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Oberrad Abenteuer nicht mehr für alle

Der Spielplatz Beckerwiese steht künftig vor allem Gruneliusschülern offen. Im kommenden April soll das Areal wieder geöffnet werden.

Bauspielplatz Oberrad
Der größte Teil des Bauspielplatzes ist bereits zurückgebaut. Foto: Michael Schick

Der Abenteuerspielplatz am Scheerwaldparkplatz steht den Kindern in Oberrad künftig nicht mehr uneingeschränkt zur Verfügung. Das Frankfurter Kinderbüro hat das neue Konzept und den neuen Träger am Freitag im Ortsbeirat 5 vorgestellt. Die Freunde und Förderer der Gruneliusschule verantworten nun das Angebot, in Kooperation mit dem Nachbarschaftszentrum Ostend.

Demnach wird das Areal, inzwischen Beckerwiese genannt, zu einer Art Lehrgarten der Gruneliusschule. Freitags und samstags macht das Nachbarschaftszentrum Angebote für Kinder bis sechs Jahren. Das ist eine Einschränkung des Grundgedankens, allen Kindern des Stadtteils Abenteuer zu ermöglichen. Allerdings ist es eine große Verbesserung des Status quo: Derzeit kann das Areal nämlich gar niemand nutzen.

2014 hat die Stadt das 800 Quadratmeter große Fläche als klassischen Bauspielplatz eröffnet. Oberräder Kinder haben schmucke Hütten errichtet und bunt angemalt. Der Verein Abenteuerspielplatz Riederwald hat sich als Träger um die jungen Bauherren gekümmert, hätte das gerne auch weiterhin getan. Doch die Stadt möchte das Angebot nicht dauerhaft finanzieren. Zumal es ein rechtliches Problem gibt: Die Fläche liegt im Landschaftsschutzgebiet, Hüttenbau ist dort gar nicht erlaubt.

Darüber kann sich Kinderbeauftragter Roland Limberg noch immer aufregen. „Das kann ich nicht nachvollziehen“, sagt er. Die Holzhütten der Kinder seien keineswegs eine gravierende Versiegelung des Bodens gewesen und schon gar nicht „exzessiv“, wie das Amt beanstandet habe. Der Abenteuerspielplatz sei auch nicht auf einem wertvollen Biotop entstanden. Limberg erinnert an die Anfänge, als er das völlig verrümpelte Grundstück erst mit Eltern von „acht Kubikmetern Müll“ befreien musste. Jetzt noch, beim Abbau der Hütten, haben Helfer eine kleine verbuddelte Deponie entdeckt. „Da hat sich jahrelang kein Amt darum gekümmert“, schimpft Limberg. Entsprechend seien die „Fronten verhärtet“ gewesen zwischen den Ämtern und dem Kinderbeauftragten.

Der ist nun aber auch froh, dass die Stadt das Grundstück nicht ganz aufgibt. „Ich danke Frau Feuerbach für die Mediation.“ Spielen, Lernen, draußen sein. Das soll das Motto des neuen Platzes Beckerwiese sein, erklärt besagte Susanne Feuerbach, die Leiterin des Kinderbüros. Die bunten Hütten sind inzwischen abgebaut, die hohe Bretterwand auf 1,50 Meter gekappt, als Riegel zwischen Park- und Spielplatz. Die Bühne bleibt erhalten, der Bauwagen verschwindet noch. Jetzt muss zumindest an der Oberfläche neuer Boden her. Das erledigen die Mitarbeiter einer Firma, die demnächst ihren Social Day auf dem Areal ableistet, sich also ehrenamtlich engagiert.

„Es ist wichtig, dass Kinder sich auch mal draußen aufhalten“, sagt Martina von der Heiden, vom neuen Trägerverein, den Freunden und Förderern der Gruneliusschule. Sie ist begeistert, dass die Schule das Gelände nun für die Ganztagsbetreuung nutzen kann. Unterricht im Freien soll es geben, auch Ferienangebote. Im April soll es auf dem Gelände losgehen, zum Auftakt mit einem Kinderflohmarkt.

Auch Barbara Conrad-Langner vom Nachbarschaftszentrum Ostend freut sich auf die kommende Saison. Das Zentrum ist in Oberrad aktiv, weil es dort keine eigene Familienbildungsstätte gibt. Mit dem Wochenend-Angebot will das Zentrum mit seinen offenen Familientreffs künftig auch berufstätige Menschen stärker ansprechen. Zusätzlich zur Naturerfahrung kann sich Conrad-Langner für das Areal auch Theater, Lesungen und Feste vorstellen.

Roland Limberg nutzt die Bühne derweil noch für „ein paar mahnende Worte“. Das offene Angebot Abenteuerspielplatz habe integrativ in den Stadtteil hineingewirkt. Alle möglichen Eltern und Kinder aus allen möglichen Kulturen seien dort zusammen gekommen, hätten gehämmert und gewerkelt und eben kommuniziert. So ein Angebot fehle dem Stadtteil nun. „Wir müssen wieder dafür sorgen, dass es in Frankfurt Angebote gibt, an denen alle teilhaben können.“

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