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Oberrad Anschluss an die Region

Die FDP greift die alte Idee wieder auf, in Oberrad eine S-Bahnstation zu realisieren. Die wäre am alten Bahnhofsgebäude an der Wehrstraße möglich.

Am alten Oberräder Bahnhof in der Wehrstraße 42 wünscht sich die FDP eine S-Bahn-Station für den südlichen Stadtteil. Foto: Christoph Boeckheler

Die FDP im Ortsbeirat 5 hat kürzlich eine verwegene Idee geäußert: Man könnte doch ein Infrastrukturprojekt planen, bevor die eigentliche Bebauung steht, die das Projekt nötig macht. „Sonst läuft es meist anders herum“, sagt FDP-Mann Florian Reineking. Heißt: Ein Wohngebiet entsteht und die neuen Bewohner warten noch Jahre auf den Nahverkehr oder Kindergärten.

Konkret handelt es sich um die Idee, eine S-Bahnstation in Oberrad zu realisieren. Eigentlich ein altes Thema. Beim Bau der Bahnstrecke von der Ostendstraße über den Kaiserlei nach Offenbach haben die Verantwortlichen extra in Oberrad Platz gelassen. Am alten Bahnhof an der Wehrstraße könnte problemlos ein S-Bahnsteig entstehen. Bislang haben das Verkehrsexperten allerdings nicht für notwendig erachtet. Zu wenig Fahrgäste würden die Station nutzen, sagen sie.

Inzwischen tut sich aber was in direkter Nachbarschaft. Die Städte Offenbach und Frankfurt entwickeln die Grundstücke am ehemaligen Kaiserlei-Kreisel. Besonders zwei mögliche Großprojekte haben die FDP hellhörig gemacht. Die Internationale Schule könnte an den Kaiserlei ziehen, auch eine große Multifunktionshalle könnte dort entstehen. Flächen, auf denen die Projekte Platz hätten, gibt es gar nicht so viele. Zwei, sagt Reineking. Und eine davon könnte in der Nähe des alten Oberräder Bahnhofs liegen. Egal ob große Sporthalle oder Schule – eine S-Bahnstation käme beiden Projekten gelegen.

Ganz schön viele Konjunktive seien das, sagen die Experten der Stadt Frankfurt zu den Überlegungen. Was nicht heißt, dass die Kommune die Idee schlecht findet. Es scheint, als wäre sie in den Hinterzimmern der Macht zumindest präsent.

Derweil äußern sich manche Oberräder skeptisch. Auch die SPD im Ortsbeirat 5 glaubt, eine S-Bahnstation rentiere sich nicht für den Stadtteil, und wäre sie doch da, ginge das eher zu Lasten der guten Tramverbindung nach Sachsenhausen und Offenbach.

Die ist den Oberrädern wichtig. 1884 ist sie die erste elektrische Straßenbahn in Deutschland gewesen. Das hat viele Touristen in den Stadtteil gebracht, die einfach mal mit „der Elektrischen“ fahren wollten. Eine Blütezeit. 40 Gaststätten haben die Gäste damals in Oberrad gefunden. Das ist im Schwanheimer Verkehrsmuseum nachzulesen.

Florian Reineking glaubt dagegen nicht, dass eine S-Bahnstation die Tram einschränken würde. „Das sind doch andere Pendlerströme“, sagt er. Mit der Tram fahre man drei, vier Stationen. Die S-Bahn binde Oberrad dagegen an die ganze Region an.

Das schmucke alte Oberräder Bahnhofsgebäude stünde für eine S-Bahnstation allerdings nicht zur Verfügung. In den 90ern hat die Bahn das Gebäude verkauft an den Verein „Schlaraffia Francofurta“. Das ist eine Vereinigung, die sich den Themen „Kunst, Freundschaft und Humor“ verschrieben hat. Die Schlaraffen, auch Uhus genannt, hätten aber nichts gegen einen S-Bahnanschluss vor der Tür. „Das ist für unsere Mitglieder umso besser“, sagt Sprecher Horst Hilling.

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