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Streit um Rennbahn „Ich bin jetzt Besitzer der Rennbahn“

Alfred Gangel und die Stadt Frankfurt siegen vor dem Oberlandesgericht. Die angekündigte Fortsetzung des Rechtsstreits vor dem Bundesgerichtshof kommt den Rennklub sehr teuer.

Galopprennbahn Frankfurt
Langsam wächst Gras über die alte Galopprennbahn. Doch der juristische Streit um das Gelände ist fast zu Ende. Foto: dpa

Trotz des wilden Gedränges von Kameraleuten, Journalisten und Zuschauern geht es beim Zweiten Zivilsenat ausgesprochen höflich zu. „Darf ich die Kameras jetzt bitten hinauszugehen?“ fragt der Justizwachtmeister. Und siehe da: Die Kameras räumen ganz brav den Saal. Annette Boerner, die Vorsitzende Richterin, beginnt, das hochkomplexe Urteil zusammenzufassen. „Jetzt hab ich grad gar nichts verstanden“, flüstert ein Zuschauer.

Doch Carl-Philip zu Solms-Wildenfels, Vizepräsident des Rennklubs Frankfurt, senkt den Blick. Er weiß, dass er erst einmal verloren hat nach mehr als drei Jahren des Kampfes. Zum ersten Mal im Prozess ist er auch ganz alleine erschienen, ohne die drei Anwälte, die ihn bisher begleitet haben. Auch vom Rennklub ist sonst niemand gekommen.

„Sicherheitsleistungen“  heben sich auf 

Die Freunde des Turfs müssen jetzt 350.000 Euro als „Sicherheitsleistung“ beim Gericht hinterlegen, um die Räumung der alten Galopprennbahn noch abzuwenden. Die Stadt wiederum muss die gleiche Summe einzahlen, damit sie mit dem Abriss der Bauten beginnen kann. „Ich gehe davon aus, dass wir das tun werden“, sagt der Rechtsanwalt der Kommune, Stephan Nikschick, mit einem schmalen Lächeln. Er ist viel zu sehr erfahrener Prozessjurist, um im Moment des Triumphs sein Pokerface aufzugeben.

Nur Alfred Gangel, der langjährige Leiter des Liegenschaftsamtes und jetzt Geschäftsführer der städtischen Rennbahn-Gesellschaft, gestattet sich einen triumphierenden Satz. „Ich bin jetzt Besitzer der Rennbahn!“, sagt er mehrfach vor den vielen Kameras.

Am Ende hat die Stadt „als Eigentümerin des Geländes“, so das Urteil des Oberlandesgerichts, sich durchgesetzt. Ihr steht „ein gesetzlicher Räumungsanspruch“ zu. Der Rennklub, und das ist der zentrale Satz im Urteilstenor, den Boerner vorträgt, verfüge „nicht über das Besitzrecht“. Ihr Fazit: „Die Rechtsposition des Vereins war schwächer.“

Rennklub will Revision einlegen  

Doch schon am Nachmittag hat sich der Immobilienunternehmer zu Solms-Wildenfels wieder gefasst. Er will, wie er im Gespräch mit der FR ankündigt, den juristischen Kampf vor dem Bundesgerichtshof (BGH) fortsetzen. Doch wie realistisch ist das?

Mindestens 500.000 Euro hat der Rennklub nach eigenem Bekunden bisher in die Auseinandersetzung um die Rennbahn investiert. Wollen die Freunde des Turfs tatsächlich weiterkämpfen, müssen sie neue Anwälte engagieren, die eine Zulassung für den BGH besitzen. Das wird sehr teuer.

Die Vorsitzende Richterin gibt dem Rennklub einen entscheidenden Hinweis: „Der BGH prüft nur Rechtsfehler.“ Das heißt übersetzt: Die Chancen, in Karlsruhe noch den Erhalt der Rennbahn zu erkämpfen, sind sehr gering. Bis der Bundesgerichtshof in dieser Sache entscheidet – falls er eine Revision überhaupt annimmt –, könnte die Rennbahn längst abgerissen sein.

Unter den Zuschauern ist auch der Fraktionsvorsitzende der AfD im Römer, Rainer Rahn. Er hofft noch immer, dass der Turf erhalten bleibt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Rennbahn

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