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Schweizer Straßenfest Schwofen und schwitzen

Auf der Schweizer Straße in Sachsenhausen wird gefeiert. Sogar das Rheinland und Bayern sind vertreten.

Schweizer Straßenfest 2018
Auf der Bühne am Schweizer Platz heizte die Klangfabrik abends ein. Foto: Rolf Oeser

Eigentlich hätte es vor einer halben Stunde schon beginnen sollen, das Schweizer Straßenfest. Bei Saner Özak und seinen Kollegen aber scheint die Nachricht noch nicht so recht angekommen zu sein. Einer kramt unter der Theke. Ein anderer sucht in einer Kiste. Und Özak erzählt, man sei ja eigentlich startklar, aber irgendwie auch noch nicht. Kartoffelchips verkauft der 22-Jährige. Aber nicht bloße Chips. Die Kartoffel wird bei ihm auf den Akkuschrauber gepackt und langsam an einer Klinge vorbei gedreht. Spiralförmig dehnt sich die Kartoffel in die Länge und wird in die Fritteuse geworfen. Einzigartig, nennt das Özak.

Die Mittagszeit ist eher eine untypische für das Schweizer Straßenfest. Alles wirkt so entschleunigt, ganz ohne den Trubel, der sich später noch in der mit Bäumen gesäumten Straße ausbreiten soll. Hier und da wird noch aufgebaut, lediglich die gänzlich Geschäftstüchtigen präsentieren mit dem Angelusgeläut ihre fein polierten Ladentheken.

Inmitten von Apfelwein, Grüner Soße, hessischer Spezialitäten und Frankfurter Lokalkolorit zwängt sich ein kleiner Kölschstand. „Wenn es chinesisches Essen hier gibt, warum soll es dann nicht auch Kölsch geben?“, fragt Bärbel. Eine rüstige Frau, mittleren Alters. Sie selbst sei „Ossi“ – auf der Schweizer Straße. Internationaler als an diesem Stand gehe es ja wohl kaum. Und die Leute schätzten das leicht bekömmliche Bier aus der Domstadt im Rheinland. Echte Bierkenner allerdings, sagt Bärbel, würden Kölsch zuweilen als gepanschtes Bier betiteln. Ein Glück, dass keiner der Standmitarbeiter aus Köln stammt.

Geschäfte beteiligen sich

Zwischen den Ständen taucht jäh ein „Junggesellenabschied“ auf, junge Männer, allesamt das T-Shirt stramm gespannt über dem Bauch. Weniger Meter entfernt bewirbt eine Fitnessstudiokette das genaue Gegenteil. Basslastige Musik brummt von der kleinen Bühne gen Straße. Junge Frauen verteilen Flyer – und eine Besucherin versucht sich am standeigenen „Hau-den-Lukas“. Der erste Schlag landet irgendwo bei 80 von 100 möglichen Punkten. Beim dritten dann klingeln die 100. Zum Dank gibt es einen Sportbeutel des Fitnessstudios samt Flyer. Geschäftstüchtiges Marketing mag manch einer unterstellen. Die glückliche Gewinnerin aber erzählt, wie sie beim ersten Schlag einfach drauflos gehauen habe. Dann erst habe sie über eine Taktik nachgedacht, die ihr dann zum Sieg verholfen habe.

Abseits der Stände haben rund ein Dutzend Geschäfte sich an einer kurzzeitigen Aktion beteiligt. In ihren Schaufenstern zeigen sie Fotos der Schweizer Straße von damals und heute – ein Projekt der Autorengemeinschaft „Sachsenhausen näher betrachte“. Wer aber nicht weiß, dass es diese kleine, aber feine fotografische Reminiszenz gibt, der dürfte einfach an ihr unbeachtet vorbeilaufen.

Wo es denn diese für Frankfurt typische Grüne Soße gebe, möchte ein Besucher in tiefstem bayrischen Dialekt wissen. Beim „Wagner“ antwortet ihm die Sicherheitsdame. Ob es denn da auch wirklich die Grüne Soße gebe, vergewissert sich der Bayer. Aber natürlich, lautet die knappe Antwort.

Andreas Neubauer bekommt davon gar nichts mit. Er steht auf einer kleinen Bühne, gerade groß genug für drei, vier Leute. Mit einer kleinen Musiktruppe spielt er hier, luftig-lockere Musik, gerade richtig zum Flanieren. Jeden Tag wolle er das aber nicht machen, er, der schon mit dem Tigerpalast aufgetreten ist. Denn für seine Musik interessiert sich, euphemistisch ausgedrückt, ein Bruchteil der Besucher. Am Sonntagabend aber, erzählt Neubauer, spiele er mit seiner Gruppe dann richtige Tanzmusik für die Menschen auf dem Schweizer Straßenfest, das für ihn Frankfurt sei – im richtig guten Sinne.

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