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Schulen in Frankfurt Gemüse in den Ferien

Grundschüler der Willemerschule im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen erkunden in den Ferien die Bio-Gärtnerei Bärengarten. Der Betrieb in Oberrad soll verstärkt als Lehrgärtnerei für Schulen und Kitas zur Verfügung stellen.

Gärtnerei Bärengarten
Gärtnerhand mit Porridge-Blüten. Foto: Peter Juelich

Gespannt blicken 50 Kinderaugen am Donnerstag auf Leon Joskowitz, einem Mitarbeiter der Bio-Gemüse-Gärtnerei Bärengarten. „Weiß denn jemand von euch, was das für eine Pflanze ist?“, will Joskowitz beim Streifzug durch ein Gewächshaus von den 25 Erst- bis Viertklässlern der Sachsenhausener Willemerschule wissen. Er zeigt dabei auf einen Strauch mit einer kleinen, dunklen Frucht.

„Avocado“ mutmaßt eine Schülerin, „Kürbis“ rät eine andere und „Riesensalat?“ fragt ein Junge. „Aubergine“ ruft Paul plötzlich aus voller Überzeugung und liegt damit goldrichtig. „Warum ist die Pflanze denn an Bändern befestigt?“, fragt ein Junge. Joskowitz erklärt: „Damit sie schön in die Höhe wachsen kann.“

50 Grundschüler, aufgeteilt in zwei Gruppen, sind am Donnerstag in der Bio-Gärtnerei Bärengarten zu Gast, um selbst einen Grüne Soße-Aufstrich zuzubereiten. Zunächst gilt es, ein paar Kirschtomaten zu probieren. „Die müssen wir nicht waschen, weil wir hier nicht spritzen“, erklärt Joskowitz den Kindern und lädt ein, Tomaten vom Strauch zu pflücken. „Aber nur die roten. Sie sind reif, wenn ihr sie ganz leicht pflücken könnt.“

Am Borretsch erblicken die Kinder eine Biene bei der Arbeit und auf der Suche nach frischem Nektar. „Igitt“, ruft ein Kind beim Blick auf schimmelnde Lebensmittel am Komposthaufen. „Das ist nichts Ekliges“, erwidert Joskowitz und erklärt den Kindern den Kreislauf von Verfaulen und Wachstum.

Die Bio-Gärtnerei Bärengarten ist ein Betrieb des Integrationsunternehmens Fbb. Ziel der Fbb ist es, Menschen mit körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen durch betriebswirtschaftlich sinnvolle Tätigkeiten in die Arbeitswelt zu integrieren. Elf Mitarbeiter sind aktuell in der Oberräder Gärtnerei beschäftigt, acht von ihnen leben mit Beeinträchtigungen.

Eine Zusammenarbeit mit der Willemerschule hat sich angeboten, weil der Gartenbaubetrieb künftig verstärkt als Lehrgärtnerei für Schulen und Kitas zur Verfügung stellen soll. „Durch diese Projekte lernen Kinder, dass Gemüse von Menschen angebaut wird und in ihrem Wachstum sehr viel Arbeit steckt“, erklärt Karl Wieß, Geschäftsführer der Gärtnerei. Der Ausflug ist Teil einer Ganztagsbetreuung, die die Schule für drei Wochen in den Ferien anbietet. Erzieher Alexander Ott erklärt: „Wir leben ja in einer Wegwerfgesellschaft. Durch unseren Besuch können wir das Bewusstsein der Kinder für Lebensmittel vielleicht schärfen.“

Nach dem Pflücken der Tomaten machen sich die Kinder daran, einen Grüne Soße-Aufstrich zuzubereiten. Sie halbieren Zitronen, pressen sie aus, vermengen sie mit reichlich Quark und Joghurt. Anschließend geht es daran, die frisch gezupften sieben Kräuter Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch klein zu schneiden.

Alles wird miteinander vermischt und auf Brote geschmiert. Als Garnitur dienen Ringelblüten, die gepflückten Tomaten als Beilage. Der Tenor der Kinder: Es schmeckt sehr gut. Als Leon Joskowitz dann noch demonstriert, dass man mit Franzosenkraut sogar ein Unkraut essen kann, ist das Staunen perfekt.

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