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Sachsenhausen Hort des Nichtalltäglichen

Im Brückenviertel finden Kunden individuelle und inhabergeführte Geschäfte. Der Gewerbeverein wünscht sich mehr Grün und Fahrradstellplätze.

Bizzi
Lorenzo Bizzi vom Gewerbeverein will das Viertel verschönern. Foto: Boeckheler

Flair, also besondere Ausstrahlung, hat das Brückenviertel reichlich. Das Karree um Brücken-, Wall- und Schifferstraße ist nicht so schick wie die Schweizer Straße. Es gibt auch nicht so viele Waren wie auf der Zeil. Die Meile punktet mit kleinen, individuellen und inhabergeführten Geschäften. Ketten gibt es keine, dafür zuweilen krude Angebote und für globalisierte Großstädter irrwitzige Öffnungszeiten. Es ist eben ein nicht alltägliches Erlebnis, durchs Viertel zu flanieren.

Auch der Markt im Hof soll bald wieder eröffnen, sagt Lorenzo Bizzi vom örtlichen Gewerbeverein. Wegen Bauarbeiten muss der beliebte Erzeugermarkt, Imbiss und Samstagstreff derzeit pausieren. Auf dem Hof ist früher einmal eine Tankstelle ansässig gewesen. Nun prüft die Stadt, ob es aus der Zeit noch Rückstände gibt. Der Austausch mit der Bauaufsicht sei aber gut, auch die Signale, die von dort kommen, sagt Bizzi zuversichtlich.

Interessante Geschäfte bietet das Viertel noch reichlich andere. Erlesene Apfelweine gibt es zum Beispiel in Jens Beckers Apfelweinhandlung in der Brückenstraße 21. In den Regalen der früheren Apotheke findet sich gar köstliche Medizin: die Weine von Andreas Schneider aus Nieder-Erlenbach, Apfelseccos, Apfelschaumwwin, der Nöll Premium Schoppen. Und Wurst aus dem Hause Gref-Völsing. Eben „alles, was ein Frankfurter Muss ist“, sagt Becker. Der, ein distinguierter Gentleman mit Schirmmütze und bedächtiger Art, kommt eigentlich aus dem Bereich Marketing und Kommunikation. „Aber dann wollte ich was Ordentliches machen“, scherzt er.

Die Wahrheit ist noch ulkiger. Becker sagt sich von der Agentur los und macht sich selbständig. Dabei klappert er Apfelweinerzeuger ab, ob sie nicht Hilfe bei der Vermarktung ihres Produktes bräuchten. Seine liebste Idee: Eine Apfelweinhandlung aufmachen. Wie eine richtige Vinothek. „Das gab es noch nicht.“ Die Produzenten sind nicht angesprungen. Becker aber ist so vernarrt in den Gedanken, dass er den Schritt schließlich selbst wagt. Seine Apfelweinhandlung eröffnet im Nordend. Später, als der schöne Laden in Sachsenhausen frei wird, zieht er um.

Becker möchte die Tradition bewahren, sie gleichzeitig ein bisschen abstauben und niveauvoll weiter entwickeln. So finden sich Miggedeckel und Gerippte neben Weißweingläsern, edlem Gin und spektakulär teuren Apfelweinen. Auch einen Hausschoppen hat er gekeltert. „Damit die anderen mich ernst nehmen.“

Peppige Klamotten aus der guten alten Zeit gibt es bei Peggy Sue in der Wallstraße 20. „Retro Fashion“ verkauft Angi Henn dort, „alles Neuware, kein Second Hand.“ Hauptsächlich Damen kleiden sich dort ein, neuerdings gibt es aber auch ein Regal „für die Jungs“. Rock’n’Roll klingt aus dem Kofferradio, Rock’n’Roll hängt an den Bügeln. „Ich liebe die Musik und die Mode“, sagt Henn; seit sechs Jahren versucht sie, andere mit ihrer Begeisterung anzustecken. Seit 21013 im Brückenviertel.

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