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Oberrad Verlag mit blinder Lektorin

Weil andere Unternehmen Vorbehalte hatten, gründet Daniela Preiß mit „Infinity“ ihren eigenen Verlag. Ihr nächstes Buch will sie über die Fußballnationalmannschaft schreiben.

Daniela Preiß
Auf einen Praktikums- oder Volontariatsplatz hat Daniela Preiß bislang vergeblich gewartet. Foto: Christoph Boeckheler

Daniela Preiß kennt sich mit Büchern aus. Die 32-Jährige hat nicht nur Buchwissenschaft studiert und steht kurz vor der Abgabe ihrer Doktorarbeit, sondern hat selbst bereits mehrere Romane, Biographien und Kurzgeschichten verfasst. Ihr nächstes Projekt ist eine Satire über die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, die im kommenden Jahr zur Weltmeisterschaft erscheinen soll.

Trotz ihrer Erfahrung hatte die Frau aus Oberrad es bisher schwer, im Verlagswesen Fuß zu fassen – vor allem, weil sie von Geburt an blind ist. „Ich habe bisher weder ein Praktikum noch ein Volontariat, eine Art Ausbildung, bei einem Verlag bekommen, weil es oft Vorbehalte und Unsicherheiten gibt“, erzählt Preiß. „Ich kann nicht alle Ablehnungen auf die Behinderung schieben, aber sie trägt schon dazu bei.“

Kein Interesse an „klassischen Blindenberufen“

Aufgeben möchte die junge Frau nicht. Ihre Sehbehinderung soll sie nicht davon abhalten, die gleiche Arbeit zu machen wie andere Menschen. „Es gibt klassische Blindenberufe wie Masseur oder Musiker. Das wollte ich aber alles nicht machen.“ Dieses Ziel hat Preiß nun auf einem ungewöhnlichen Weg erreicht: Statt bei einem Verlag zu arbeiten, baut sie zusammen mit Ernährungsberater und Personal-Trainer Hesam Kokabpick einen neuen Verlag auf.

Kennengelernt haben sich die beiden in einem Sportgeschäft von Kokabpick, wo Preiß eine Biographie über den blinden Laufsportler Harald Lange vorstellen wollte, die sie geschrieben hatte. Das Ergebnis dieses Treffens ist die Gründung des neuen Unternehmens: Unter dem Namen „Infinity Verlag“ sollen Ratgeber zu verschiedenen Lebenslagen veröffentlicht werden. Das erste Buch von Kokabpick mit Tipps für den Alltag soll noch in diesem Jahr erscheinen. Preiß wird außer der Betreuung der Autoren im neuen Verlag auch das Lektorat und das Marketing übernehmen.

Möglich ist ihr das dank einer speziellen Computer-Software und einer sogenannten Braillezeile, die am Computer angeschlossen wird. Zum einen liest das Gerät durch das Programm vor, was Preiß eintippt oder auf dem Monitor markiert. Zum anderen wird der Text auf der Braillezeile in Blindenschrift wiedergegeben. „Ich höre den Text und lese ihn gleichzeitig mit den Händen“, erklärt Preiß. „Dadurch habe ich gleich auf zwei Wegen die Möglichkeit, Fehler zu finden.“

Die Einschränkungen der Technik haben sie bisher bei ihrer Arbeit nicht gestört. So kann sie keine handgeschriebenen Texte lesen oder Layout-Aufgaben übernehmen. Auch Diagramme können von der Software nicht wiedergegeben werden. „Ich arbeite aber auch bei keinem Verlag, der Bücher mit Statistiken herausgibt.“

Die Arbeit bei „Infinity“ sieht Preiß als Chance für ihre berufliche Laufbahn an: „Hier kann ich zeigen, was ich kann und Erfahrungen sammeln.“ Dennoch will sie zunächst weiter versuchen, bei anderen Verlagen ein Volontariat zu bekommen. „Ich glaube, dass ich auch nochmal Zeit bei einem Verlag brauche, den ich nicht selbst mit aufbaue“, sagt Preiß. „Man bekommt ein anderes Verständnis von der Arbeit, wenn man sieht, wie es woanders gemacht wird.“

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