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Räumungstermin Unspektakuläres Ende der Rennbahn

Nach der Räumung ist die 152 Jahre alte Galopprennbahn in Frankfurt-Niederrad nun endgültig Vergangenheit.

Rennbahn
Sie durften sich freuen: die Stadträte Jan Schneider (links) und Markus Frank bei ihrer improvisierten Pressekonferenz. Foto: Peter Jülich

Nebelschwaden ziehen an diesem Spätsommermorgen über den Turf. Die Konturen der alten Haupttribüne schälen sich erst beim Näherkommen aus dem Grau. Neben dem Tor wirbt das „Rennbahn-Golf-Bistro“ auf einer angekratzten Schiefertafel mit „durchgehend warmer Küche von 16-22 Uhr“. Und fordert die Passanten auf: „Schauen Sie sich den wunderbaren Blick auf die Frankfurter Skyline an!“ In Wahrheit ist das alles längst vorbei, das Bistro liegt verlassen da. Und Spaziergänger kommen künftig auch nicht mehr rein.

Im Hintergrund, vor dem Panorama der Hochhäuser, ist eine einsame Figur auszumachen, die langsam von links nach rechts läuft. Stehen bleibt, weitergeht. Im Vordergrund einige Polizeibeamte. Der Einsame ist Carl Philip zu Solms-Wildenfels, der Vizepräsident des Rennklubs Frankfurt. Unter den Dutzenden von Medienvertretern, die sich vor dem Haupteingang drängen, erkennen ihn einige. „Der macht jetzt einen auf Beckenbauer“, vermutet ein Kollege – in Anspielung auf den Rundgang des Teamchefs über das Spielfeld im Olympiastadion von Rom, als die Nationalmannschaft 1990 die Fußballweltmeisterschaft gewonnen hatte.

Der Kampf ist endgültig verloren

Der 37-jährige zu Solms-Wildenfels ist sozusagen auf der Rennbahn aufgewachsen, er hat als Kind in den Ställen gespielt, seine Mutter Alexa hielt dort Rennpferde. „Ich habe mich alleine damit abfinden müssen, dass es jetzt vorbei ist“, so erklärt der Immobilienkaufmann später im Gespräch mit der FR seine Abschiedsrunde. Der aberwitzige, geradezu manische Kampf mit der Stadt, in den der Unternehmer mehrere Hunderttausend Euro investiert hat, ist endgültig verloren.

Er wirkt an diesem Morgen für seine Verhältnisse sehr zurückgenommen, hat alles Großsprecherische abgelegt, spult routiniert noch ein paar Sprüche runter, während die Journalisten und Kamerateams ihn bedrängen. Zu Solms klammert sich geradezu an das „Sarotti-Häuschen“ auf dem Gelände, das seine Mutter einst bauen ließ und für das die Stadt keine Räumungserlaubnis hat. „Es gibt ungestörte Besitzverhältnisse“, sagt der Adlige – und jeder, auch er selbst, weiß, dass dies die Entwicklung nicht verhindern wird.

Plötzlich geht alles ganz schnell

„150 Jahre Rennbahn – Volksfeststimmung“: Ein altes Spruchband an der Hinterwand der Haupttribüne erinnert an die große Jubiläumsfeier. Gerade zwei Jahre ist das her. Da rückt ein Mann von innen ans Haupttor vor, der einen metallenen Koffer trägt und sehr entschlossen wirkt. 10.49 Uhr: Der Mann schneidet die Kette am Tor durch, die rasselnd zu Boden fällt. Er bohrt das Zylinderschloss auf. Geht ruckzuck. Die Fotografen und Kameraleute sind entzückt. „Ich will aber nicht im Fernsehen mit meinem Gesicht abfotografiert werden“, sagt der Handwerker grimmig. Keiner lacht.

Flugs ist ein neues Schloss installiert. Kurze Probe mit dem Schlüssel: passt. Der Anwalt der Stadt schlüpft ins Innere. Keine Interviews: „Erst mal vollstrecken!“, ruft er fröhlich. Zwei schwere schwarze Limousinen rollen heran, darin jüngere Männer in dunklen Anzügen: die Stadträte Jan Schneider (CDU) und Markus Frank (CDU).

Jetzt versammeln sich auch Anwohner, schütteln mit dem Kopf, schimpfen. „Die Polizei hat mich runtergejagt vorhin“, sagt ein weißhaariger Mann fassungslos. Er habe doch nur, sagt er, wie immer seinen Morgenspaziergang über die Rennbahn machen wollen. „Da kommste jetzt nicht mehr rein“, sagt der Jüngere neben ihm.

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