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Niederrad Golfclub als Kleinod

Der Golfclub Frankfurt wurde für sein Umweltengagement ausgezeichnet.

Jürgen Menz
Mitglied Jürgen Menz genießt die Natur und geht „mit offenen Augen“ über die Anlage. Foto: Christoph Boeckheler

Gabriele Sachse steht an der alten Weymouthkiefer und schaut aufs Grün. „Ich liebe diese Bahn.“ Platzvorstand Klaus Veith nickt. „Bahn 15 ist mit 455 Metern unsere zweitlängste.“ Sachse, die das Amt von Veith demnächst übernehmen wird, ergänzt: „Sie ist am weitesten im Wald drin.“

Ortstermin beim Golfclub Frankfurt in Niederrad. Seit 1928 wird hier zwischen der Bürostadt und dem Stadion auf stattlichen 62,5 Hektar Golf gespielt, mitten im Bannwald und im Wassereinzugsgebiet. In der heutigen Zeit wäre so ein Golfplatz nicht mehr möglich. „Wald wird heute nur noch für Fußballstadien oder Flughäfen gerodet“, sagt Veith. 1927 aber war es noch möglich, Schneisen für einen Golfplatz in den Wald zu schlagen. Der damalige Erbauer des Golfplatzes, der renommierte Engländer Harry Colt, nutzte dabei die Gegebenheiten perfekt aus und bettete die Anlage in die bestehende Landschaft ein. So hat sich auf der Anlage ein Refugium erhalten, das andernorts in der Stadt kaum noch zu finden ist. Etwa die Altmainterrassen, die Kelsterbacher Treppe oder natürliche Dünen, wie sie sonst im Rhein-Main-Gebiet nur noch in Schwanheim zu finden sind.

Seit ein paar Jahren bemüht sich der Golfclub in besonderer Weise um eine umweltgerechte Bewirtung des Geländes. Dieser Tage haben die Niederräder das Goldzertifikat des Umweltprogramms des Deutschen Golfverbandes erhalten. Neun festangestellte Gärtner kümmern sich in

um die Hege und Pflege der 18 Bahnen und der Natur drum herum. Dabei geht es nicht nur um das perfekte Grün, sondern auch um eine ansprechende „Kulisse“. Denn da der Golfclub wegen der Auflagen im Wassereinzugsgebiet keine künstlichen Wasserhindernisse bauen darf, müssen die Bäume für den Schwierigkeitsgrad der international renommierten Anlage sorgen. Dafür wurden in den vergangenen Jahren auch schon 30 neue Großbäume gepflanzt. Um den ursprünglichen Charakter als Heidelandschaft im hinteren Teil des Platzes zu erhalten, setzte der Golfclub nach Beratung durch einen Fachmann aus der Lüneburger Heide neue Heide-Stecklinge.

Auf der Anlage fühlen sich nicht nur Golfer wohl. Füchse werden ebenso regelmäßig gesichtet wie Fledermäuse und Bussarde und besonders stolz ist Platzvorstand Veith auf die Spechte: „Wir haben hier sogar den scheuen Mittelspecht. Da hier keine Hunde erlaubt sind, ist es ruhiger als im Stadtwald.“

Stephan Heldmann, der Leiter des für den Golfplatz zuständigen Grünflächenamts, ist nicht ganz so euphorisch: „Ein Golfplatz ist definitiv nicht die Form der Grünfläche, um unsere Biodiversität zu erhöhen.“ Gleichwohl räumt der Fachmann ein, dass der Golfplatz eine gute Entwicklung genommen habe und wegen des relativ hohen Altholzbestandes sehr gute Rahmenbedingungen habe. „Der Verein weiß das Kleinod zu pflegen“, betont Heldmann.

Noch ein paar Wochen, dann wird es Frühling entlang der Golfstraße. Bis die Heide an Bahn 15 blüht, wird es wohl noch bis August dauern. Gabriele Sachse freut sich schon drauf.

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