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Oberrad Das Forsthaus als Fundbüro

Lars Eckert kümmert sich seit einem Jahr um den Oberräder Forst. Bei einer Exkursion mit dem Bürgerverein stellt er seine Arbeit vor.

Förster
Der Förster führt den Bürgerverein ins Wäldche. Foto: Christoph Boeckheler

Volker Hartmann vom Bürgerverein hat kürzlich etwas entdeckt. „Ich sah jemanden zwischen den Bäumen umher huschen.“ Entschlossen spricht Hartmann die Gestalt an, die sich als der neue Oberräder Förster Lars Eckert entpuppt. Ein sehr interessantes Gespräch habe man geführt, so Hartmann. So interessant, dass Eckert nun den ganzen Bürgerverein durch den Wald leiten muss. Er tut das gekonnt und mit Freude.

So neu ist Eckert auch gar nicht mehr im Forst. Seit September 2016 ist der 36-Jährige fürs Revier zuständig. Ist also „ganz gut eingearbeitet“. Etwa 40 Leute umfasst die Prozession, die über den Beckerweg ins Wäldche vordringt. Weit läuft die Gruppe nicht, Eckert hat auch zu viel zu zeigen und erzählen. Da wäre etwa der Eichenstamm, der gefällt am Wegesrand liegt. Der Förster hat alte Bombensplitter in dem Stamm entdeckt. Von außen sieht man die nicht, sie sind komplett verwachsen. Im Innern erkennt man sie an der bläulichen Verfärbung des Holzes.

Daumennagel bis faustgroß sind die und machen den Stamm zum Ladenhüter. Kein Sägewerk möchte sich die Blätter daran verbiegen. Eckert ist gerne Holzhändler. 3000 bis 3500 Kubikmeter verkauft die Stadt im Jahr. Weitaus weniger, als nachwachse. Eigentlich könnte Eckert 5200 Kubikmeter fällen lassen. Tut er aber nicht, der Nachhaltigkeit wegen.

Die ist eines der Elemente, die seinen Beruf so vielseitig machen. Schon als 13-Jähriger war er beim Praktikum bei Förster in Saarlouis fasziniert vom Wald und der Vielfalt der Aufgaben, die es dort zu erfüllen gibt: Wegebau, Jagd, Holzernte, Naturschutz. „Ich mache sogar die Büroarbeit gerne“, sagt er.

Eckert hat in Göttingen Forstwirtschaft studiert, hernach hat er neun Jahre lang für das Landesforstamt gearbeitet. Absolventen bekommen nicht gleich ein eigenes Revier angetragen. „Das ist eine große Verantwortung.“ Förster treffen Entscheidungen, die sich auf die kommenden 100 Jahre auswirken. Eckert hat an der Berufsschule Waldarbeiter ausgebildet, hat Schulklassen und Kindergartengruppen durch den Wald geführt, hat im Revier Groß-Gerau den Einsatz von Maschinen bei der Waldarbeit koordiniert.

Erfüllung eines Jugendtraums

Die Stelle in Oberrad ist nun die Erfüllung seines Jugendtraums. „Forstwirtschaft im Ballungsraum ist anders“, sagt Eckert. Der Wald ist Landschaftsschutzgebiet, seltene Tiere leben da, etwa Hirschkäfer, bedrohte Fledermausarten. Der Oberräder Forst ist auch Erholungsraum für die Menschen, ganze Lauftreffs sind auf dem 72 Kilometer langen Wegenetz unterwegs, Radler, Besucher mit Hunden. Für die Reiter gibt es sogar 26 Kilometer separate Waldwege, damit es zwischen Pferd, Hund und Rad nicht zu Konflikten kommt.

Eckert muss die Wege sicher und frei halten. Die Betriebsunterkunft an der Buchrainstraße ist zuweilen auch Fundbüro. Das Revier Oberrad besteht aus 900 Hektar Wald. Wobei der Wald nicht nur aus Bäumen besteht. Auch Wege gehören dazu, Parkplätze, Waldseen, Spielplätze. Im westlichen Teil des Forstes tummelt sich Damwild im östlichen Rehe. Wildschweine gibt es keine, nur wenige schaffen es über die B3, werden aber nicht sesshaft. „Vielleicht ist es ihnen zu laut“, sagt ein Oberräder – ständig donnern die Flugzeuge über die Wanderer. „Vielleicht?“, sagt Eckert und lacht. „Aber am Flughafen gibt es Wildschweine.“

46 Prozent des Baumbestandes sind Buchen. Es wäre der alles beherrschende Baum, wenn die Förster nicht lenkend einschritten. Mit den Oberräder Eichen hat Eckert nun ein Versuchsprojekt begonnen. Eigentlich kaufen die Frankfurter Förster Setzlinge in der Baumschule. Nur wissen sie dann nicht, ob die Bäumchen das passende Genmaterial mitbringen, um im Oberräder Forst zu gedeihen. Nun hat Eckert Eichen gesät, mit Saat der Eichen, die seit 250 Jahren vor Ort gedeihen. „Wir sind gespannt, was passiert.“

Die Legende, dass im Maunzenweiher Riesenwelse schwömmen, kann Eckert bestätigen. Enten- und Gänseküken leben dort angeblich gefährlich, weil sie von den Welsen in die Tiefe gerissen würden. „Das habe ich einmal gesehen.“, sagt Eckert.

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