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Sachsenhausen Eins geworden mit seinem Bass

Gregor Praml gestaltet einen Solo-Abend auf der Kultur-Bühne „Die Fabrik“

Sachsenhausen
Gregor Praml lockt besondere Töne aus seinem Instrument. Foto: Anja Jahn

Gregor Praml ist eher der ernste Typ. „Meine Frau sagt: introvertiert und still.“ Praml lächelt. Er weiß, dass es da einen kleinen Widerspruch gibt. Der Bassist ist sehr aktiv auf Theater- und Konzertbühnen. Er moderiert sogar ein Gesprächskonzert im Lokal des Mousonturms: „The Local Listener.“ Also introvertiert? „Ich höre gerne zu“, sagt Praml. Das ist dem 44-Jährigen wichtig. Zuhören, beobachten, daraus Rückschlüsse ziehen und sich dann einbringen. „Wenn ich das Gefühl habe, dass ich es verstanden habe.“

Am morgigen Mittwoch wird der ernste Mann alleine auf der Bühne stehen. Einen ganzen Abend lang auf der Kultur-Bühne „Die Fabrik“ in Sachsenhausen. Aber was heißt alleine? Praml hat seinen Kontrabass dabei. Das ist ein ausreichend großes Instrument, den recht großen Künstler angemessen zu stützen. Und da ist ja auch noch sein Effektboard zu den Füßen und seine Musik.

„Bass en Solo“ heißt das Programm – ein Wunderwerk. Praml lässt den Bass zum Orchester werden, mit Hilfe des bereits erwähnten Effektboards. Das verleiht seinem Instrument viele Stimmen. Die bündelt er mit einem Loop. Er nimmt eine Sequenz auf, lässt sie wieder laufen und spielt eine zweite dazu. Und eine dritte. Und so weiter. Die so entstehenden Klangwelten pendeln irgendwo zwischen Klassik, Tango, Pop und Theater. Sind mal sphärisch, mal rhythmisch, mal beides.

Die Idee hat er aus der Arbeit fürs Theater gewonnen. Praml, Sohn des schillernden Theatermachers Willy Praml, ist auf der Bühne aufgewachsen. Und schreibt schon lange Bühnenmusik. Was mit dem Bass natürlich nicht so leicht ist wie etwa mit einem Klavier.

Aber vom Klavier hat der junge Praml einst weggewollt. Der Pubertät wegen, sagt er. Aber bestimmt ist da noch etwas anderes gewesen. Denn kaum hält er einen Bass in der Hand, ist er verfallen. „Ich wollte nie Gitarre spielen.“

Künstler und Instrument passen so gut zusammen, das ihm sein Basslehrer empfiehlt, Musik zu studieren. Das ist Praml 15 und spielt Rock.

Äußerlich ist er der Rockmusik treu geblieben. Er ist kein Anzugsträger, bevorzugt Jeans und Dreitagebart. Musikalisch hat er sich auf die Reise gemacht. Er hat den vierseitigen Bass gegen den Fünfsaiter und später den Kontrabass getauscht. „Mit dem Bogen habe ich viel mehr Möglichkeiten bekommen. Selbst der Korpus kann Musik erzeugen“, sagt der Künstler.

Er spielt Tango, Weltmusik. Er beginnt, Bassstimmen zu entfremden und übereinander zu legen. Er produziert ein ganze Reihe an Theatermusiken. Dann stellt er fest: Die Stücke funktionieren auch ohne ihren eigentlichen Kontext. „Sie stehen für sich selbst.“ Kürzlich hat er in der Fabrik eine Lesung begleitet, was den Verantwortlichen dort so gut gefallen hat, dass sie ihn gleich für den Solo-Abend gebucht haben.

„Eine Herausforderung“, sagt er. Wirkt aber nicht so. Praml wird Schicht auf Schicht legen und Töne erzeugen, die noch nie zuvor aus einem Kontrabass gekommen sind. Außer bei Praml natürlich. Er wird aber auch viel reden zwischendurch. Anekdoten erzählen. Erklären, was in der Musik passiert. Denn Praml ist ein ernsthafter Typ. Er möchte, dass die Leute die Musik nicht nur hören. Sie sollen sie verstehen. Die Musiker hinter den Stücken kennenlernen. Auch darum moderiert er die eingangs erwähnte Local-Listener-Reihe.

Das hat etwas von einem Prediger, was Praml überhaupt nicht stört. Er ist ein gläubiger Mann. Beide Eltern sind in der Kirche. Er ist getauft, hat die Erstkommunion empfangen. Er findet es wichtig, ein Gefühl zu haben, dass da etwas Großes ist in der Welt. Das gibt er auch weiter. „Bei aller Kritik, die an der katholischen Kirche möglich ist, versuchen wir unseren Kindern einen Glauben zu vermitteln“, sagt Praml, der Familienmensch, verheiratet, zwei Kinder. „Sie können ja später selbst entscheiden, ob sie austreten wollen.“ Da ist er wieder Pragmatiker.

So wie in der Musik. Pramls Stücke sind nicht durchkomponiert. Er lässt sich Raum, auf den Moment zu reagieren. Auf das, was um ihn herum gerade passiert. Eine Kirche wirkt anders auf die Musik als ein Gewölbekeller, so wie ihn die Fabrik bietet. Praml ist selbst gespannt, was passieren wird.

Das Konzert „Bass en Solo“ am Mittwoch, 24. Oktober, beginnt um 20 Uhr in der „Fabrik“, Mittlerer Hasenpfad 5. Karten kosten 15 Euro, ermäßigt zehn Euro.

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