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Rennbahn in Frankfurt Der Rennklub gibt die Schlüssel ab

Die Schlüsselübergabe war friedlich. Doch der Streit ist noch nicht beendet: Die Rennbahnfreunde fordern von der Stadt Schadenersatz in Millionenhöhe.

Rennbahn-Gelände
Im Streit um das Rennbahn-Gelände erfolgte am Donnerstag die Schlüsselübergabe. Foto: Peter Jülich

Nach mehr als drei Jahren der Auseinandersetzung hat die Stadt Frankfurt wieder die Verfügungsgewalt über das Gelände der alten Galopprennbahn. Während sich am Donnerstagmorgen draußen vor den Toren in Niederrad Dutzende von Medienvertretern drängten, ließ sich drinnen Obergerichtsvollzieherin Roswitha Thiele die Schlüssel aushändigen. Carl-Philip zu Solms-Wildenfels, der Vizepräsident des Rennklubs Frankfurt, übergab sie ohne Verzögerung.

Mehrere Stunden lang nahm Thiele jeden Raum, jeden Winkel auf dem weitläufigen Areal in Augenschein. Parallel dazu tauschten Handwerker die Schlösser aller Tore aus. Polizeibeamte waren zugegen. Der Rennklub Frankfurt verzichtete auf Protestaktionen vor Ort, will aber dennoch seinen Widerstand gegen die geplante Akademie des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) fortsetzen.

Millionenklage gegen Stadt angekündigt

Zu Solms-Wildenfels kündigte im Gespräch mit der FR eine Millionenklage gegen die Stadt an. Die Freunde des Turfs wollen sich die 2,97 Millionen Euro von der Kommune auszahlen lassen, die diese vor zwei Jahren an den früheren Rennklub-Präsidenten Manfred Hellwig überwiesen hatte. „Dieses Geld steht uns zu“, sagte zu Solms-Wildenfels. Schließlich habe das Oberlandesgericht Frankfurt (OLG) festgestellt, dass der Vertrag mit Hellwig, in dem dieser auf seine Anteile an der Rennbahn verzichtet hatte, sittenwidrig gewesen sei.

Beim Landgericht Frankfurt reichte der Rennklub eine erste Klage gegen die Stadt auf 100 000 Euro Schadensersatz ein. „Es gibt keine DFB-Akademie ohne uns – wir ziehen noch lange keinen Schlussstrich“, sagte zu Solms-Wildenfels inmitten einer Traube von Kamerateams und Journalisten.

Die Freunde des Turfs setzen auch darauf, dass noch die Mieter dreier Wohnungen auf dem Areal ausharren. Der Rennklub erhielt tatsächlich von der Obergerichtsvollzieherin auch die Schlüssel zu den neuen Schlössern, weil noch ein Prozess zur Zukunft des sogenannten Quotenhauses auf dem Grundstück andauert. Dessen Räumung hat die Stadt noch nicht durchgesetzt.

Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) und Sportdezernent Markus Frank (CDU) stellten sich vor Ort den Journalisten, vermieden aber triumphierende Töne. Schneider sprach von „einigen juristischen Fallstricken“, die es noch gebe. „Das ist aber nichts, was uns weiter aufhalten kann.“

Der vom Rennklub angerufene Bundesgerichtshof (BGH) werde seine Entscheidung in der Hauptsache „bald“ treffen. Der BGH hatte am Mittwoch den Eilantrag gegen die Räumung abgelehnt.

Der Liegenschaftsdezernent ließ jedoch offen, wann er das Gelände an den Deutschen Fußball-Bund übergeben wird. „Das kann noch dieses Jahr sein, aber auch im ersten Quartal nächsten Jahres.“ Mit dem Abriss der Tribüne und der anderen Bauten kann die Stadt noch nicht beginnen. Der Rennklub hatte dagegen eine einstweilige Verfügung durchgesetzt. „Die müssen wir noch aus der Welt schaffen“, sagte Stadtrat Schneider. Auch gegen den städtischen Bebauungsplan für die DFB-Akademie und den geplanten Sport- und Bürgerpark wurde bereits Widerspruch eingelegt.

Sportdezernent Frank würdigte die Bedeutung des Tages für Frankfurt. „Die DFB-Akademie ist für die Sportstadt mindestens ebenso wichtig wie die Europäische Zentralbank für den Finanzplatz.“ Frankfurt steige damit „in die europäische Sportliga“ auf. Frank forderte den Rennklub indirekt auf, seinen Widerstand endlich aufzugeben. „Irgendwann ist das Spiel einmal vorbei und man muss sagen: Ich habe verloren – aber diese Erkenntnis fehlt noch!“ Der „Sinn dieses Widerstandes“ leuchte ihm nicht mehr ein.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Rennbahn

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