Lade Inhalte...

Oberrad Nach 30 Jahren ist Schluss

Vereinsrings-Spitze wird im März nicht mehr kandidieren. Die zwei Gründungsmitglieder wollen sich auf ihre Familie und die Arbeit in ihren Heimatvereinen konzentrieren.

Vereinsring-Chefin Oberrad | Frankfurt | 09.02.2017
Dieter Gaul und Christa Giar legen ihre Ämter im Vereinsring nieder. Foto: peter-juelich.com (peter-juelich.com)

Sie war für mich das Gedächtnis“, sagt Dieter Gaul. „Und er für mich der Computerdoktor“, sagt Christa Giar. Beide schauen sich über den Tisch des Eiscafé Dolce Vita am Buchrainplatz an, lächeln. 30 Jahre lang haben sich die Mitbegründer des Oberräder Vereinsrings im Vorstand „blind die Bälle zugespielt“, wie sie sagen – im März ist Schluss damit. Bei der nächsten Mitgliederversammlung am 13. März wollen sie nicht mehr kandidieren.

„Der Schritt fällt mir nach so langer Zeit nicht leicht, aus gesundheitlichen Gründen ist er aber notwendig“, betont die erste Vorsitzende, die im August 75 Jahre alt wird. Ihrem Kassierer Dieter Gaul geht es ähnlich. „Ich habe mich mein halbes Leben lang für den Vereinsring eingebracht, mit viel Idealismus, Herzblut und guten Nerven“, sagt der 60-Jährige. „Aber irgendwann ist mal gut. Und wenn man so lange mit jemanden zusammengearbeitet hat, dann will man auch mit keinem anderen mehr.“

Nun wollen sie Platz machen, für Jüngere, für neue Ideen. Sie wollen mehr Freizeit für sich und ihre Familie und sich auf die Aufgaben in den eigenen Verein konzentrieren: Christa Giar als erste Vorsitzende beim Singkreis Frohsinn, Dieter Gaul als Kassierer beim Skiclub und Heimatverein.

„Wir sind beide waschechte Frankfurter und Oberräder“, betont Giar und ihre schmalen Augen hinter den Brillengläsern beginnen zu tanzen. Die kleine, quirlige Frau kommt aus einer alten Oberräder Familie, in der alle Sänger waren. Da lag es nahe, dass sie mit 16 Jahren auch in mehreren Chören sang. Mit Gleichgesinnten schloss sie sich 1984 zum Singkreis Frohsinn zusammen.

Im selben Jahr gründete Gaul den Oberräder Skiclub. Der große stämmige Sohn einer Gärtnerfamilie hatte immer Spaß auf der Piste. Aus Gaudi und um günstiger Ski fahren zu können habe er mit seiner Clique den Club ersonnen. Heute ist der Verein mit mehr als 300 Mitgliedern einer der größten Skiclubs Frankfurts.

„Vor 30 Jahren waren wir halt anders drauf, da herrschte Aufbruchstimmung“, erinnert sich Giar. In dieser Stimmung habe Rolf Eckert von der Spielvereinigung die sieben existierenden Oberräder Vereine angeschrieben, ob sie sich nicht zusammenschließen wollten. „Wir fanden die Idee gut“, sagt Giar, und Gaul nickt.

Dennoch habe es zwei weitere Jahre gedauert, bis der Vereinsring gegründet war. „Die meisten waren skeptisch, weil sie Angst hatten, ihre Selbstständigkeit zu verlieren“, erinnert sich Gaul. Allein bis die erste Satzung stand, ging ein Jahr ins Land. „Wir haben viele Gespräche geführt, um die Bedenken zu zerstreuen, aber es hat sich gelohnt“, sagt er.

Seit 1987 treten nun die Oberräder Vereine mit einer Stimme auf, feiern gemeinsam Feste und halten vier Mal im Jahr Mitgliederversammlungen ab. Mit Giar und Hermann Schöniger an der Spitze sowie Gaul als Schatzmeister. „Wir haben einiges erreicht“, sagt er. Der Vereinsring wuchs von sieben auf 24 Mitglieder an. „Von Sport, Kultur und Soziales ist alles vertreten“, sagt Giar und richtet sich auf. Größte Errungenschaft sei der Erhalt des Depots am Buchrainplatz gewesen, als einzigen verbliebenen Treffpunkt für die Vereine, den sie auch selbst bewirtschaften können. Zudem rief der Dachverband das Stadtteilfest auf dem Gelände der Villa Bonn und den Weihnachtsmarkt auf dem Buchrainplatz ins Leben.

Für die Organisation und den reibungslosen Ablauf der Feste war Giar zuständig. Die gelernte Sekretärin hatte die Terminübersicht, informierte die Vereine, stellte das Programm zusammen, sorgte für das Equipment. „Da hab ich schon manch schlaflose Nacht gehabt.“ Bei 500 bis 1000 Besuchern, die im Sommer zum Stadtteilfest kommen, muss alles klappen. „Einmal fanden die bestellten Dixiklos nicht den Weg zu uns, weil sie im Stau standen, da kommt man schon mal ins Schleudern“, sagt Giar und lacht.

Dieter Gaul sorgte für die Außenwerbung, gestaltete Plakate, hielt die Internetseite auf dem neusten Stand und die Finanzen im Blick. „Und wenn mir mal ein Termin durchrutschte, erinnerte mich Christa daran“, sagt der EDV-Fachmann und zwinkert ihr über den Tisch hinweg zu. „Ich kann beruhigt in Ruhestand gehen“, sagt er, „ich übergebe ein bestelltes Haus, wie es so schön heißt.“

Leicht wird es nicht, einen Nachfolger zu finden. „Es ist nicht so, dass jeder hier schreit“, sagt Gaul ganz offen, „aber wir sind auf einem guten Weg.“ Er habe schon Gespräche geführt. Fest steht, für beide Posten muss sich ein Vereinsmitglied aus Oberrad bereit erklären, so sieht es die Satzung vor. Zudem sollten die Nachfolger Talent fürs Organisieren und ein Gespür für Menschen haben. „Es ist halt ein verantwortungsvoller Job“, sagt Giar, „aber wir sind ja da und helfen.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum