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Sachsenhausen Für die UN mit Jugendlichen reden

Der Student Lukas Schlapp vertritt die Anliegen von Jugendlichen vor der UN-Generalversammlung. Dafür opfert er einen Großteil seiner Semesterferien.

Lukas Schlapp
Lukas Schlapp ist Student und Sprachrohr für Anliegen der Jugend bei den Vereinten Nationen. Foto: Christoph Boeckheler

Wenn Lukas Schlapp von seiner „Deutschland-Tour“ spricht, meint er nicht etwa eine Konzerttournee, auf der er bundesweit Stadien beschallt. Der 22-Jährige und seine Kollegin Antonia Kuhn aus Würzburg reisen als „Jugenddelegierte zur UN-Generalversammlung“ durchs Land, um Jugendlichen zuzuhören. So möchte Lukas Schlapp ein „möglichst repräsentatives Bild von den Belangen der Jugendlichen zeichnen“, um diese im Herbst mit einer Rede vor den Vereinten Nationen in New York zu vertreten. „Ich treffe so viele inspirierende Jugendliche“, beschreibt er seinen Tour-Alltag in Schulen, Vereinen und Parteien. „Am meisten hat mich bisher der Besuch in einer Jugendarrestanstalt beeindruckt.“

Dass Schlapps Studium an der Goethe-Universität für die Rundreisen schon im zweiten Semester in den Hintergrund rückt, stört den Politik- und Kunstgeschichtsstudenten kaum. Unterwegs sein, damit kennt sich Lukas Schlapp aus, der bereits in Nürnberg, Brasilien, den USA und Indien lebte. Vor zwei Jahren ging es für ein Freiwilliges Soziales Jahr im Städel nach Frankfurt. Erst in dieser Zeit habe er die Stadt für „ihre Bürgerprojekte und Offenheit“ schätzen gelernt. Er blieb zum Studieren – „obwohl ich immer dachte, mich zieht es nach Berlin.“

Doch statt die Semesterferien in Frankfurt zu genießen, tourt Lukas Schlapp durchs Land. Die Perspektiven der Jugend seien vielfältig, eine Verallgemeinerung falle schwer. Ihm begegnen überall „große Themen wie Gleichstellung, Nachhaltigkeit, Friede und Sicherheit.“ Auch über Digitalisierung und Teilhabe führt Lukas Schlapp regelmäßig Diskussionen. „Viele Staaten haben das verschlafen. Hier könnte die UN Vorreiter sein.“

Die Diskussionen offenbaren auch regionale Unterschiede, beobachtet Schlapp. So sei in ländlichen Regionen das Bedürfnis nach Freizeitmöglichkeiten und Mobilität größer. „Wir müssen aber immer wieder klar machen, dass wir keine regionalen Probleme an die UN transportieren. Wir betrachten die Belange der Jugend auf einer allgemeineren Ebene.“ Als Veganer würde Lukas Schlapp mit einem Jugenddelegierten selbst nicht nur über Tierschutz sprechen, sondern auch über Gentrifizierung. Sechs Monate habe er bei seinem Umzug nach einer Wohnung im Zentrum gesucht, bis er in Sachsenhausen fündig wurde.

Als Jugenddelegierter hofft Lukas Schlapp, Jugendliche stärker in politische Entscheidungsprozesse einzubeziehen. „Die Jugend hat einzigartige Perspektiven und deshalb auch einzigartige Ideen.“ Er wisse, dass er keine revolutionären Forderungen bei den Vereinten Nationen umsetzen könne. Es gehe eher darum, von der Weltgemeinschaft als Interessensgruppe ernst genommen zu werden. „Es heißt, Kinder seien die Zukunft. Wir wollen zeigen, dass sie schon die Gegenwart sind.“

Dafür opfert Lukas Schlapp viel Zeit, im Sommer sei er etwa die Hälfte eines Monates nicht in Frankfurt. Zwischen den Reisen gibt es noch die Universität, sein Ehrenamt im SPD-Ortsverein Sachsenhausen und ein wenig Freizeit. „Wenn ich frei habe, spaziere ich mit meiner Freundin und unserem Hund, in Sachsenhausen oder im Grüneburgpark.“

Doch „nach der Tour ist vor der Tour“, sagt Lukas Schlapp. Die Rede muss geschrieben werden, neue Reisen zu Jugendlichen stehen das ganze Jahr lang an. Für das kommende Jahr hat Lukas Schlapp sich selbst versprochen, kein großes Amt anzunehmen und sich voll auf sein Studium zu konzentrieren. Am Anfang sei ihm der volle Umfang noch nicht bewusst gewesen. Doch bei allem Aufwand, Lukas Schlapp würde „jederzeit wieder Jugenddelegierter werden wollen.“

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