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Städel Frankfurt Neue Attraktion im Städel

Das Frankfurter Städel ist um eine Attraktion reicher. Die neuste Skulptur ist 50 Meter lang und steht im Garten hinter dem Museum. Gefertigt hat sie der Künstler Manuel Franke.

Manuel Franke
Geht fast schon als Rutsche durch: Künstler Manuel Franke auf seiner Skulptur. Foto: Peter Jülich

Langsam schwebt der blaue Betonklotz von oben herab. Der Mann am kleinen Kran, der im Garten des Städels steht, lässt das Teil vorsichtig zu seinen Kollegen herunter. Die justieren es kurz, dann liegt es komplett auf einer Lage Wellblech auf. Nun muss der Block nur noch verschraubt werden, dann ist das neue Kunstwerk im Garten des Museums komplett. Während vorne noch gewerkelt wird, wird hinten schon gekraxelt. Künstler Manuel Franke springt auf das Wellblech und demonstriert dessen Widerstandsfähigkeit. Nachmachen strengstens erlaubt.

Die Skulptur des 1964 in Bonn geborenen Künstlers hebt sich deutlich vom Rest des Gartens ab. Orange, Rosa und Blau sind dort sonst eher selten zu finden. Mit den Farben seiner Skulptur habe er einen Dreiklang, der eigentlich unmöglich ist, geschaffen, sagt Franke selbst. Die schrillen Farben sollen Gegensatz sein aber auch Gleiches in der Umgebung spiegeln. Wenn man die Fassaden der umliegenden Gebäude zusammennehme, komme Orange heraus, so Franke.

Bei der Form kommen dem Betrachter wohl unterschiedliche Bilder in den Kopf: Rutsche, Welle, Hindernis. Der Künstler selbst sieht sein Werk als etwas Freches. „Ich wollte damit auch das Gras des Gartens bespielen, deswegen lehnt es sich über die Wiese.“ Wer die Skulptur bis ganz nach oben klettert, kann ebenfalls über den Dingen oder zumindest dem Grün schweben. Dadurch, dass die Besucher auf die Skulptur klettern, sich draufsetzen und sie erkunden können, gebe es eine völlig neue und interaktive Erfahrung des vertrauten Städel-Gartens, so Martin Engler, Leiter der Sammlung Gegenwartskunst am Museum.

Frankes Werk ist 50 Meter lang, 2,5 Meter hoch und wurde speziell für den Garten des Städels gefertigt. „Es war gar nicht so leicht. Was will man in diesem Garten noch dazugeben? Er ist bereits perfekt durchgestaltet. Es ist eigentlich keine weitere Geste oder Technik nötig“, berichtet der momentan in Düsseldorf lebende Künstler. Er kam mehrmals in den Garten. Schaute, überlegte und kam schließlich auf die Idee der raumgreifenden Installation mit dem Namen „Colormaster F“. Und die Materialien sind bewusst gewählt.

„Wellblech kennt jeder. Aber wir haben uns so sehr daran gewöhnt, dass wir es schon gar nicht mehr wahrnehmen“, sagt Franke. Also habe er das Material aus dem Kontext der Industrie genommen und es zur Kunst gestaltet. „Ich habe es auch verzaubert“, deutet er an und lächelt. Die gewölbte Form des Materials bleibe so und ist stabil.

„Manuel Frankes Skulptur ist ein Zwitter aus Industriefassade und Museum, aus Malerei und Skulptur, aus Halfpipe und Sitzbank. Sie regt den Besucher zur Partizipation an, indem sie diese etwa einlädt, sich ganz entspannt darauf niederzulassen“, fasst Martin Engler zusammen. Es sei sozusagen auch ein Versuch die Picknickmentalität im Garten anzuheben.

Auch für Besucher, die nicht lange verweilen wollen, bietet das Kunstwerk neue Perspektiven. Mal verstellt es plötzlich die Perspektive, mal eröffnet es neue Einblicke, wenn man sich ganz nach oben traut. So bekommen auch die bereits vorhandenen Installationen oder der Hügel einen neuen Blickwinkel.

Der Name „Colormaster F“ gehe auf den Namen eines Farbtemperaturmessers zurück, wie er vor der digitalen Zeit in der professionellen Fototechnik zum Messen von Farbstichen eingesetzt wurde. Franke nutzte den Titel bereits bei mehreren Werken. Das F steht dabei für Frankfurt.

Besonders ist an Frankes Skulptur auch, dass er die bereits bestehende Stehlinsen von Adolf Luther in sein Werk eingebunden hat. Drei Löcher prangen in Blech und Beton. Aus ihnen wachsen die Linsen förmlich hervor. „Ich wollte mich nirgendwo reindrängen und auch nichts Bestehendes verdrängen, deswegen habe ich es einfach inkludiert.“

Der „Colormaster F“ ist ab sofort bis zum 23. September im Garten des Städels am Schaumainkai zu sehen. Der Besuch der Außenfläche ist kostenlos.

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