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Oberrad Und ewig klingen die Kartoffeln

Olav Schweinitz, Kartoffelmann der dritten Generation, bringt lautstark Knollen und Zwiebeln zum Endverbraucher.

Olav Schweinitz
Laut erschallt in Oberrad, dass Olav Schweinitz Knollen hat. Foto: Christoph Boeckheler

Mit grüner Latzhose bekleidet, die Wollmütze auf dem Kopf und mit Glocke sowie Megafon in den Händen steht Olav Schweinitz neben seinem Verkaufsmobil in der Oberräder Kochstraße. Die Planen des orange-grünen Wagens sind hochgeklappt, geben den Blick auf Kartoffeln, Äpfel und Zwiebeln frei. Kräftig läutet der Verkäufer mit der Glocke in alle Himmelsrichtungen, ruft lautstark „Kaaartoffeeeln und Äpfeeel, direkt vom Baueeern“ in sein Megafon. Schweinitz möchte seine Waren an umliegende Haushalte verkaufen, macht sich so freitags bei Wind und Wetter an 25 Stationen in Oberrad bemerkbar.

An sechs Tagen in der Woche ist der Kartoffelmann, wie ihn die Oberräder nennen, unterwegs. Er fährt durch Straßen in Frankfurt, Offenbach, Mühlheim, Hanau und Maintal. Sein Beruf habe „nicht nur betriebswirtschaftliche, sondern auch soziale Aspekte“, erläutert Schweinitz. Viele alte Menschen freuen sich über seine regelmäßigen Verkaufsbesuche. Besonders diejenigen, die nicht mehr mobil sind, zählen auf ihn: „Einigen Kunden reiche ich die Kartoffeln durchs Fenster. Viele könnten mich ohne Glocke und Megafon nicht mehr hören“, erklärt Schweinitz. Gern unterhält sich der Verkäufer mit seinen Kunden, gibt Tipps zur Lagerung und Zubereitung seiner Waren. Doch die Zeitspanne von zehn Minuten pro Haltestelle darf er dabei nicht aus den Augen verlieren: „95 Prozent meiner Kunden sind Stammkunden, und die rechnen fest damit, dass ich pünktlich bin.“

„Es gibt Kunden, die werden schon von Kindesbeinen an, seit 60 Jahren, vom Kartoffelmann beliefert“, erzählt Schweinitz. Der Kartoffelmann – das sind in diesem Zusammenhang drei Generationen von Kartoffelmännern. Schweinitz Vorgänger Gerhard Glock stieg 1956 im Alter von 14 Jahren in das Geschäft seines Vaters ein. Weil dessen Töchter den Betrieb nicht übernehmen wollen, suchte der 64-Jährige einen Nachfolger. Nachbar und Freund Schweinitz hatte bereits eine Schreiner- und Verkäuferlehre sowie seinen Handelsfachwirt gemacht, wollte den Betrieb übernehmen. Also arbeitete Glock ihn einige Monate ein. Das Läuten der Glocke, die Rufe und der mobile Verkauf – das alles wirkt wie ein Relikt aus vergangenen Tagen. Lohnt sich der mobile Verkauf denn heute noch? „Sonst würde ich es ja nicht machen“, kontert Schweinitz. Der mobile Handel habe im Laufe der Jahrzehnte zwar abgenommen, doch es kämen heute verstärkt auch junge Menschen zu ihm: „Die legen wieder Wert auf Regionalität und Qualität.“

Seine saisonale Ware bezieht er hauptsächlich aus der Wetterau und der Pfalz, sagt Schweinitz. Das Sortiment habe er nach und nach erweitert und den Kundenwünschen angepasst. So gibt es wieder sechs Wochen lang Spargel, wenn demnächst die Saison startet. Einen besonders langen Halt macht Schweinitz freitags von 9.30 bis 10 Uhr am Getränkemarkt nahe dem Buchrainplatz. Nur wenige Meter entfernt befindet sich ein Supermarkt. „Der Wettbewerb belebt das Geschäft“, findet Schweinitz. Eine Kundin, die auf dem Weg in den Supermarkt ist, bestätigt seine Theorie. Denn ihre Kartoffeln kauft sie nicht im Einzelhandel, sondern beim Kartoffelmann.

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