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Nied Selbst kocht das Kind

Die neue Stadtteilbotschafterin Dunya Mansoor will Kindern in Nied Spaß an gesunder Ernährung vermitteln. Viele ihrer jungen Kursteilnehmer kennen Gemüse und Obst von zu Hause nicht.

Dunya Mansoor
Dunya Mansoor zeigt den Kindern, wie man Gemüsepfanne und Crispy Chicken zubereitet. Foto: peter-juelich.com

Selbst kochen ist gar nicht schwer – besonders, wenn viele Hände mit anpacken. Für die meisten der sechs Kinder zwischen neun und zwölf Jahren, die im Jugendhaus Nied am Projekt „Die Kunst des Kochens“ teilgenommen haben, eine völlig neue Erfahrung. „Viele Eltern lassen die Kinder nicht beim Kochen mithelfen, sondern kochen alleine oder machen einfach Fertiggerichte warm“, sagt Dunya Mansoor. Die 16-Jährige ist die erste Stadtteilbotschafterin für Nied und hat das Projekt ins Leben gerufen. „Der Bezug zu gesunder Ernährung wird für Kinder leichter, wenn sie Essen auch selbst zubereiten“, sagt sie.

Als Teil ihrer Arbeit als Stadtteilbotschafterin hat Mansoor von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft ein Budget von bis zu 3000 Euro erhalten. Zudem wird die engagierte junge Frau während des 18-monatigen Stipendiums in Seminaren und Workshops weitergebildet und von einem Mentor beraten. Mit dem Programm werden seit zehn Jahren Frankfurter zwischen 15 und 27 Jahren gefördert, die sich in ihrem Stadtteil engagieren wollen. „Ich koche selbst gerne und hatte während eines Praktikums in einem Hort mit Kindern zu tun“, erklärt Mansoor die Idee. „Irgendwann fiel mir auf, dass man beides doch gut verbinden könnte.“

Insgesamt sechs Tage wurde in der Küche des Jugendhauses, die der Verein „Kind in Nied“ zur Unterstützung des Projektes zur Verfügung gestellt hatte, zusammen gekocht und gegessen. Für fast jeden Teilnehmer kam es dabei zu neuen Erfahrungen rund um gesunde Ernährung: „Einige Kinder haben zum ersten Mal Obst und Gemüse wie Frühlingszwiebeln, Sojabohnen oder Mangos probiert“, sagt Mansoor. Eingekauft wurde täglich zusammen im Supermarkt. Aus den frischen Zutaten entstanden Frühlingsrollen, Gemüsepfannen oder das besonders aus Fast-Food-Restaurants bekannte „Crispy Chicken“, Hähnchen mit knuspriger Panade. „Die Kinder dachten, dass man sowas wie aus dem Fast-Food-Restaurant gar nicht selbst machen kann“, sagt Mansoor. „Am Ende hat es ihnen aber sogar besser geschmeckt.“

Besonders gut kam bei den Kindern an, dass sie selbst Gemüse schneiden, Fleisch braten oder Säfte mixen durften. „Zuhause kochen meine Eltern alleine, aber jetzt will ich gerne mithelfen“, sagt die neunjährige Soraya. Am besten haben ihr die Frühlingsrollen geschmeckt. „Ich habe sonst nie viel Gemüse gegessen, aber jetzt weiß ich, dass das schmeckt.“ Auch der zehnjährige Erik möchte künftig mehr in der Küche helfen und die Gerichte von Mansoor nachkochen. „Die Rezepte möchte ich auf jeden Fall meiner Mutter geben, weil die sehr lecker waren.“

Der Plan der 16-jährigen Kochlehrerin ist am Ende sogar besser aufgegangen als gedacht: Die Kinder sind nicht nur vom Kochen begeistert, sondern haben auch ihre Freunde mit dem Kochfieber angesteckt. In den Herbstferien wird Mansoor ihr Projekt daher mit einer neuen Gruppe fortsetzen. Im kommenden Jahr ist zudem pünktlich zur 800-Jahr-Feier von Nied ein Kochbuch mit den Rezepten aus dem Projekt geplant.

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