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Niederrad Suchthilfe expandiert

Die Fleckenbühler in der Kelsterbacher Straße bieten nicht nur ehemaligen Suchtkranken ein Zuhause. Sie führen auch zwei Bio-Läden, bilden zum Bäcker aus und bieten ihre Scheune als Veranstaltungsort an.

Tag der offenen Tür
Tag der offenen Tür bei den Fleckenbühlern: Bewohner und Besucher sitzen beim Kaffee zusammen. Foto: Rolf Oeser

Es duftet nach Weihnachtsgebäck als Rolf Sterk, Leiter der Selbsthilfegemeinschaft ehemaliger Drogen- und Alkoholabhängiger namens Fleckenbühler, durch die Räume in der Kelsterbacher Straße führt. Zum Tag der offenen Tür der Einrichtung stehen Plätzchen, Kuchen und Selbstgebackenes auf dem Tisch. Diese sind, im wahrsten Sinne des Wortes, von „Profis gebacken“, wie Sterk erklärt.

Der Bäckerberuf ist einer von vielen Ausbildungen, den die Gemeinschaft anbietet. Gegründet in den späten 80er Jahren sind die Fleckenbühler mittlerweile viel mehr als nur eine Suchthilfe. Zum Konzept gehören auch eine Ausbildungsstätte, ein Bauernhof und zwei Naturkostläden. „Vor allem sind wir ein Zuhause für mehr als 70 Menschen“, betont Sterk. Der Hausleiter blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück. In Frankfurt sowie auf dem Bauernhof bei Cölbe standen zahlreiche Projekte auf dem Plan.

So präsentierten sich die Fleckenbühler vor allem auf dem zentralen Bruchfeldplatz in Niederrad. Als einer der Koordinatoren leitete der Verein die kulturelle Veranstaltungsreihe „Wilder Sommer“ von Juni bis September. Ziel war es, den Platz im Herzen des Stadtteils qualitativ aufzuwerten. „Wir möchten eine Mitte für Niederrad schaffen“, sagt Sterk.

 

Schon 2011 hatten Bürger in einer Planungswerkstatt Vorschläge zur Umgestaltung der Fläche gemacht. Die Diskussion darum ist mehr als zehn Jahren alt. Viel passiert ist seither aber nichts.

„Durch den Wilden Sommer sind die Ideen nun wieder da“, findet Sterk. Der Magistrat bestätigte die grundlegende Sanierung im Rahmen des Programms „Schöneres Frankfurt“. Neben neuem Spielgerät und Grün möchten die Fleckenbühler vor allem eines umsetzen: Der Platz soll zum Anziehungspunkt und Treffpunkt im Viertel werden – etwa durch ein Café. „Als Betreiber stünden wir bereit“, sagt Sterk. Verschönert wird der Platz voraussichtlich aber erst 2020. Dis dahin findet die Kita Kelsterbacher Straße auf dem Bruchfeldplatz ihr Ausweichquartier. Das Gebäude aus den 1970er-Jahren wird abgerissen und neu gebaut.

Nicht nur Suchtkranken konnte die Initiative im vergangenen Jahr helfen. Jeden dritten Samstag organisierte sie eine Lebensmittelausgabe der Frankfurter Tafel in ihrer Einrichtung. „Diese Aufgabe übernehmen wir nur temporär“, erklärt Sterk. Normalerweise werden die Lebensmittel in der Jakobuskirche in Goldstein verteilt. Diese wird aber voraussichtlich bis 2018 saniert. Bis dahin helfen die Fleckenbühler der Tafel aus.

Als großen Erfolg wertet Sterk die Expansion der Fleckenbühler-Bioläden. Im Mai eröffnete eine zweite Filiale im Sachsenhäuser Brückenviertel. Der „Grünkern“ in der Stegstraße 59 bietet einen vegetarischen Mittagstisch sowie Erzeugnisse des Fleckenbühler-Bauernhofs bei Marburg. „Verwendet werden nur Bioprodukte und Eigenerzeugnisse“, betont Sterk.

Überdies konnten die Fleckenbühler ihre Scheune auf dem Hof bei Cölbe wiederaufbauen, die vor Jahren abgebrannt war. „Die Scheune dient nicht nur als Getreidespeicher“, so Sterk, „sondern auch als Veranstaltungsort.“ Geplant sind Konzerte und Nachhaltigkeitskonferenzen. Auch Taufen und Hochzeiten sollen dort stattfinden.

„Das Etablieren der Scheune als Veranstaltungsort wird 2018 eine wichtige Aufgabe“, sagt Sterk. Eine weitere der Aufbau des Ladens in der Stegstraße. Und auch auf dem Bruchfeldplatz möchten die Fleckenbühler wieder präsent sein. Der „Wilde Sommer“ soll im Juli fortgesetzt werden.

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