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Streit um Rennbahn Frankfurt zahlt einen hohen Preis

Um die Fußball-Akademie nach Frankfurt zu holen, hat sich die Stadt ihren Weg freigekauft - mit einem Vertrag, den ein Gericht als „sittenwidrig“ einstuft. Die Frankfurter werden dafür zahlen müssen. Ein Kommentar.

Galopprennbahn
Da läuft nichts - außer Juristischem: Wenn auf der Rennbahn in Niederrad kein Pferd rennt, kann auch nicht gewettet werden. Foto: dpa

Mehr als dreieinhalb Jahre hat das Ringen um die Zukunft der alten Galopprennbahn in Frankfurt gedauert. Bis zum Bundesgerichtshof wurde der erbitterte Streit ausgetragen. Dass die Stadt als Besitzerin des Geländes in Niederrad am Ende auch über ihr Grundstück verfügen darf, ist keine überraschende juristische Entscheidung.

Und doch ist aus dieser Zeit, die auch ein Geflecht von zehn Prozessen einschloss, ein politisches Lehrstück entstanden. Die Kommunalpolitiker waren Ende 2013 geradezu fasziniert von der Perspektive, die Deutsche Fußball-Akademie in Frankfurt zu beherbergen. Für dieses Prestigeprojekt im Wettbewerb mit anderen deutschen Kommunen ließen sie jede Vorsicht fahren.

Frankfurt hat sich dabei verhalten, wie sie sich seit Jahrzehnten verhält, wenn es Probleme gibt. Sie hat sich den Weg freigekauft. Um das Grundstück der Rennbahn in die Hand zu bekommen, wurde der größte deutsche Golfunternehmer, Herbert Weiland, mit Millionen Euro abgefunden. Ebenso der frühere Rennbahnmitbesitzer Manfred Hellwig, ein Vertrag, den das  Oberlandesgericht Frankfurt immerhin als „sittenwidrig“ einstufte.

Die Stadt Frankfurt schert das nicht. Am Ende müssen die Frankfurter Steuerzahler für diese millionenteure Rechnung geradestehen.

Das Konzept der Stadt wäre viel schneller aufgegangen, wäre sie nicht auf einen Gegner gestoßen, der ebenfalls mit viel Geld und noch dazu mit durchaus zweifelhaften Methoden Widerstand leistete. Der  Immobilienunternehmer Carl-Philip zu Solms-Wildenfels stand 2015 hinter einem Bürgerentscheid, der falsche und populistische Behauptungen nicht scheute. Er war die treibende Kraft auch beim juristischen Widerstand, der am Ende ins Manische abdriftete.

Gelände wird der Öffentlichkeit entzogen

Nein, der Rennbahnbetrieb in Frankfurt hatte keine realistische Perspektive mehr. Er war schon in den Jahren zuvor nur mit viel Steuergeld vor der Pleite bewahrt worden. Es war richtig, dass die Stadt hier nicht mehr investieren wollte.

Die Deutsche Fußball-Akademie freilich überzeugt als Alternative nicht. Ein großer Teil des Geländes wird so der Öffentlichkeit entzogen werden. Wäre die Stadtregierung mutig gewesen, hätte sie versucht, auf dem grünen Rennbahnareal ein Wohnquartier zu entwickeln – trotz des Fluglärms. Denn künftig wird der Stadt nichts anderes übrigbleiben, als auch Siedlungsbeschränkungsgebiete zu bebauen – will sie denn dem Wohnungsmangel abhelfen. Für das Prestigeprojekt des DFB bezahlt die Kommune einen hohen Preis.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Rennbahn

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