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Rechtsstreit Rennklub will Millionen von der Stadt

Fast drei Millionen Euro hat die Kommune an den früheren Rennklub-Präsidenten Manfred Hellwig gezahlt. Der Klub sagt, das Geld stehe ihm zu und klagt.

Räumung Rennbahn | Frankfurt | 21.09.2017
Carl-Philip zu Solms-Wildenfels hat zwar mittlerweile die Schlüssel zum Rennbahn-Gelände abgegeben, doch Ruhe gibt er nicht. Foto: Peter Jülich

Der Rennklub Frankfurt hat eine Millionenklage gegen die Stadt eingereicht. Vor dem Landgericht machen die Freunde des Turfs geltend, dass die 2,98 Millionen Euro, die von der Kommune an den früheren Rennklub-Präsidenten Manfred Hellwig gezahlt worden waren, eigentlich ihnen zugestanden hätten.

„Nach dem Vertrag, den wir mit der Stadt hatten, mussten Überschüsse an den Rennklub weitergeleitet werden,“ so der Vizepräsident Carl-Philip zu Solms-Wildenfels.

Tatsächlich habe Hellwig das Geld von der Stadt aber in die eigene Tasche gesteckt, „unter anderem für ein Weingut in Spanien“. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen Hellwig wegen des Verdachts der Untreue und des Betruges, wie die FR bereits im Juli 2017 berichtet hatte. Hellwig ist zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen. Zu Solms-Wildenfels urteilt: „Die Stadt hat sich von Hellwig an der Nase herumführen lassen.“ Der Klub will außerdem vor der EU-Kommission die Stadt erneut wegen verbotener Subvention anzeigen. Der Bausachverständige Holger Schmidt-Isermann hat im Auftrag von Solms ein Gutachten zum Wert des Rennbahn-Geländes in Niederrad an der Schwarzwaldstraße erarbeitet.

Er kommt zu dem Ergebnis, dass das riesige Areal tatsächlich einen Wert von 21,9 Millionen Euro besitze. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der auf dem Grundstück der Rennbahn eine Fußball-Akademie errichten will, muss aber lediglich 6,9 Millionen Euro an die Stadt zahlen. „Es ist also in erheblichem Maße unzulässig subventioniert worden“, urteilt zu Solms-Wildenfels.

Der Rennklub hofft darauf, dass die EU-Kommission das auch so sieht. Eine erste Klage in Brüssel sei nur gescheitert, weil ein Gutachten zur Untermauerung der Rechtsposition gefehlt habe.

Dessen ungeachtet treiben die Stadt und der DFB die Vorbereitungen für den Bau der 150 Millionen Euro teuren Fußball-Akademie weiter voran. Fachfirmen haben im Auftrag des DFB umfangreiche Bodenuntersuchungen auf dem Gelände in Niederrad angestellt. Es wurden keine Altlasten gefunden. Außerdem haben die Experten das Baugrundstück vermessen und wichtige Bäume kartiert, die nicht gefällt werden sollen.

Allerdings müssen drei besonders geschützte Tierarten vor Beginn der Bauarbeiten für die Fußball-Akademie umgesiedelt werden. Auf dem Rennbahn-Gelände lebt der Heldbockkäfer, auch Großer Eichenbock genannt.

DFB ungeduldig

Dieses bis zu 53 Millimeter lange Tier ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. Der selten gewordene schwarz-braune Große Eichenbock, der zu den größten Käfern Europas zählt, muss deshalb umgesiedelt werden. Dazu sollen eigens beauftragte Sammler bald die Population abtransportieren und mit ihr auch die alten Baumstämme, in denen sie lebt. Der Eichenbock ist recht standorttreu und hält sich fast ausschließlich in seinem Geburtsbaum auf. Als zweite Tierart müssen Schwalben umziehen, als dritte Fledermäuse.

Der DFB wartet mit Ungeduld darauf, den Bauantrag für die Akademie bei der Stadt einbringen zu können. Allerdings ist das Verfahren des städtischen Bebauungsplanes noch nicht weit genug fortgeschritten. Die Stadt kann erst an eine Genehmigung denken, wenn „keine wesentlichen Hindernisse“ mehr für das Bauvorhaben zu erwarten sind, so sieht es das Baugesetzbuch im Paragrafen 33 vor. Diese sogenannte „33er-Reife“ ist noch nicht erreicht, so Mark Gellert, der Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD).

Die Fachleute des Deutschen Fußball-Bundes hoffen gegenwärtig, im Herbst dieses Jahres mit den eigentlichen Bauarbeiten für die Akademie beginnen zu können.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Rennbahn

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