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Konsulat Türkische Schicksalswahl in Sachsenhausen

Im Generalkonsulat an der Kennedyallee haben die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in der Türkei bereits begonnen.

Türkisches Generalkonsulat in Frankfurt
Im türkischen Generalkonsulat ist ein Wahllokal aufgebaut worden. Foto: Christoph Boeckheler

Wenn man es nicht wüsste, man käme kaum auf die Idee, Zeuge einer zentralen politischen Entscheidung zu werden. Was sich im Hof des türkischen Generalkonsulats an der Kennedyallee abspielt, wirkt vor allem routiniert und gelassen. In einem großen Zelt sind mit Trennwänden kleine Räume abgesteckt, darin befinden sich je eine Wahlkabine und eine Urne. Die Wähler müssen kurz warten, bekommen von Security-Mitarbeitern eine Kabine zugewiesen und sind wenige Minuten später schon wieder draußen. Die Stimmung ist ruhig und konzentriert.

Während die parallel angesetzten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in der Türkei erst am 24. Juni stattfinden, haben sie in Frankfurt bereits begonnen. Seit vergangenem Donnerstag und noch bis zum 19. Juni können rund 144.000 türkische Staatsbürger, die in Hessen leben, im Konsulat ihre Stimme abgeben. Und es kommt auf jeden Wahlzettel an: Beobachter sind sich einig, dass der Wahlausgang ungewiss ist und die weitere Entwicklung der Türkei stark prägen wird. Gelingt es Präsident Recep Tayyip Erdogan und seiner Partei AKP, ihre Macht zu verteidigen und sie mit dem neuen Präsidialsystem sogar auszubauen? Oder kann die Opposition Erdogans autoritären Kurs stoppen?

Den Wählern ist es in jedem Fall sichtbar wichtig, ihre Stimme abzugeben. Eine fünfköpfige Familie, die gemeinsam gekommen ist, macht stolz ein Selfie vor dem Konsulat, dabei schwenkt sie eine große türkische Fahne. Natürlich stimme er ab, sagt ein Mann Mitte 40, der mit seiner Frau zur Wahl gekommen ist. Er komme aus Rüsselsheim und sei froh, dass alles so schnell gegangen sei. „Am Wochenende war hier alles voll“, sagt er. Was er gewählt hat, will er nicht verraten – so wie fast alle Wähler, die bei dieser Frage meist etwas gequält lachen.

Onur hat dagegen kein Problem, zu seiner Wahl zu stehen. Er habe sein Kreuz bei der linken, prokurdischen HDP und ihrem derzeit inhaftierten Vorsitzenden Selahattin Demirtas gemacht, sagt der Frankfurter Philosophiestudent. „Die HDP muss auf jeden Fall über zehn Prozent kommen“, sagt er. In seinem Freundeskreis gebe es viele Oppositionelle, sie gingen alle zur Wahl – trotz ihrer Angst vor Wahlbetrug. Die Opposition sei dieses Mal sehr gut aufgestellt, sagt Onur, er hoffe durchaus auf ein Ende der Ära Erdogan. So sieht das auch ein Mitglied der größten Oppositionspartei CHP, das an der Abstimmung in Frankfurt als Wahlbeobachter teilnimmt. Er habe bisher nichts zu beanstanden, sagt er, die Wahl verlaufe fair und reibungslos. Und er hoffe sehr, dass Muharrem Ince, der Präsidentschaftskandidat der CHP, Erdogan im zweiten Wahlgang schlagen könne.

Dass die Abstimmung von Mitgliedern der unterschiedlichen türkischen Parteien überwacht wird, betont auch ein ranghoher Mitarbeiter des Konsulats, der für die Organisation der Wahl zuständig ist. Die versiegelten Urnen aus Frankfurt würden ins Wahlamt nach Ankara geflogen, der Transport und die Auszählung vor Ort dort  von Wahlbeobachtern der Parteien überwacht, sagt er. „Das wird alles sehr transparent gemacht.“

Bisher klappe die Organisation gut, allerdings hätten erst 16.000 Menschen gewählt. Eine seiner Mitarbeiterinnen wirft ein, vielleicht seien viele Wahlberechtigte zum Fastenmonat Ramadan in die Türkei geflogen und gäben dort ihre Stimme ab. „In den ersten Tagen war es sehr ruhig“, sagt sie. Aber man rechne damit, dass in den nächsten Tagen noch viele Wähler kommen.

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