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Oberrad Ruhe in Frieden unter Bäumen

Der Trauerwald auf dem Oberräder Waldfriedhof bietet ein naturnahes Begräbnis. Die Stadt möchte damit der wachsenden Nachfrage nach alternativen Bestattungsformen nachkommen.

Bestattungen
Namen und Daten der Verstorbenen können auf einem Schild eingetragen werden. Foto: Christoph Boeckheler

Durch die Blätter der Laubbäume auf dem Waldfriedhof in Oberrad blinzelt die Herbstsonne. Vögel zwitschern von den Ästen herunter. Heimische Baumarten wie Ahorn, Buche und Eiche wachsen in die Höhe. Seit Juli bieten sie die letzte Ruhestätte für Menschen, die sich eine Bestattung in naturbelassener Umgebung wünschen. Aus siebentausend Quadratmetern städtischem Forst ist ein Trauerwald entstanden, als erster seiner Art in Frankfurt.

Bestattungsbäume statt Grabsteinen – mit diesem Angebot reagiert die Stadt auf die zunehmende Nachfrage nach alternativen Bestattungsformen. Den immer individueller werdenden Anfragen wolle man mit dem Trauerwald gerecht werden, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Und auch den „Trend hin zur Urne“ berücksichtigen. Denn immer weniger Menschen entscheiden sich für eine Sargbestattung.

Etwa zwei Drittel aller Bestattungen in Frankfurt sind mittlerweile Urnenbeisetzungen. Immer wichtiger sei es vielen auch, Gräber zu wählen, die wenig Pflege benötigten, sagt der Leiter der Abteilung für Friedhofsangelegenheiten, Thomas Bäder. Entweder, um Angehörigen Arbeit und Kosten zu ersparen. Oder weil die Grabstätte vom Heimatort abweicht und sich deshalb niemand um das Grab kümmern kann.

Im Trauerwald übernimmt die Natur die Grabpflege. Zersetzbare Urnen gehen mit der Zeit in den Waldboden über. Grabschmuck und Kerzen sind nicht erlaubt, nur am Tag der Beisetzung dürfen Blumen niedergelegt werden. Ansonsten soll die Natur den Verstorbenen so unberührt wie möglich eine letzte Heimat sein. Und nur so könne der waldartige Charakter – mit den Vorteilen eines Friedhofs – erhalten bleiben, sagt Stephan Heldmann, Leiter des Grünflächenamts.

Auch die Bestattungsbäume selbst bleiben unangetastet. Lediglich ein Schild steht vor jedem Baum. Darauf nachzulesen ist die Art, der Baum selbst ist als großer Kreis auf dem Schild eingraviert. Umringt ist er von kleinen runden Plaketten. Dort können Name, Geburts- und Todesdatum der Verstorbenen eingetragen werden. Auch anonyme Bestattungen sind möglich.

Fast nicht sichtbar, zwischen Laub und Geäst, kennzeichnen kleine rote Markierungen im Boden das jeweilige Grab. Eine genaue Verortung der Gräber sei für die Angehörigen wichtig, sagt Heilig. Ungefähr zehn Grabstellen sind pro Baum vorgesehen. Dabei gleicht keine Grabstelle der anderen. Mal steht ein Baum alleine, mal stehen mehrere als Gruppe aneinander. Jeder hat die Möglichkeit, sich bei einem Gang durch den Trauerwald vorab einen Baum auszusuchen. Auch mehrfache Voraberwerbe sind erlaubt. So können sich Familien oder Freunde nebeneinander bestatten lassen.

Bereits 14 Gräber seien reserviert. 15 Menschen wurden seit dem Anfang Juli im Trauerwald beigesetzt, sagt Bäder. Das sei überdurchschnittlich viel für einen solch kurzen Zeitraum.

Weitere Informationen zu den Bestattungen im Trauerwald gibt es unter www.trauerwald-frankfurt.de oder beim Grünflächenamt unter Telefon 212-3 96 67.

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