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Paradieshof in Sachsenhausen Baudezernent soll Hängepartie beenden

Der Paradieshof im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen steht zehn Jahre leer. Der zuständige Dezernent Jan Schneider (CDU) soll der Römer-Koalition nun Unterlagen für eine Entscheidung vorlegen.

Sachsenhausen
Seit einem Jahrzehnt verrammelt: der Paradieshof. Foto: Michael Schick

Es ist ein trauriges Jubiläum aus Sicht der Stadtentwicklung: Seit zehn Jahren stehen die Gebäude des Paradieshofes in Alt-Sachsenhausen leer. Seit vier Jahren gibt es Gespräche zwischen der Kommune und dem potenziellen Nutzer, der European School of Design. In ihrer jüngsten Runde haben die Spitzenpolitiker der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen jetzt endgültig die Geduld verloren. Liegenschafts- und Baudezernent Jan Schneider (CDU) wurde beauftragt, „die Hängepartie zu beenden“, so Manuel Stock, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Römer.

Schneider soll den Spitzen-Repräsentanten der Koalition so schnell wie möglich „alle Unterlagen für eine Entscheidung vorlegen“, so Stock. Detlef Wildermuth, der Direktor der European School of Design, erhebt im Gespräch mit der FR Vorwürfe gegen den Liegenschaftsdezernenten. „Wir warten noch immer auf Angaben darüber, wie hoch der Förderbeitrag für einen Umbau des Paradieshofes sein würde und welche Erbpacht zu zahlen wäre“, sagte Wildermuth.

Der letzte Kontakt mit Schneider datiere vom Februar. „Wir sind hilflos“, klagt Wildermuth: „Seit vier Jahren haben wir sehr viel Herzblut in das Projekt gesteckt, aber diese Art der Verhandlungsführung durch die Stadt blockiert uns einfach.“

Die private Designschule ist derzeit sehr beengt an der Hamburger Allee in Bockenheim untergebracht und würde gerne nach Sachsenhausen umziehen. Man sei auch bereit, die alte Gebäudesubstanz selbst zu sanieren, versichert der Direktor der privaten Schule.

Von Bau- und Liegenschaftsdezernent Jan Schneider war trotz mehrfacher Anfrage der FR keine Stellungnahme zu enthalten. Nur wenige Hundert Meter vom Paradieshof entfernt liegt der alte Kuhhirtenturm. Er ist erst im Jahr 2011 aufwendig, nämlich für rund 800 000 Euro, saniert worden. Der im späten 14. Jahrhundert errichtete Wehrturm birgt das Hindemith-Kabinett – eine Ausstellung zum Frankfurter Komponisten Paul Hindemith (1895-1963). Fünf Präsentationsräume geben einen Einblick in Leben und Werk des Mannes, der auch Musikpädagoge und Dirigent war.

Aber auch hier gibt es Kritik am heutigen Zustand. Die FDP im Römer kritisiert, dass der Turm überhaupt nur sonntags von 11 bis 18 Uhr öffentlich zugänglich sei. Die planungspolitische Sprecherin der Römer-Fraktion, Elke Tafel-Stein, fordert vom Magistrat, zu prüfen, ob das Kabinett nicht zumindest zwei- bis dreimal in der Woche geöffnet werden könne. Aber auch beim öffentlichen Raum rund um den Kuhhirtenturm brauche es dringend eine Verbesserung. „Ausstellungsbesucher beklagen immer wieder die Hinterlassenschaften der letzten Partynacht, über die sie sonntags stolpern müssen“, so die Stadtverordnete Tafel-Stein. Es brauche eine frühere Reinigung der Gassen des alten Kneipenviertels: „Eine Ballermann-Atmosphäre sollte vermieden werden.“

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