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Oberrad Kampf der Kelterer

Beim Apfelwein-Festival stehen 15 Stöffche zur Auswahl. Seit vier Jahren veranstaltet der Oberräder Ski-Club das Festival.

Ebbelwoi-König
Michael Koch (rechts) ist der neue „Oberräder Ebbelwoi-König“. Foto: privat

Manchmal kommt die Einsicht selbst für einen Ur-Frankfurter spät. „Bis vor sieben Jahren habe ich nie Apfelwein getrunken“, sagt Dieter Gaul. Doch dann hat ihn Manfred Wiegand, der Gründer des Oberräder Apfelwein-Festivals, auf den Geschmack gebracht. Nun keltert der 60-Jährige jedes Jahr bis zu 300 Liter für den Hausgebrauch.

Mit seinem Stöffche aus dem eigenen Keller hat sich Gaul am Sonntag bei der elften Auflage des Schoppen-Festivals präsentiert. „Selbstkeltern ist eine Lebenseinstellung“, sagt Gaul und gibt sich geläutert. Der gebürtige Oberräder weiß um die Tradition: „Früher gab es im Stadtteil viele, die selbstgekeltert haben – vor allem die Gärtner, denn die hatten im Winter eh nix zu tun.“

14 Stadtteil- und ein Gastkelterer aus Wiesbaden preisen im Bürgertreff Depot an der Oberräder Landstraße ihren hauseigenen Apfelwein. Gegen fünf Euro Eintritt dürfen die Besucher alle Sorten verköstigen – und anschließend bewerten. Der Hobby-Kelterer mit den meisten Stimmen nimmt im Sommer an den Hessischen Meisterschaften teil.

15 gefüllte Bembel

Seit vier Jahren veranstaltet der Oberräder Ski-Club das Festival. Zuvor hatte der Männerchor von 1873 die Verantwortung getragen. „Ich bin Ur-Oberräder und habe schon mit meinem Opa gekeltert“, sagt Ski-Club-Pressewart Steffen Marly. „Es wäre schade, wenn die Tradition stirbt.

Auf einer roten Tafel sind die 15 gefüllten Bembel aufgereiht. Davor stehen Büchsen, in die die Besucher Unterlegscheiben werfen können. Der Apfelwein, der mit den meisten Münzen bedacht wird, gewinnt. „Man schmeckt aus den 15 Proben seinen eigenen nur in den seltensten Fällen heraus“, sagt Gaul. Favorisiert seien fruchtige Schoppen, da auch viele Frauen ihre Stimmen abgäben.

Insofern hebt sich Stefan Schell von der Masse ab. „Ich mag es gerne trocken-kernig“, sagt der Rödelheimer. Als er die Startnummer sieben probiert, verzieht das Gesicht: „Der passt mir jetzt gar nicht, das ist 08/15.“ Noch einen Schluck zur Sicherheit, ehe sich der 50-Jährige Notizen auf seinem Bewertungsbogen macht: „Nee, das ist nix!“

Der Höhepunkt ist um 17 Uhr, wenn die gefüllten Büchsen gewogen werden. Am Ende steht fest: Das süffigste hausgemachte Stöffche kommt diesmal von Michael „Euro“ Koch. Er trägt nun ein Jahr lang den Titel „Oberräder Ebbelwoi-König“.

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