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Sachsenhausen Schnitzkunst aus dem Wald

Der Bildhauer Ernst Stark verwandelt Bäume in Landschaften. Seine aktuelle Ausstellung zeigt er in der Frankfurter Oberfinanzdirektion.

Erich Stark
Erich Starks Eltern wollten nicht, dass er eine künstlerische Laufbahn einschlägt. Hat er dann aber doch. Foto: C. Boeckheler

Ein Boot aus Holz war das erste Werk, das Ernst Stark in der elterlichen Schreinerei in Bamberg schuf. Wenig später fand er es auf dem Haufen wieder, der für den Ofen gedacht war. Der Vater hatte das liebgewonnene Stück einfach in zwei Teile gesägt und zu Feuerholz erklärt. Böswillig meinte er das nicht, sagt Stark. Sein Vater war eben ein beschäftigter Mann, habe gedankenlos gehandelt.

Und obwohl seine Eltern gegen eine künstlerische Laufbahn waren, entschied sich Stark für den Beruf des Bildhauers. Mit Erfolg. Heute betreibt er jeweils ein Atelier im hiesigen Sachsenhausen sowie im fernen Paris und organisiert eigene Ausstellungen. Aktuell sind seine Werke in der Frankfurter Oberfinanzdirektion zu sehen.

Es ist die Liebe zum Holz, die ihn und seinen Vater verbindet. Aus Holz bestehen die meisten Exponate, die der 52-Jährige erschafft. Das besorgt er sich im Wald. In Absprache mit dem Förster darf er Bäume verwenden, die ohnehin gefällt werden müssen.

Mit Kettensäge, Schnitzeisen, Beitel und japanischem Messer bearbeitet er die Stämme, arbeitet Feinheiten heraus, lässt Landschaften entstehen, die er farblich hervorhebt. „Am liebsten arbeite ich mit Buchen oder Linden“, erläutert er, „und mit Aquarellfarben, weil die sich mit dem Holz so gut verbinden“.

Leben als Künstler nicht einfach

Einfach ist das Leben als Künstler nicht, sagt er: „Allein vom Verkauf der Werke zu leben, war anfangs nicht möglich. Daher habe ich zwischendurch in anderen Ateliers oder als Messebauer gearbeitet.“ Doch Zweifel an seiner Entscheidung, Bildhauer zu werden, hatte er nie. Um Bekanntheit zu erlangen, ging er zu Kunstveranstaltungen, organisierte eigene Ausstellungen, bewarb sich – erfolgreich – um Stipendien.

So auch 2007, als ihn die hessische Kulturstiftung zum „Cité Internationale des Arts“, einem Atelier- und Wohnkomplex in Paris, schickte. Heute pendelt er zwischen seinen beiden Ateliers, lebt mal in Frankreich und mal in Frankfurt.

Derzeit arbeitet Stark an einem 52-teiligen Ensemble für die Uni Gießen. Den Auftrag gewann er durch die Teilnahme an einer Ausschreibung. Stark schnitzt Stühle, schafft aus der Form eine Schablone, gießt Bronze hinein, macht sie zu Kunstwerken. Diese werden dann auf dem Gießener Uni-Campus verteilt, als wetterfeste Sitzmöglichkeiten.

Ein weiteres, etwa 1,80 Meter großes Kunstwerk aus Lindenholz, das einem Pony mit herausgestreckter Zunge ähnelt, steht derzeit in der Eingangshalle der Oberfinanzdirektion, Zum Gottschalkhof 3. Es ist mit weiteren Exponaten von Stark und der Künstlerin Julia Roppel bis zum 26. Januar dort zu sehen. Die Ausstellung trägt den Titel „Die Welt ist nicht genug“. Geöffnet hat sie montags bis donnerstags, 9 bis 18 Uhr. Zudem sind Werke des Künstlers in der Fine German Gallery, Ostparkstraße 37, zu sehen.

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