlos.

Eltern sorgen sich um ihre Kinder

„Die Jäger haben bestimmt an die 30 Vögel geschossen“, berichtet Gudrun Stürmer, die mit ihrem Stadttaubenprojekt in der Nähe der Felder arbeitet. Eltern hätten sich um ihre spielenden Kinder geängstigt, einzelne Gärtner hätten den Jägern das Betreten ihrer Grundstücke untersagt. Stürmer ist davon überzeugt, dass niemand auf die Entfernung eines Schusses unterscheiden kann, ob er eine (geschützte) Saatkrähe ins Visier nimmt oder eine (vogelfreie) Rabenkrähe.

Und das grausame Aufpflocken? „Wer ein Tier schießt, muss es auch mitnehmen“, sagt Ordnungsamtssprecher Rohr, so regele es das Gesetz. Möglich sei natürlich, zumal bei Vögeln, dass ein getroffenes Tier an einer entfernten Stelle seinen Schussverletzungen erliege, vom Jäger nicht gefunden werde – und dass dort jemand vorbeikomme und den Vogel aufpflocke. Für die Gegner der Jagd nicht die allerwahrscheinlichste Variante, wie sie durchblicken lassen.

Schon vor vier Jahren gab es Klagen über die Oberräder Krähenjagd. Die Untere Naturschutzbehörde tat sich damals mit den Kollegen vom Jagdressort zusammen, um auf den Revierpächter einzuwirken, es mögen doch bitte keine Saatkrähen ins Schussfeld geraten. Über Erfolg oder Misserfolg der guten Vorsätze ist nichts bekannt.

Eins sei jedenfalls sicher, sagt Gudrun Stürmer: „Im Moment sind da mehr Krähen denn je.“

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